Montag, 28. Oktober 2013

Katholische Bücher: Black Robe

Als ich seinerzeit zum ersten Black Robe sah (ich muß mir den Film[1] mindestens viermal im Kino angesehen haben, allein um seiner großartigen Bilder und Musik willen), hatte ich wenig Ahnung vom Schicksal der jesuitischen Märtyrer. In der Tat kann man davon ausgehen, daß es sich bei dem Priester, dessen Ministrant P. Laforgue einmal war, um P. Isaak Jogues gehandelt haben muß, einen Priester, der, von Entbehrungen, Gefangenschaft und Folter gezeichnet, zwischenzeitlich nach Frankreich heimgekehrt war und trotzdem danach dürstete, sein Werk fortführen zu dürfen. P. Jogues hatte um seines Schicksals willen eigens eine Dispens des Papstes erhalten, trotz seiner verstümmelten Hände die Heilige Messe feiern zu dürfen. Später ging er in die Mission nach Nordamerika zurück und erlitt dort im Oktober 1664 das Martyrium.

Die Begegnung mit diesem Priester bewegt den jungen Paul Laforgue dazu, sein Leben wie jener der Mission unter den Huronen zu weihen. Die Kirche Sainte Marie among the Hurons (Unsere Liebe Frau unter den Huronen) kündet bis heute namentlich davon. Von Anfang an wird deutlich, daß der junge Priester die für einen Europäer großen Entbehrungen in der kanadischen Wildnis nur um der Liebe zu den Seelen auf sich nimmt (extra ecclesiam nulla salus), nichts anderes erfüllt ihn.

Die Jesuiten, die um ihrer Soutanen willen „Black robes“ genannt werden, gehörten zu den ersten Missionaren Kanadas, nur die Franziskaner waren noch früher da. Vom Schicksal der Jesuiten wissen wir vor allem aus den Berichten, die sie in die Heimat sandten, etwa dem Bericht über die während des Jahres 1635 bei den Huronen vorgefallenen Ereignisse, nach Québec gesandt an P. Le Jeune von P. Brébeuf.

Von Anfang an ist auch die Katechese für den P. Laforgue alles andere als einfach. Auch fragt man sich, warum die Jesuiten einen jungen Priester so allein aussenden, ohne die Stütze, die eine Gemeinschaft oder doch wenigstens ein Mitbruder bieten mag. Den Indianern ist das Konzept des Lesens und Schreibens unbekannt, das Wort für Buch gibt es in ihrer Sprache nicht. Sie verstehen auch nicht den Sinn eines Himmelreiches, eines Jenseits, in dem man nicht zusammen sitzt und Tabak raucht und man auch keine Frauen braucht, weil die Gegenwart Gottes genug Freude ist. In ihrem Jenseits jagen die Geister der Toten die Geister der Tiere. Ein Traum ist wirklicher als der Tod oder die Schlacht. Die Wälder sprechen und die Toten reden bei Nacht. Die Indianer folgen ihren Träumen und Visionen, die sie für wirklicher halten als die Welt, die sie umgibt und in einem Moment, der dem Zuschauer so erscheint, als sei er jetzt vollends irre geworden, kommt P. Laforgue soweit, zu fragen, ob sie damit nicht vielleicht recht haben könnten. „Welche Antwort können wir Menschen geben, die ihre Träume für die Wirklichkeit halten und all dies [die gewaltige Natur, die „wirkliche Welt“] für eine Illusion?“

Als er schließlich in der Huronenmission ankommt, findet er den einen Mitbruder erschlagen vor, der andere stirbt in der Nacht nach seiner Ankunft. Obwohl er sich vor diesem Land fürchtet, weil er denkt, der Teufel regiere es und herrsche über die Herzen und den Geist der Menschen, kommt er in einem Akt, den man nur als göttliche Gnade auffassen kann, dazu, sie zu lieben, um ihrer selbst willen. Einige Fragen werden ihn wahrscheinlich nie mehr loslassen, wie etwa die, warum Chomina, ein Mann den er wegen seiner ausgezeichneten Qualitäten schätzen und respektieren gelernt hat, sich „in der äußersten Finsternis“ befinde, während P. Jerome (vermutlich Fernand Jérôme, † 1635), der gerade im Schlaf verschiedene Mitbruder, dem offenbar sowohl jedes Verständnis für die Eingeborenen als auch für Katechese abging, bei Gott im Himmel sei.


Eine Schlüsselfrage in dieser Geschichte, die nicht richtet und nicht wertet, stellt der junge Daniel: „Pater, was geschieht mit diesen Menschen, wenn wir sie ändern?“ Daniel erscheinen die Algonquin in gewisser Weise als bessere Christen als die Siedler in Kanada, weil sie alles miteinander teilen, ohne Fragen zu stellen, füreinander leben und Dinge vergeben, „die wir nie vergeben würden“. Daß man die Frage, was geschieht mit diesen Menschen, wenn wir sie ändern, durchaus mit Blick auf die ganze Lebensweise der Europäer stellen kann, das heißt, nicht nur bezogen auf die Annahme des christlichen Glaubens, geht auch aus den Niederschriften Mary Jemisons etwa 100 Jahre später hervor, dennoch bleibt die Frage berechtigt.[2] Im Abspann erfährt der Zuschauer:

Fiveteen years later, the Hurons, having accepted Christianity, were routed and killed by their enemies, the Iroquois. The Jesuit mission to the Hurons was abandonded and the Jesuits returned to Quebec. 






als Priester noch Schaufelhüte trugen…


_____

[1] 1991, nach dem gleichnamigen Roman des Iren Brian Moore

[2] Jemison führt das Schicksal, das sie und ihre Familie getroffen hat, letztendlich auf den Krieg zurück, „der ein Volk gegen das andere aufstehen läßt, die Franzosen gegen die Engländer und sogar die armen Indianer gegeneinander.“

Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Da hatte ich doch mal dieses schöne Weihnachtslied auf der Seite ...

http://prospesalutis.blogspot.de/2012/12/das-weihnachtslied-des-hl-johannes-de.html

Braut des Lammes hat gesagt…

Ah, danke. Meines Wissens hat er sogar einen eigenen Katechismus für die Huronen übersetzt. Hier ist eine Darstellung der Krippe, die er besingt.

Anonym hat gesagt…

Wo hast du diesen Film aufgetrieben?
Lieben Gruß, Nicole-Mathea

Braut des Lammes hat gesagt…

Ist zu meinem Entzücken mehrfach online (darunter russisch mit englischen Untertiteln). Auf englisch etwa zur Zeit hier http://www.youtube.com/watch?v=bgKYJRCT6Ps
Liebe Grüße auch an dich.

Anonym hat gesagt…

Ein total schöner Film. Hab ihn mir gerade angesehen...
Es muß schwer gewesen sein, damals.Ein absoluter Kulturschock für beide Seiten.Ich glaube, das es wenigen Menschen gelingt, sich ganz in eine fremde Kultur einzufühlen, ohne die eigene Identität und Überzeugung zu verlieren.
Danke für deinen Hinweis auf diesen Film.
Nicole-Mathea

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