Mittwoch, 14. August 2013

Antiphonales

Illumination König Davids
in einem äthiopischen Antiphonale
Peter hat schon einiges sehr gut auf den Punkt gebracht, zu dem Blogbeitrag Gassenhauer und Rohrkrepierer auf katholisch.de ist mir auch allerlei eingefallen. Vor allem fand ich es schade wie die Antiphonen beziehungsweise, wie sie im Gotteslob genannt werden, Kehrverse, abgefertigt werden. Hier möchte ich für die Kehrverse eine Lanze brechen: da ich seit doch etlichen Jahren das Glück habe, in Gemeinden den Gottesdienst mitfeiern zu dürfen, in denen der Antwortpsalm täglich gesungen wird, hab ich wahrscheinlich tatsächlich so ziemlich jeden Kehrvers im Gotteslob gesungen, auch die seltenen, die nur alle zwei oder drei Lesejahre einmal auftauchen.

Der Kehrvers Der Herr steht vor der Tür, wohl dem, der ihm öffnet zum Fest der hl. Cäcilia etwa ist mir in jener Woche und wohl auch in der danach immer wieder durch den Sinn gegangen. Viele dieser Kehrverse mag ich sehr gern und singe sie immer wieder einmal vor mich hin – auch eine Art zu beten. Sie sind, wie einige der Antiphonen aus dem Stundengebet, etwa Dixit dominus, tatsächlich sehr meditativ (etwa Jesus Christus, du bist Priester auf ewig)und finden daher ihren Weg ins Unterbewußtsein.

Auch muß man realistisch bleiben: die Leute sollen den Kehrvers wirklich singen können, am besten noch, nachdem ihn der Kantor vorgesungen hat, auswendig. So kann man sich ganz auf das Hören und „Wiederkäuen“ des Psalms konzentrieren. Der Antwortpsalm ist übrigens einer meiner „Ankerpunkte“ in der Messe, einer bei dem ich auch bei größtem Zerstreutsein innerlich ruhig werde.

Daß die Antiphonen im Stundengebet schöner sind, ist keine Frage, allerdings singt die auch die Schola vor. Eine Antiphon aus dem Antiphonale wie Jerusalem, du starke Stadt, Friede wohne in deinen Mauern wäre von einer Gemeinde sicherlich noch gut zu singen, bei anderen, darf ich Alexander Görlach versichern, übt auch der Konvent, der sie singen soll, am Tag vorher nochmal.

Kehrvers aus dem neuen Gotteslob –
zwar wieder Ostereiernoten, aber ansonsten…
Gut, manche Kehrverse mag man als weniger geglückt ansehen, mich stört etwa dieser eine, unangebracht traurig klingende Meine Seele, preise den Herrn, der ausgerechnet zu Marienfesten gesungen wird. Vielleicht kommt ja mit dem neuen Gotteslob ein freudigerer. Einige kann man tatsächlich nur schräg oder unglücklich komponiert nennen, weil sie mit unerwarteten Tonfolgen aufwarten oder aber den ewigen Detonierern die Möglichkeit bieten, beim A-capella-Gesang bei jeder Wiederholung so lange immer noch tiefer einzusetzen, bis man gefühlt noch unter der Krypta der Kirche landet. (Ich bin kein Musiker, aber sowas vermeidet man, glaub ich, indem die Antiphon auf einem einigermaßen hohen Ton anfängt und sich zwischen wenigen solchen hält.)

Die Gemeinde jedenfalls kann diese Kehrverse singen – ein Beweis dafür übrigens, daß die Leute durchaus singen können, wenn man sie nur regelmäßig läßt. Bei uns beherrscht das Volk auch ohne Schwierigkeit die Sache mit den zwei verschiedenen Kehrversen zum Lobgesang der Jünglinge im Feuerofen. Wenn es mir selten einmal in Abendmessen so vorkommt, als sänge außer dem Priester und mir keiner den Kehrvers, liegt es immer daran, daß an dem Abend besonders viele von außerhalb da sind. Das neue Gotteslob dünnt meines erstens Dafürhaltens die Zahl der verschiedenen Kehrverse übrigens ziemlich aus, auch wurde laut Domorganist anscheinend irgendwas an den Psalmtönen gefrickelt. Schade.

Daß Alexander Görlach die Missa de Angelis schön findet, ehrt ihn. Weniger schön ist es, als liturgischer Dienst die Wünsche des Zelebranten so völlig in den Wind zu schlagen, daß man den Liederzettel vor der Heiligen Messe auf dem Abfallhaufen verliert. In der Tat, man merkt die Absicht (die Rettung des Abendlandes) – und ist verstimmt. „Zur Aufführung kam“ fand ich in dem Kontext übrigens bezeichnend für die Herangehensweise. Wenn ich einen Kehrvers und den Antwortpsalm vorsinge, kommen die jedenfalls nicht „zur Aufführung“. Vielleicht stimmt aber auch mit meinem Ironiedetektor was nicht.

Wie Görlach selbst schreibt, singen von Jahr zu Jahr weniger bei der Missa de Angelis mit. Liegt das nun daran, daß Herr Görlach die Orgel nur in der Osternacht schlägt und daher auf der Missa de Angelis besteht oder daran, daß die Missa de Angelis ansonsten in der Gemeinde nicht gesungen wird? Dann würde ich mir vielleicht eher darüber Gedanken machen, wie man sie unterm Jahr öfter singen kann. Damit wäre vielleicht auch vermieden, daß Liederzettel auf dem Weg zur Orgel verlorengehen.

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Vielleicht sollten manche Leute auch besser mal öfters in die Messe gehen, um die Messe besser zu verstehen. Und nicht nur an Hochfesten.

Mit Feiertagschristentum rettet nämlich niemand das Abendland!

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, daß er erklärtermaßen nicht mehr zum Gottesdienst geht, fand ich auch bestürzend, zu allererst für ihn.

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