Dienstag, 20. August 2013

Arabischer Winter

Die Berichterstattung über Ägypten bleibt bestürzend: da wird die Aussage eines Bischofs vor Ort, der es wissen muß, in einer Weise ausgelegt, wie es der Bischof meiner Ansicht nach nicht gesagt oder gemeint hat. Aus
Unter den Muslimbrüdern litten „sowohl Christen als auch Muslime“, sagte der koptisch-katholische Bischof aus Alexandria im Interview mit Radio Vatikan am Sonntag. „Diese Islamisten attackierten unterschiedslos Kirchen, Schulen, Museen und andere Einrichtungen.“
wird in der Überschrift „Ägyptischer Bischof nennt Rede von Christenverfolgung verfehlt“ (was in den Köpfen mancher ganz schnell zu „es gibt keine Christenverfolgung“ wird). Diese Auslegung der Aussage des koptischen Bischofs Youhanna Golta im Artikel vernachlässigt meiner Ansicht nach, was aus der Reihe der Bauten, die die Muslimbrüderschaft auch zerstört hat, als Schlußfolgerung hervorgeht: Kirchen, Museen, Schulen – offenbar keine Moscheen.

Im letzten Absatz finden wir dann doch, wie es sich verhält:
Zugleich bestätigte er, in den vergangenen Tagen seien rund 40 Kirchen angezündet und hunderte christlicher Geschäfte in Brand gesteckt worden. Auch habe es Morde an Christen gegeben.
Die Rede von Christenverfolgung sei verfehlt? Gemeint war wohl eher, ungeschminkt ausgedrückt, wenn die Muslimbrüder metzeln und niederbrennen und dazu anstiften, und sie dabei einmal so richtig in Fahrt kommen, ist es ihnen letztlich egal, wen sie niedermetzeln und was sie abbrennen. Eindrücklichstes Beispiel ist das der christlichen Schule in Bani Suwaif, die seit 115 Jahren besteht und deren Leiterin, sowohl um Aversionen in ihrem Umfeld zu vermeiden als auch aus dem Gedanken christlicher Nächstenliebe heraus, ungefähr die Hälfte ihrer Schulplätze an muslimische Schüler vergeben hat.

Die Unesco macht sich, wenn schon nicht über die Menschen, Gedanken über die unwiederbringliche Zerstörung von Kulturgut, das Ägypten und seine Wurzeln maßgeblich geprägt hat. Was lesen wir aber da? Es wurden „religiöse Bauten zerstört“. – Sechzig Kirchen, keine Moscheen. Wieso man da auf „religiöse Bauten“ verfällt, entzieht sich mir völlig. Es waren Kirchen, was soll man dazu sonst sagen? Tatsächlich sind es bisher sechzig, in etwa zwölf verschiedenen Städten, wie man in traurigen Auflistungen nachlesen kann. In Degla, einem Kloster, an dem seit über 1600 Jahren gebetet wird, fand zum ersten Mal überhaupt der Sonntagsgottesdienst nicht statt. Sine dominico non possumus, ohne den Sonntag können wir nicht sein – dafür sind frühchristliche Märtyrer gestorben. Wie lange werden die Mönche in Degla noch aushalten können?

Es stimmt, die Kopten gehören zu Ägyptens Wurzeln und zwar so sehr, daß das Wort Kopte einfach Ägypter bedeutet. Religiöse Bauten ist mir für etwa sechzig zerstörte Kirchen (von den dreiundzwanzig nicht völlig zerstörten noch gar nicht zu reden) allerdings deutlich zu nivellierend, um es vorsichtig auszudrücken. 

Unter den erwähnten zerstörten Schulen und Einrichtungen sind übrigens vorwiegend christliche Schulen und Gemeindezentren, darüber hinaus viele Läden, deren Inhaber Christen sind und deren Heime. In Bani Suwaif wurde die franziskanische Schule angezündet und die unterrichtenden Ordensschwestern „wie Kriegsgefangene“ durch die Straßen geschleppt, die anderen Lehrerinnen der Schule hat man sexuell belästigt. Der wütende Mob überfiel die von Ordensschwestern geführte Schule und tötete hunderte, bis sie schließlich das Kreuz herunterrissen und durch das schwarze Banner der Al Kaida ersetzten. Noch Fragen?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das ist einfach nur entsetzlich. Mir wird immer fremd bleiben, wie man so etwas unter dem Namen einer Religion tun kann.

Gruß
Solvey

Angelofberlin hat gesagt…

Die absolut einseitige Berichterstattung unserer Medien zum Thema ‚Arabischer Fühling/Winter’ insbesondere zu Syrien, das inzwischen aus dem öffentlichen Focus durch Ägypten verdrängt wird, macht mich so wütend, daß ich es kaum in Worte fassen kann. Wütend, weil ich mich hilflos fühle und schuldig, weil wir hier im Westen, dem ‚christlichen Abendland’, unsere Brüder und Schwestern in Christo im Stich lassen, schuldig an ihnen werden. Ich verstehe – nur als ein Beispiel unter unzähligen – nicht, wie unser Außenminister die Regierung Ägyptens zum Dialog mit den Muslimbrüdern aufrufen kann, wo jedem, der wirklich um die Lage dort weiß, klar ist, daß so ein Dialog unmöglich ist. Ich möchte hier nur an die Aussage von Kardinal Meisner erinnern, der nichts mehr hinzuzufügen ist: "Ich kenne kein islamisches Land, das tolerant ist. Toleranz predigt der Islam immer nur dort, wo er in der Minderheit ist." http://www.spiegel.de/politik/debatte/kardinal-meisner-toetung-bin-ladens-gerechtfertigt-a-167727.html Ägypten ist das beste Beispiel dafür.
Wenn ich in unserer Rosenkranz Basilika den schmerzhaften Rosenkranz vorbete, dann tue ich das mit der folgenden Intention: „Am Freitag gedenken wir in besonderer Weise des Leidens und Sterbens unseres Herrn Jesus Christus. Daher wollen wir heute auch für unsere christlichen Brüder und Schwestern beten, die in vielen Ländern Afrikas, des Nahen und Mittleren Ostens und z.Z. besonders in Syrien und Ägypten um ihrer Treue zu Christus willen verfolgt und getötet werden.“

Danke, R., für dieses posting!

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