Mittwoch, 2. Oktober 2013

Gekrönte Märtyrer, rausgeflogene Schutzpatrone, Frage-Zeichen und heilige Jungfrauen

Nachdem die Dünndruckpapiersache auch die östlichen Bistümer ereilt hat, wird es voraussichtlich nun doch noch bis ins nächste Kirchenjahr dauern, bevor das neue Gotteslob eingeführt wird. Ich muß sagen, ich kann das gut abwarten. Nun hat es so lange gedauert, ein neues Gotteslob herauszubringen, da macht ein bißchen mehr Zeit auch nichts mehr aus. Und vielleicht können wir auf diese Weise einige Lieder im Advent und der Fastenzeit doch noch einmal singen, bevor sie weg sind.

Von manchen Kehrversen hab ich mich innerlich in den letzten Wochen so Stück für Stück verabschiedet, nachdem ich gesehen habe, daß das neue Gesangbuch in der Beziehung ziemlich aufgeräumt hat (wie schade!). Diese Ausdünnung setzt meiner unmaßgeblichen Meinung nach ein zwiespältiges Zeichen. Gerade die Liturgiereform hat dem Antwortpsalm ja eine wichtige liturgische Rolle zugewiesen, indem er die erste Lesung gleichsam betrachtet und so den Beter innerlich ruhig werden läßt.

Darüber, daß im Stammteil des neuen Gotteslob meiner Einschätzung nach deutlich weniger Heiligen- und Engellieder drin sein werden, hatte ich schon mal berichtet, Dahin sind unter anderem etwa 611, Im Jubel, Herr, wir dich erheben, das ich sehr mag, 606, Unüberwindlich starker Held, 609, Sankt Josef, Sproß aus Davids Stamm, 610, Gelobt sei Gott in aller Welt, 612, Herr sei gelobt durch deinen Knecht, und aus, dem hiesigen Anhang, 932, Zu dir schick ich mein Gebet (heiliger mehrsilbiger N. ;)) – alles Lieder, die bei uns an den Heiligengedenktagen vergleichsweise oft gesungen wurden und die ich dem ewigen „Lied für alle Fälle“ Ihr Freunde Gottes allzugleich bei weitem vorziehe.

Nach Studium des Ansichtsexemplars sind wir hierzukirch soweit, einige der Lieder, die demnächst weg sein werden, auf den Liedplan zu setzen, so lange es noch ohne Liederzettel geht. Für den hl. Michael haben wir da vergleichsweise wenig Gelegenheiten, das Fest der hll. Erzengel und der Tag der Deutschen Einheit bieten sich an. Der hl. Michael ist nämlich Schutzpatron Deutschlands, auch insofern wundert mich die ersatzlose Streichung des schönen alten Liedes Unüberwindlich starker Held doch sehr. Nachdem das Fest des hl. Michael in diesem Jahr vom Sonntag verdrängt wurde (jedenfalls im Kalender der ordentlichen Form), singen wir dieses Lied nun morgen, vielleicht ein letztes Mal. Gestern hatten wir in der Heiligen Messe zum Fest der hl. Therese gleich drei dieser Lieder auf einmal, um uns von ihnen zu verabschieden.

Auch um das Lied St. Josef, Sproß aus Davids Stamm wird es vielen etwas leidtun. Der hl. Josef wiederum ist Schutzpatron der Kirche und wird seit neuestem im Hochgebet genannt. Erfreulicher­weise darf der Heilige aber in unserem regionalen Anhang weitersprossen. Zum heiligen Josef gesellen sich dort noch die hll. Johannes der Täufer und Benno. Es ist noch nicht einmal so, daß die verschwundenen Lieder zu Märtyrer- und Engelfesten im Stammteil großartig durch irgend etwas anderes ersetzt würden. Ein Martinslied ist dazugekommen, das man naturgemäß wohl aber auch nicht öfter als ein- (am Gedenktag) oder zweimal (wo der hl. Martin das Patrozinium hat) singen kann.

Positiv zu erwähnen ist hier wiederum, daß der Jungfrauenhymnus Du Herr, hast sie für dich erwählt (Aptata virgines, lampades) aus dem Antiphonale zum Stundengebet ins Gotteslob Einzug gehalten hat – und, um beim Thema zu bleiben, unser Stand im allgemeinen, da er neben der Ordensprofeß erwähnt wird –, so daß mit dem Lied 613, Gott sei durch euch gepriesen, nun doch nicht das einzige Jungfrauenlied eliminiert wurde, wie ich beim diagonalen Lesen zunächst angenommen hatte. Ich hoffe, man nutzt die Gelegenheit und singt es auch: wenn die Gemeinde schon in großem Stil neue Lieder lernen soll, können es auch ebensogut Hymnen aus dem Antiphonale sein, zumal diese wegen der gregorianischen Notation nicht halb so viele Tücken haben wie manches neue geistliche Liedgut.

Dafür können wir jetzt 608 (in Zukunft 542) nun noch viel öfter singen als zuvor womöglich ohnehin schon. Die neue Nr. 542 wartet indes mit einer Überraschung auf (Vorsicht, Auswendigschmetterer, böse Falle!). So heißt es nun ab Vers 3
Ihr Patriarchen hochgeborn
und ihr Propheten auserkorn,
der Herr hat euch das Reich bereit':
Führt uns zur ewgen Seligkeit.

Apostel Christi hoch gestellt [sic!],
zu leuchten durch die ganze Welt,
ihr Heilgen, die dem höchsten Gut
ihr alles schenktet, selbst das Blut.

O Schar der Jungfraun, licht und rein,
die ihr geweiht dem Herrn allein,
ihr heilgen Frauen tugendreich,
ihr Freunde Gottes allzugleich.

Wir bitten euch durch Christi Blut,
die ihr nun weilt beim höchsten Gut,
tragt vor die Not der Christenheit
der heiligsten Dreifaltigkeit.
Was mag wohl für diese Umdichtung der Anlaß gewesen sein? Zuerst dachte ich, ausgerechnet die Märtyrer wären ganz rausgeflogen, aber nein, da sind sie ja, in einem Vers mit den Aposteln, ihres Namens und ihrer Kronen beraubt (zuvor haben sie sich – gekrönt – einen Vers mit den Jungfrauen geteilt). Etwas mißverständlich außerdem, finde ich, man könnte auch meinen, dieser Teil des Verses bezöge sich auf nur die Apostel (die natürlich alle ebenfalls Märtyrer waren, aber eben nicht nur diese). Wer tatsächlich „rausgeflogen“ ist, sind die Bekenner, dafür eiert jetzt aber der Text.

Die Jungfrauen wiederum scheinen einen ganzen Vers für sich allein zu haben, jedoch tut die Umdichtung auch diesem Vers textlich nicht gut: die letzte Zeile ihr Freunde Gottes allzugleich ist eine inhaltliche Wiederholung und klingt an dieser Stelle schon sehr nach Reim dich oder ich freß dich, zumal gerade in diesem Vers wohl eher einzig und allein auf die Freundinnen abgehoben wurde. Tugend ist etwas sehr schönes, warum aber der treue Dienst nicht mehr Eingang in die Dichtung gefunden hat? Vielleicht ist auch das dem Reim geschuldet, man weiß es nicht. Zusammengefaßt: die gekrönten Märtyrer, die Schar der gottgeweihten Jungfrauen und das große Heer der Bekenner haben mir irgendwie besser gefallen, aber ich werd mich schon umgewöhnen.

Mittlerweile landen seit einiger Zeit Suchanfragen auf Braut des Lammes: Was bedeutet das Zeichen auf dem Einband?“ Tja, in etwa so hab ich mir das vorgestellt und insofern hab ich mich auch etwas über den Erzbischof gewundert, der bei der Buchpräsentation gemeint hat, daß manche vielleicht über den Einband des neuen Gotteslobs streiten möchten. Es geht doch aber gar nicht um den Dissens. Außerdem verliert man an dieser Stelle völlig aus dem Blick, daß die Möglichkeit der Einbandgestaltung durchaus auch etwas mit den einzelnen Bistümern zu tun hatte. Wie sowas geht, haben uns andere Bistümer sehr schön vorgemacht. Lieber wäre mir daher gewesen, man hätte für den Einband in eindeutig erkennbarer Form jenes Zeichen gewählt, das für uns keinen Anlaß zum Streit, Anstoß oder auch nur für Fragen bietet, weil es die Antwort auf alle Fragen ist, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...