Freitag, 9. August 2013

Wir kommen nach Osten – zum Fest der hl. Teresia Benedicta vom Kreuz

Die letzten Tage im Leben Sr. Teresia Benedictas vom Kreuz erscheinen wie eine Serie von Momentaufnahmen, deren letzte unbekannt ist. Am 2. August wurden Sr. Teresia Benedicta und ihre Schwester Rosa von zwei SS-Offizieren aus der Klausur des Karmels von der Heiligen Familie in Echt weggeführt, sie gingen für ihr Volk. Wer alles zu diesem Volk gehört, darüber kann man nachdenken. Das Volk Edith Steins waren auch, wie sie in ihrem Testament schrieb, alle, die Gott ihr gegeben hatte, auf daß keines von ihnen verlorenginge.

Über das Durchgangslager Amersfoort kamen sie nach Westerbork. Von dort ist ein kurzer Brief mit dem Datum 6. August an die Karmelitinnen von Echt erhalten, in dem sie den Konvent um Vorräte bittet und hinzufügt, „Konnte herrlich beten“.

Mitten in der Nacht vom 6. auf den 7. August, morgens um halb vier, setzte sich der Zug, in dem sich die Gefangenen befanden, in Bewegung. Am späten Nachmittag hielt er noch einmal in Schifferstadt. Dies ist das letzte Zeugnis, das wir von der Heiligen haben. Ihre letzten Worte bei dieser Begegnung am Zug: „Wir kommen nach Osten“. Zwei Tage später erreichte der Zug das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, dort verliert sich jede Spur, die Gefangenen wurden sofort in die Gaskammern geführt. In einer acht Jahre später veröffentlichten Auflistung der Transporte, die Holland am 7. August verließen, findet sich der Eintrag: „Nr 44074, Edith Theresia Hedwig Stein, geb. 12. Oktober 1891 zu Breslau, aus Echt, gestorben 9. August 1942.“

Wir kommen nach Osten – dies hat mehr als eine Bedeutung. Von je her wendet sich der glaubende, betende Mensch nach Osten, wo der Morgenstern erscheint und die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne den Himmel erhellen. Als die Frauen in der Frühe des Ostertags zum Grab kamen, als eben die Sonne aufging, fanden sie den Stein weggewälzt und das Grab leer. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Ein deutlicher Fingerzeig, daß das Kreuz, wiewohl unsere Hoffnung, im Leben und Sterben nicht das letzte ist; es liegt etwas hinter ihm, im Osten: die Begegnung mit dem Auferstandenen.

Kommentare:

Josef Bordat hat gesagt…

„Konnte herrlich beten“. - Das halte ich für eines der eindrucksvollsten Glaubenszeugnisse in der Geschichte der Christenheit. Immer wieder bleibe ich an diesem Satz hängen.

Danke für die Texte zu Edith Stein!

LG, JoBo

Braut des Lammes hat gesagt…

Wenn man bedenkt, in welcher Situation und unter welchen Umständen sie es niederschrieb, merkt man, wie tief im Frieden sie mit ihrem Schicksal und ihrem Martyrium war.

PS: Immer gern. LG 2U2

Anonym hat gesagt…

Nach der Lektüre von "Bloodlands" von Timothy Sndyer hat, im Zusammenhang mit dem Holocaust, "Kommen nach Osten" aber so was von keinem mystiscch-verklärendem Beigeschmack für mich. Der Osten, das waren killing fields, wo seit den 30er Jahren Stalin oder Hitler systematisch Bevölkerungsgruppen ermordeten oder umkommen ließen. Daraus einen metaphorischen Hoffnungsschimmer abzuleiten, mag tröstlich für Sie sein. Aber für jeden Deportierten, jedes Opfer der killing fields, war das der blanke Horror. Der Osten, das war dort, wo die jüdischen Kinder im Familienlager Ausschwitz "Gaskammer" spielten. Der blanke Horror. Dass dort Leute auch Menschlichkeit und Liebe erfahren haben, in einer Extremsituation, ist belegt. Aber in erster Linie war das eine Todeszone, und jede Verklärung finde ich fehl am Platz.

...in einem dunklen Licht hat gesagt…

Ich weiss nicht, ob der Eintrag im Transportbuch falsch ist oder ob Sie falsch abgeschrieben haben, aber Edith Stein wurde nicht 1871 sondern 1891 geboren, vielleicht könnte man das korrigieren? Danke.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das war ein Tippfehler, ich habs ausgebessert. Vielen Dank fürs aufmerksame Lesen.

Braut des Lammes hat gesagt…

@Anonymous: Sie haben den Beitrag meines Dafürhaltens gründlich mißverstanden. Mir lag nichts, aber auch gar nichts an einer mystischen Verklärung der Konzentrationslager. Ich hatte darauf hingewiesen, daß Kreuz und Leid, Schmerz und Tod nicht das letzte sind, sondern daß es etwas gibt, was darüber hinausreicht: Glaube, Liebe und die Hoffnung auf die Auferstehung.

Und so habe ich nicht aus dem Grauen der Konzentrationslager „einen metaphorischen Hoffnungsschimmer abgeleitet“, sondern darauf hingewiesen, daß es selbst an einem solchen Ort der Finsternis Licht und Hoffnung gab und daß Gott selbst oder gerade an einem solchen Ort den Menschen nicht verläßt, sondern bei ihnen bleibt in der Dunkelheit.

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