Mittwoch, 16. Oktober 2013

Der Bär

Neulich habe ich zum ersten Mal Der Bär gesehen. Der Film stammt von dem Franzosen Jean-Jacques Annaud und kommt fast menschliche Dia- oder Monologe aus. Die Verfilmung eines Romans von 1916 spielt in British Columbia, tatsächlich ist uns aber die Landschaft, die wir im Film sehen, nicht so fern, aufgenommen wurde nämlich in den Dolomiten.

Ein nach dem Tod seiner Mutter (durch einen herabstürzenden Felsen) verwaistes Grizzlybärchen schließt sich einem älteren Kodiakbärenmännchen an und wird von diesem in das Leben und Überleben der Bären eingeführt. Besonders berührt haben mich zwei Szenen: wie das von den Jägern eingefangene Bärchen eine Nacht selig auf einem Pelz schläft – dem Fell seiner abgehäuteten Muter, das ihm offenbar selbst in dieser Form, wahrscheinlich durch den Geruch, noch eine Form von Geborgenheit zu spenden vermag. Und, wie einer der Jäger auf Bärenhatz, von dem verfolgten Kodiakbären schließlich angegriffen, um Gnade bittet – und dieser von ihm abläßt, trotz deutlicher Drohgebärde: wenn du mich jetzt nicht in Ruhe läßt, dann aber! Der Bär hat, wenn man so will, mehr Menschlichkeit bewiesen als der Jäger, er beschämt ihn, der umgekehrt bisher nicht dazu imstande war, eine Kreatur, die einfach nur in ihrem angestammten Lebensraum leben will, zu verschonen. Es mag sein, daß der Jäger danach nie wieder auf Bärenhatz gegangen ist. Güte oder auch Mitleid hat der Bär zuvor übrigens schon dadurch gezeigt, daß er sich des kleinen Bären angenommen hat, anstatt ihn einfach zu schlagen, ein unter Bären durchaus übliches Verhalten. Der Bär ist, wenn man so will, ein besserer Mensch als mancher von uns und ermutigt uns daher zur Tugend des Erbarmens.

Eben durch die fehlende Kommentierung und die daher hörbaren Laute der Bären und der umgebenden Natur, indem Annaud die Geschichte aus der Sicht der Bären erzählt, von ihren Träumen, Gefühlen und sogar ihren Halluzinationen (nach dem Versuch, ob Fliegenpilze schmecken) berichtet, ermöglicht Der Bär einen Einblick in deren Lebenswelt und vielleicht einen Wandel im Verhältnis zu diesen wunderbaren und eindrucksvollen Tieren.




Fliegenpilze haben Nebenwirkungen…

Ende gut, alles gut… – Winterschlaf

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