Samstag, 12. Oktober 2013

Bauwerke und Bausteine

Eigentlich wollte ich überhaupt nichts zur Sache mit dem Bistum von Limburg schreiben, weil ich sie einfach nur bedrückend finde. Die Sache an sich, und vor allem. wie unbarmherzig da miteinander umgegangen wird. Fast stündlich liest man neue Meldungen, Spekulationen und Glaskugeleien, jeder Wimpernschlag wird scheints medial erfaßt, jede Reiseroute umgehend weitergereicht, und man fragt sich, wie kann das nach solchen Verwundungen überhaupt noch weitergehen?

Indes, das Bauwerk: Als es zwischendurch einmal hieß, 10 Millionen, dachte ich mir, also, muß das wirklich sein? Bei mehr als 30 Millionen verdreifache ich die Anzahl der Fragezeichen. Einige haben zwischendurch angemerkt, in dem Neubau bewohne der Bischof nur eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung. Andere weisen darauf hin, das Geld komme aus dem Vermögen der Diözese, nicht etwa aus Kirchensteuermitteln. Vom architektonischen Standpunkt aus wird der Bau mittlerweile als „geradezu bescheiden“ und nachhaltig gebaut gelobt. Mit Verlaub, alles das verfehlt den eigentlichen Punkt. Der eigentliche Punkt ist, wie kann es sein, daß wir als Kirche überhaupt 30 Millionen haben, um sie sodann in einem solchen Bau anzulegen?

Mit der Zweieinhalbzimmer-Wohnung macht man meiner unmaßgeblichen Meinung nach argumentativ keinen Stich, mich erinnert das eher an manch unglückselige Umsetzung des evangelischen Rates der Armut, die man zuweilen einmal antrifft, bei der Dinge im Besitz des einzelnen, die man nüchtern betrachtet nur als Luxus bezeichnen kann, rechtfertigt werden mit dem Argument, schließlich gehörten sie der Gemeinschaft als Ganzes. Letztlich eine Karikatur des evangelischen Rates und dem, was er beabsichtigt: Christus ähnlich zu werden.

Und deshalb helfen mir auch alle Vergleiche mit weltlichen Bauvorhaben, die dann doch weit mehr gekostet haben als sie eigentlich sollten oder von mir aus auch mit dem Neuschwanstein vom zweiten Ludwig sämtlich wenig, weil es eben weltliche Bauten sind, Bahnhöfe, Flugplätze oder Märchenschlösser.

Wir dagegen folgen einem nach, dessen Vorläufer uns geboten hat, nicht mal ein zweites Gewand oder einen zweiten Mantel mitzunehmen, wenn wir in die engere Nachfolge Christi eintreten, sondern sie denen zu geben, die gar nichts haben. Von uns, der Braut Christi, heißt es, daß Christus die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen will, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Daß die Kirche auf Erden oft genug hinter diesem Anspruch zurückbleibt, zurückbleiben muß, weil sie eben doch Flecken, Falten oder andere Fehler hat, ist zutiefst menschlich, da braucht man nur jeweils auf sein eigenes Leben zu schauen, sind wir doch Bausteine und Glieder der Kirche. Aber nach allen Kräften bemühen müssen wir uns.

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Lk 22
Dann sagte Jesus zu ihnen: Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe, habt ihr da etwa Not gelitten? Sie antworteten: Nein.
Da sagte er: Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen und ebenso die Tasche. Wer aber kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür ein Schwert kaufen

Angelofberlin hat gesagt…

Sie haben sicherlich recht, liebe Braut des Lammes, mit den Fragezeichen, die sich für Sie und wohl die allermeisten von uns auftun. Trotzdem bricht es mir das Herz, tagein tagaus mit ansehen zu müssen, wie dieser Bischof medial regelrecht hingerichtet wird. Er mag gefehlt haben (um darüber ein Urteil abgeben zu können, fehlen zumindest mir die dafür nötigen Informationen - daher bis auf weiteres: in dubio pro reo) aber kein Mensch verdient es, in den Medien mit so erbarmungsloser Häme und solchem Hass vorgeführt zu werden, die letztlich nicht dem Bischof sondern der katholischen Kirche gelten. Davon bin ich überzeugt. Auch ein Bischof ist ein menschliches Wesen, das fehlen kann, daß aber sicherlich auch Gefühle und somit ein Anrecht auf Barmherzigkeit hat. Die Gnadenlosigkeit, mit der auf Bischof Tebartz-van Elst eingeprügelt wird, ist es, die mich mindestens ebenso schockiert wie die Höhe der genannten Kosten.

Braut des Lammes hat gesagt…

Daß das unwürdig und unbarmherzig ist, sehe ich genauso und hab auch eingangs darauf hingewiesen. Das ist keine Art, mit (s)einem Bischof umzugehen.

Nichtsdestoweniger kann man sich auch nicht alles schönreden, das war einer meiner Punkte.

Tess hat gesagt…

Wenn das Geld zur Ehre Gottes verbaut wurde, hat es wunderbar gedient. Wenn das Geld zur Ehre des Bischofs ausgegeben wurde, wird es keinen Bestand haben. Das kann aber nur Gott feststellen, der ins Herz sieht. Wie hoch die Summe dabei ist, ist völlig unerheblich, ob es nun 3 Euro sind, oder 300 Mio. Wir sollten sehr vorsichtig sein mit der Forderung, "das Geld hätte man auch den Armen geben können!"

Braut des Lammes hat gesagt…

I beg to differ, Tess. Zum einen sehe ich einen Unterschied zwischen einem Kirchen- und einem Funktionsbau. Und die Frage, wie man 30 oder 40 Millionen überhaupt anhäufen konnte, bleibt für mich eine Frage. Ins Herz schauen kann nur Gott, soweit d'accord. Du wirst jedoch bemerkt haben, daß ich in meinem Beitrag ausdrücklich nicht vom Bischof, sondern von der Kirche gesprochen hatte.

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