Mittwoch, 18. September 2013

Weihwasser

Wie manchmal gerade das drolligste Halbwissen transportiert wird, beweist dieser Artikel in der Washington Post, die sich auf eine Studie der Medizinischen Universität Wien bezieht, in der man von Wasserproben aus offenbar ganzen 18 Wiener Weihwasserbecken schließt, daß Weihwasser viele Bakterien enthielte:
They found that 86 percent of water samples from holy sources contain fecal matter, and every milliliter of holy water contained up to 62 million bacteria, none of it safe to drink.
Erbarme dich! Vielleicht ist doch gut, wenn im neuen Gotteslob – sobald es gedruckt ist, natürlich – drinsteht, wozu man Weihwasser nimmt. Anscheinend trinken es manche.

Hint: Tatsächlich hat die Universität Wien diverse Quellwässer und eben auch Weihwasser untersucht, was die Sache mit dem Trinken erklärt. Holy water ist im Englischen durchaus mehrdeutig. Weihwasser war, je stärker die Kirche genutzt wird .oO(ach?!), tatsächlich mit Bakterien belastet. Allerdings hat die Studie auch ergeben, daß ein höherer Salzgehalt die Vermehrung aufhält. Wenn das kein Grund ist, bei der Segnung von Weihwasser nach alter Tradition wieder Salz und Chrisam beizugeben, weiß ich auch nicht.

Joseph Kardinal Ratzinger,
wie er sein tägliches Quantum
Weihwasser zu sich nahm
Weihwasser wird im übrigen so oft gesegnet, wie man neues braucht, also wenn der Vorrat in der Sakristei zur Neige geht, nicht etwa nur in der Osternacht, wie der österreichische KURiER zu glauben scheint. Da lag wohl eine Verwechslung mit dem Ritus der Taufwasserweihe für die Katechumenen der Osternacht vor. Den Ritus gibt es tatsächlich nur in der Osternacht. Das Tauf- und das Weihwasser indes ist das ganze Jahr über frisch.

Da ich mich mit Weihwasser nur bekreuzige, fürchte ich mich nicht. Bei manchem mir bekannten Weihwasserbecken wäre ich allerdings schon froh, wenn man mal das Becken reinigen könnte. Es ist der Andacht nämlich irgendwann doch abträglich, wenn man beim Nehmen des Weihwassers vor dem Kreuzzeichen mit den Fingern auf „Grundschlamm“ stößt. Nur so als Idee.

Kommentare:

Angelofberlin hat gesagt…

Liebe Braut des Lammes, mein Mann und ich 'trinken' schon seit Jahrzehnten Weihwasser - und leben immer noch :-))). Bevor wir zur kath. Kirche übertraten, waren wir orthodox. Für uns ist es ganz normal, Antidoron (gesegnetes Brot, das nach der Göttlichen Liturgie an die Gläubigen verteilt wird) zu Hause aufzubewaren und zu trocknen. Jeden Morgen vor dem Frühstück (wir gehen nicht täglich zur Hl.Messe) nehmen wir ein Stücken dieses gesegneten Brotes getränkt mit Weihwasser zu uns. Wennich mich recht erinnere, verwendet die orth. Kirche bei der Wasserweihe kein Salz :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Ah, danke, das wußte ich gar nicht mit dem Weihwasser bei den Orthodoxen.

Die Sache mit dem Weihwasser in vielbesuchten Kirchen ist an sich nichts Neues und hängt damit zusammen, daß manche Leute ihre Hände nicht waschen, wenn sie es tun sollten. Das wird bei euch zu Hause eher nicht der Fall sein. Weihwasser aus einer Innenstadtkirche ist zum Trinken daher wohl eher nicht so geeignet aber eben auch nicht dazu gedacht. ;)

Angelofberlin hat gesagt…

Außerdem füllen wir das Weihwasser ja auch aus einem dieser geschlossenen 'Tanks'mit kleinem Hahn (sorry, blöde Beschreibung lol)ab, der in einer Ecke der Kirche steht. Der ist geschlossen und da grabbelt hoffentlich keiner mit ungewaschenen Fingern drin rum ;-)

Christina hat gesagt…

Das ist mal wirklich ein guter Beirtag der rational die Gefahr durch Keime in Weihwässer betrachtet. Hier (http://www.medizin-transparent.at/weihwasser-krankheitserreger) habe ich einen Beitrag gefunden, der dir gesundheitlich genau zustimmt. Ich bin selbst immer noch auf der Suche, ob es irgendeine Empfehlung gibt, wie häufig / in welchen Abständen man heimisches Heimwasser austauschen sollte.

Braut des Lammes hat gesagt…

Bei mir würde es eher noch verdunsten als zu einer Gesundheitsgefahr werden.

Christina hat gesagt…

Lach, die Antwort bringt einen ja zum herzhaften Schmunzeln. Daran sollte sich andere mal ein Beispiel nehmen ;-). Danke für die abendliche Bereicherung.

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