Sonntag, 15. September 2013

Kreuzerhöhung sticht Vorabendmesse

Stanislaus bemerkt auf seinem Blog, angesichts dessen, wie die Feste in diesem Jahr nun mal fallen, daß wohl gestern abend viele Abendmessen als Vorabendmessen vom 24. Sonntag im Jahreskreis und in grün gefeiert worden sind, anstatt als Messe vom Fest Kreuzerhöhung und in weiß. Ich muß sagen, ähnliche Betrachtungen hatte ich im Vorfeld auch gewälzt.

Im Kalenderjahr gibt es mehrere Feste des Herrn, die den Sonntag im Jahreskreis verdrängen, eben weil sie Feste des Herrn sind. Zu ihnen gehören Kreuzerhöhung, der Weihetag der Lateranbasilika und das Fest der Darstellung des Herrn. Die Kirchweihe der Mutter aller Kirchen, die ursprünglich eine Erlöserkirche ist, zählt ebenfalls zu den Herrenfesten. Darüber hinaus „sticht“ auch Allerseelen wegen seines hohen liturgischen Rangs den Sonntag im Jahreskreis. Da all das anscheinend immer in ein- und demselben Jahr der Fall ist, werden wir dasselbe Phänomen  (Fest sticht Vorabendmesse oder sollte es jedenfalls) in diesem Jahr also auch am 2. und am 9. November erleben.

Wenn nun aber Kreuzerhöhung den gewöhnlichen Sonntag zu verdrängen vermag, so natürlich auch den Vorabend des Sonntags vom Jahreskreis in Jahren, in denen Kreuzerhöhung auf einen Samstag fällt. Irgendwie logisch, oder? Es ist dann den ganzen Tag das Offizium von Kreuzerhöhung zu nehmen, auch im Stundengebet. Da ich aber keine Experimente machen wollte, hab ich es gestern nicht auf die Abendmesse ankommen lassen, sondern bin  irgendwohin, wo ich wußte, ich habe die Vesper vom Fest. Schon des Hymnus wegen lohnt sich da auch eine längere Anfahrt. Das war eine kluge Entscheidung.

Daß in der Kirche dann doch eine andere Messe gefeiert wird als das Direktorium sie vorsieht, mag an mehreren Faktoren liegen, etwa, daß beim Zelebranten vorher nicht noch einmal angerufen wird, daß in dieser Kirche (oder an dem Tag auch sonst überall) ein Hochfest ist. Gegebenenfalls muß man dann vor der Messe noch schnell umbauen, weil der Zelebrant in aller Simplicitas mit der Predigt zum Tag im Jahreskreis antrabt. An solcher Stelle komme ich nie umhin, mich zu fragen, wie machen die das eigentlich mit dem Stundengebet? Und irgendwann muß man bei seiner Vorbereitung doch mal einen Blick ins Direktorium oder doch wenigstens den Schott tun? Es kann auch daran liegen, daß man untertags die liturgische Farbe nicht wechseln mag (alles schon dagewesen!) Der Grund kann aber selbstverständlich auch sein, daß es der Rektor ecclesiae kraft seiner Wassersuppe so will und im Vorhinein so verfügt hat.

Es geht nicht darum, ob die Gläubigen „merken“ daß ihnen etwas vorenthalten wurde oder nicht, wenn etwa der Priester statt der Vorabendmesse der Geburt des hl. Johannes des Täufers die Messe vom Tage feiert. (Gewiß darf er das, aus den üblichen „pastoralen Gründen“, aber es ist doch schade darum.) Erfahrungsgemäß allerdings merken die Gläubigen es. Ich kann mich an ein Jahr erinnern, in dem mir eine Frau aus der Gemeinde fast den Tränen nahe erzählt hat, der Zelebrant habe am Fest der hl. Teresia Benedicta vom Kreuz (in den Ländern Europas ein Fest) die Messe in Jägergrün gefeiert und ohne irgendeine Referenz auf die Heilige. Eine liturgische Eigenmächtigkeit, die auch dadurch nicht zu rechtfertigen ist, daß man als Priester etwa keinen Bezug zum Festgeheimnis hat.

Das Direktorium dieses Kirchenjahres gibt eigens für Kreuzerhöhung her, daß das Fest am Sonntag als Gemeindemesse nachgefeiert werden könne. Wir haben sogar überlegt, daß mit viel gutem Willen, unserer bescheidenen Ansicht nach, diese Bestimmung soweit dehnbar sein könnte, daß man das Fest am Sonntag feiert und am Samstagabend ebenfalls die Messe von Kreuzerhöhung nimmt (da die Vorabendmesse vom 24. Sonntag an dieser Stelle widersinnig erscheint). Im nächsten Jahr passiert genau das sowieso, wenn das Fest Kreuzerhöhung auf den Sonntag fällt. Das Argument mit den zwei vorzubereitenden Predigten zählt also eigentlich nicht. Warum also macht man es nicht einfach so, und erweist so einem sehr alten und schönen Festgeheimnis, das die Ostkirchen mit der lateinischen verbindet, die Ehre − und damit letztlich Christus selbst?

Eines habe ich in den letzten Jahren leider gelernt (lieber hätte ich es nicht): daß „pastorale Gründe“ allzuoft beim Hirten liegen, nicht etwa bei der Herde. Manch einer mag so etwas tatsächlich für Probleme halten, wie sie Katholiken wälzen, denen es sehr gut geht, vor dem Hintergrund, daß es Länder und Gebiete gibt, in denen eine Sonntagsmesse durchaus nicht selbstverständlich ist, sondern der Priester nur alle paar Wochen oder noch seltener vorbeikommen kann. Sozusagen Jammern auf sehr hohem Niveau. Aber irgendwie sehe ich das ähnlich wie Stanislaus. Diese Haltung gegenüber der Liturgie ist ein Symptom. Eines, das aus einer Haltung erwächst, bei der das, was im Direktorium und in den liturgischen Büchern steht, nur optionalen Charakter hat, den einer bloßen Zutat (kann man machen, muß man aber nicht). Es ist eine Haltung, bei der man sich selber an die erste Stelle, auf den ersten Platz setzt und ihn nicht Christus überläßt.

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Ich kenne mich bei Vorabendmessen nicht aus und mit dem "Direktorium" schon gar nicht, aber endet der liturgische Samstag nicht mit dem Beginn der Vesper vom Vorabend des Sonntags? Ich dachte das wäre die Voraussetzung dafür, daß der Besuch der Vorabendmesse die Sonntagspflicht erfüllt. Wenn das Fest Kreuzerhöhung aber auf einen Samstag fällt, soll es dann auch noch nach der Vesper gefeiert werden, und wenn ja, kann ich dann damit auch die Sonntagspflicht erfüllen. Ich finde das verwirrend. Wäre dann am Vorabend nicht gleichzeitig Samstag und Sonntag?

Braut des Lammes hat gesagt…

Es war ja kein liturgischer Samstag wie jeder, sondern ein Fest des Herrn, das heißt, am Samstag war den ganzen Tag Kreuzerhöhung, mit der Offizium und der zweiten Vesper von Kreuzerhöhung, demzufolge ist auch die Abendmesse vom Fest. Am Abend ist also nicht zugleich Samstag und Sonntag, sondern das Fest des Tages, also kein Sonntagvorabend.

Ob man mit der Abendmesse seine Sonntagspflicht erfüllt, ist eine interessante Frage, ich tendiere zu nein, bin aber kein Kirchenrechtler.

Psallite Deo hat gesagt…

Schwierige Frage...
Bei uns war die VAM vom So - habe es dieses Mal ehrlich gesagt selber übersehen (an meiner alten STelle gab es eine Messe am Sa morgen, da wurde dann sicher Kreuzerhöhung genommen und abends die vom So - das wäre ein guter Kompromiß, finde ich.
Habe mal vorgeschlagen, wenn Hochfeste wie Peter&Paul, Mariä Himmelfahrt o.ä. auf einen Samstag fallen, wo es bei uns keine Messe (außer der VAM) gibt, aber der Bedarf wurde nicht gesehen. Schade...
Apropos 2. Vesper: Haben Feste auch 2 Vespern wie Hochfeste?

Braut des Lammes hat gesagt…

Ah, danke für den Hinweis: der Beitrag enthält an dieser Stelle insofern eine Unschärfe, als Kreuzerhöhung nur in den Jahren, in denen es auf einen Sonntag fällt, eine erste Vesper hat, ansonsten hat es eigentlich nur eine Vesper. Ich hab das Wort "zweite" hier mal entfernt.

chiqitac hat gesagt…

*seufz*... kommt mir alles viel zu bekannt vor.
Hier war sogar angekündigt:
"Eucharistiefeier zum Patrozinium Fest Kreuzerhöhung" für die 11 Uhr Messe am Sonntag - zumindest in der Hl. Kreuz-Kirche.
Ich hatte mich gefreut und bin hingegangen - um festzustellen, dass diese Information wohl nicht an den Zelebranten weitergegeben wurde (einer der vielen Aushilfspriester hier) - er hatte das selbst erst am Sonntag morgens gelesen und dann nicht mehr umgestellt (der Predigt wegen würde ich vermuten - sein Deutsch ist okay, aber vermutlich für eine spontane Predigt nicht ausreichend)...
Und so kam ich doch "nur" zur "ganz normalen" Sonntagsmesse.
(Nicht falsch verstehen!)

Braut des Lammes hat gesagt…

Oh nein, zum Patrozinum ist das natürlich wirklich bitter (hier auch schon vorgekommen, in der Abendmesse der hl. Hedwig. Gern auch mal zur Kirchweihe, die zwar nur in der Kathedrale Hochfest, in allen anderen Kirchen des Bistums aber immerhin noch Fest ist. Da müßte man den Zelebranten wirklich vorher anrufen.)

Psallite Deo hat gesagt…

Habe be meinem Kommentar irgendwie einen Satz nicht zu Ende gebracht:
"Habe mal vorgeschlagen, wenn Hochfeste wie Peter&Paul, Mariä Himmelfahrt o.ä. auf einen Samstag fallen, wo es bei uns (an meiner aktuellen Stelle) keine Messe (außer der VAM) gibt,eine zusätzliche Messe am Sa morgen einzuführen, aber der Bedarf wurde nicht gesehen" muß es heißen...

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