Dienstag, 15. Oktober 2013

Du hast mein Herz verwundet – die Verzückung der hl. Teresa von Jesus (von Avila)


Der hl. Johannes vom Kreuz, der Seelengefährte der großen hl. Teresa, hat in seiner Lebendigen Liebesflamme über die Anschauung und den Gottes geschrieben, die, wie schon Mose zum Ausdruck brachte, ein verzehrendes Feuer ist.

Der hl. Johannes nennt dieses Glühen des Geistes Gottes auch ein Liebesfeuer, das jedoch jede Seele so aufnehme, wie sie dafür geschaffen sei, die eine mehr und die andere weniger. Gleichzeitig bezeichnet der Heilige es als ein Wunder, daß dieses Feuer die Seele trotz seiner gewaltigen Kraft nicht aufzehre und zugrunde richte, sondern sie im Maß der Stärke der Liebe zunehmend vergöttliche und beselige. Zuweilen, wenn auch nur bei wenigen Menschen, komme es vor, daß die Seele durch diese Berührung mit dem Feuer der Liebe Gottes wie von einem Pfeil durchbohrt werde, aufflackere und plötzlich heftig emporschieße wie eine lodernde Flamme. Sein hymnischer Ausruf, o beglückende Wunde, hat mich an das O felix culpa der Osternacht erinnert: O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!
O beglückende Wunde, von einem geschlagen, der nichts weiter vermag als nur zu heilen! O glückbringende und höchst beglückende Wunde, wurdest du doch nur zur Wonne geschlagen, und die Art deines Schmerzes ist Wonne und Beseligung für die verwundete Menschenseele! Großartig bist du, o beseligende Wunde, denn groß ist, der dich schlug; und groß ist deine Wonnewirkung, denn unermeßlich ist das Liebesfeuer, das dich nach seiner Fassungskraft und Macht mit Wonne erfüllt. O wonnetrunkene Wunde also, und um so erhabener mit Wonne erfüllend, je mehr das Brenneisen die unermeßliche Mitte des Seelenkerns anrührte, dabei alles aufzehrend, was es aufzuzehren vermochte, um alles mit Wonne zu erfüllen, was man nur mit Wonne erfüllen kann!

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