Montag, 12. August 2013

Zeitvertreib (2)

Jüngst monierte jemand auf der Unaussprechlichen die Bildunterschrift Ganzkörperreliquie des seligen Johannes XXIII. Diese erschiene „nicht sinnvoll“, weil sie „nur die Sichtweise der Katholiken“ wiedergebe. (Die Sichtweise von Katholiken ist bei einem Thema wie Reliquien natürlich per se nicht sinnvoll. Logo.)  Allenfalls könne man schreiben „des von der katholischen Kirche seliggesprochenen“. Ich überlegte daraufhin spaßeshalber, wie die Weiterführung eines solchen Wunsches wohl aussehen könnte, wenn man dergestalt auch noch dem letzten Atheisten willfahren will. Als nächstes sagen wir vielleicht auch nicht mehr Reliquie. Wieso fiel mir an dieser Stelle eigentlich die Grabinschrift Here lies an atheist, all dressed up and no place to go ein?

Der Heilige Stuhl wäre dann vielleicht „das von der katholischen Kirche als heilig bezeichnete Völkerrechtssubjekt des Bischofs von Rom“, das Heilige Kreuz „das von mehreren aber längst nicht allen Denominationen als heilig bezeichnete christliche Hauptsymbol, das einige sogar als Götzendienst ablehnen“, und das Allerheiligste mutiert vielleicht wieder zu jener auch schon einmal allen Ernstes in der Unaussprechlichen vorhanden gewesenen, von Katholiken verehrten „Scheibe Brot“. (So kommt es, wenn jeder überall alles reinschreiben darf.)

Und immer so weiter – das Betätigungsfeld ist unglaublich reich: Heilige Woche, Heilige Pforte, Heiliges Jahr, Heiligtum und, last but not least, auch Heiligsprechung und Seligsprechung. Die Heiligen und die Seligen selbst müßten dann genau genommen anstatt etwa als der hl. Johannes der Täufer als der „von der katholischen und der orthodoxen Kirche und auch den anglikanischen und einigen evangelischen Gemeinschaften als heilig angesehene, aber von keiner Kirche formal heiliggesprochene Johannes der Täufer“ bezeichnet werden. Et cetera. – Dann wird das Schreiben über typisch Katholisches jedenfalls unglaublich anstrengend. Und das Lesen auch.

1 Kommentar:

Eugenie Roth hat gesagt…

Die Heilige Kommunion, die Heilige Beichte ... au weia!

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