Freitag, 11. Oktober 2013

Die lauretanische Litanei im Gotteslob

En passant wurde ich darauf aufmerksam, daß im neuen Gotteslob der Text der lauretanischen Litanei verändert wurde. Neben der Änderung einiger Anrufungen fehlt anscheinend in den anhängenden Gebeten das Bitte für uns, heilige Gottesmutter! mit der Antwort Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Die lauretanische Litanei, über deren genauen Ursprung wir wenig wissen, wurde im Jahre 1587 approbiert, als einzige der marianischen Litaneien, deshalb wird sie auch Litanei von der allerseligsten Jungfrau Maria genannt. Möglicherweise geht sie bis in die ersten Jahrhunderte der Kirche zurück und verbindet uns vom Charakter ihrer Anrufungen  her mit der Ostkirche.

Nun sind textliche Änderungen im Laufe der Jahrhunderte an sich nichts Neues. Neue Anrufungen wurden im Laufe der Zeit hinzugefügt, etwa Mater admirabilis oder Auxilium christianorum und Regina pacis. Nach der Verkündigung des Dogmas von der Aufnahme Mariens in den Himmel wurde der Litanei 1950 die Anrufung Regina in caelum assumpta (Königin, in den Himmel aufgenommen) hinzugefügt. Solche Veränderungen erfolgten aber seit der Approbation der Litanei für die Liturgie durch Päpste, zuletzt durch den sel. Johannes Paul II.

Bei Veränderungen des Ausdrucks fragt man sich gerade bei Litaneien mit ihrem ausgesprochen hymnischen Charakter indes manchmal, (warum) muß das eigentlich sein? So wurde etwa das lateinische Virgo veneranda, das früher mit du ehrwürdige Jungfrau übertragen wurde, im Gotteslob in Jungfrau, von den Völkern gepriesen verändert. Virgo prudens, du kluge Jungfrau, eine Reminiszenz an das Gleichnis in Mt 25 – in späteren Fassungen sogar als Steigerung gebraucht, Virgo prudentissima, klügste der Jungfrauen – wird nun zu weise Jungfrau. Nicht verkehrt, da man die Gottesmutter auch als Sitz der Weisheit verehrt, der Bezug zu den Tugenden (Prudentia, die Klugheit) und den klugen Jungfrauen und ihren Lampen ist hingegen verlorengegangen. Virgo fidelis, die getreue Jungfrau, fällt in dieser Fassung der Litanei zudem ganz weg. Warum?

In diesem Falle hab ich mich mehrfach gewundert, denn an sich stellt der Heilige Stuhl neben der lateinischen auch eine deutsche Fassung der lauretanischen Litanei zur Verfügung. Was mag wohl also der Anlaß sein, nun an Rädern herumzuschmirgeln, die bereits fahren?

Leicht eigenartig berührt mich das Weglassen des Wechselgebets, falls das nicht einfach auf ein schlichtes Versehen zurückzuführen ist. Zunächst scheint es nicht weiter tragisch: wann immer der Priester oder der Vorbeter das Bitte für uns heilige Gottesmutter! betet, respondieren die Gläubigen entsprechend. Nun soll das Gotteslob aber nicht nur Gesang- sondern auch Gebetbuch für den einzelnen und vor allem für den Gebrauch in der Familie sein. Wer also in Zukunft die lauretanische Litanei lernt, lernt sie wohl so wie sie im Gotteslob steht, und ohne das alterwürdige Bitte für uns, heilige Gottesmutter, das seit Jahrhunderten Bestandteil der Litanei und damit der Liturgie war. Andere belegen den Wortlaut der Litanei aus dem Gotteslob, weshalb sich bereits jetzt, Monate vor der Einführung des neuen Gesangbuches, jemand bemüßigt fühlte, den entsprechenden Wiki-Artikel zu ändern. Die Neuauflage unseres Gotteslobes hat also hier Fakten geschaffen. Warum eigentlich?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich fürchte, die Antwort ist einfach die: "Because we can."

Redaktoren und Herausgeber können der Versuchung nur schwer widerstehen, an der Liturgie und vielleicht auch Lehre der Kirche nach Möglichkeit herumzupfu... herumzuschmirgeln. Das war so beim Lexikon für Theologie und Kirche (2. Auflage, um 1960), das war so bei der Folgeauflage, das war so bei der Erstversion des "Golo". Warum sollte die Serie jetzt bei der Neauflage unterbrochen werden?

Zwetschgenkrampus

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Im aktuellen Gotteslob ist die Litanei im Stammteil unter Nr. 768 zu finden. Der Text ist identisch mit dem im neuen Gotteslob (Stammteil-Vorabpublikation) Nr. 566 .

Ist aktuellen GL fehlt auch schon das: „Bitte für uns, heilige Gottesmutter! — Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.“

Der Text auf den Internetseite des Vatikan weicht von dem im GL ab.
Im GL sind Anrufungen wie „Mutter,…“ während auf der Vatikanseite „Mutter“ oder „Jungfrau“ nachgestellt ist

z.B.
GL: Mutter, du Reine
Vat.: Du reine Mutter

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für den Hinweis auf das aktuelle GL, dort hatte ich vor dem Schreiben gar nicht mehr hineingeschaut :blush: Na dann erweitere ich die Frage auf das GL an sich. Reine Wortumstellungen finde ich jetzt nicht so schlimm, für Kürzungen und Weglassungen scheint es keinen Grund zu geben, außer, wie Zwetschgenkrampus bemerkte, Weil wir es können.

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