Donnerstag, 3. Oktober 2013

Erntedank


Von diesen hübschen Früchten liegen zur Erntedankzeit ziemlich viele an meinem Weg – buchstäblich. Da sie am Wege liegen, sind sie meines Wissens herrenlos und dürfen geerntet werden.

Die meist roten, manchmal gelben Früchte stammen vom Sorbus domestica, einem Rosengewächs. Noch letztes oder vorletztes Jahr hab ich sie für Zierfrüchte gehalten. (In unserer Familie haben wir in der Kindheit verinnerlicht: vom Essen von Zierfrüchten fällt man tot um.) Bis ich eines Tages unserem polnischen Küster davon gesprochen habe. Dieser wiederum hat mir erzählt, daß man diese Äpfelchen in Masuren ohne weiteres ißt. In der Tat schmecken sie sogar ziemlich gut, vor allem, wenn es schon kalt gewesen ist. Die Ausbeute über Nacht in den Kühlschrank stellen soll auch helfen, ist aber dieses Jahr gar nicht nötig, die Früchte sind bereits sehr süß.

Feinschmecker und dementsprechend Interessierte verwenden ihn zum Herstellen von Cidre und Obstbrand; das ist nichts für mich, aber für meinen Bedarf an Vitamin C nehme ich sie gerne mit, und es bleibt noch genug für die Fauna vor Ort – wobei ich nicht den Eindruck habe, als wenn die dort reichlich vorhandenen Tiere sich für die Früchte irgendwie interessierten. Jedenfalls habe ich noch keine angefressenen gefunden. Früher hat man aus diesen etwas über kirschgroßen Früchten ein Hausmittel gegen Brechdurchfall und die Ruhr gemacht, daher der wenig appetitanregende Name: Speierling. In Deutschland scheint all dies mittlerweile nur noch wenig bekannt, und so ist der Speierlingsbaum hier selten geworden.

Früchte am Weg…
…und kurz bevor sie den Weg alles Vergänglichen gehen.

Kommentare:

Cinderella01 hat gesagt…

Der Speierling wurde in Hessen schon immer gern zum Äppelwoi machen hergenommen. Früher in kleinen Keltereien, heute kann man solche Sorten sogar im Supermarkt oder Getränkehandel kaufen ... und Calvados mit kleinen Äpfeln drin fand ich früher auch ganz lecker.

Braut des Lammes hat gesagt…

Marmelade oder Törtchen backen ginge damit wohl auch ganz gut; wäre zwar wegen der Größe der Früchte mit etwas mehr Arbeitsaufwand verbunden, nichtsdestotrotz.

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