Mittwoch, 21. August 2013

Doppelplusungut

Im Wirbel darüber, an wen Ehrungen im Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg künftig vergeben werden dürfen und an wen bitte nicht; da war noch die aparte Idee derselben Bezirksverordnetenversammlung – auf Eingabe der Piraten –, Weihnachten in Zukunft nur noch „Winterfest“ nennen zu wollen, wenn es etwa um Weihnachtsmärkte geht, und den Ramadan „Sommerfest“, wenn er in die warme Jahreszeit fällt (liebe BVV, ihr habt das Judentum ganz vergessen!)

Und wenn der Ramadan nicht in den Sommer fällt, sondern in den Frühling, nennt ihn die Bezirksverordnetenversammlung dann „Frühlingsfest“? Was ist mit Ostern, auch ein Fest, ein christliches noch dazu? Wenn Ostern und Ramadan in den Frühling fallen, werden dann beide „Frühlingsfest“ genannt? Und im Winter beide, Weihnachten und der Ramadan, „Winterfest“? Dann gäbs da ja noch den Weihnukkamarkt am Jüdischen Museum, wird der dann auch unter „Winterfest“ einsortiert? Fragen über Fragen.

Dieses kulturelle Niederholzen und Erschaffen irgendwelcher Sprachgebilde, die kein Mensch braucht, erinnert doch stark an die DDR mit ihren Jahresendfiguren oder eben an …1984. Die letzte Auflage des Neusprechdiktionärs, wir erinnern uns, kam mit viel weniger Wörtern aus als noch die Auflage zuvor. Jedenfalls erscheint es doppelplusungut, Weihnachten ein Winterfest zu nennen. Und über allem erhebt sich, unbeeindruckt – der Kreuzberg.

Kommentare:

Cinderella01 hat gesagt…

Ich hatte mich auch schon gefragt, wann denn der "Kreuzberg" umbenannt wird. Und ob die Berliner wissen, dass "Tempelhof" von den Tempelrittern kommt?
Kein Wunder, dass die Berliner ihren Flughafen nicht fertig kriegen, wenn sich die Politik ständig über einen solchen Unfug den Kopf zerbrechen muss ..

Braut des Lammes hat gesagt…

Berlin besteht allerdings aus vielen Bezirken, deren Bezirksverordnete unterschiedlich ticken, das kann man nicht alles unter "Berlin halt" ablegen.

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