Mittwoch, 17. Juli 2013

Während sie hinaufstiegen, sangen sie – Gedenktag der sel. Teresa vom hl. Augustinus und Gefährtinnen

Im Juli 1794, kurz vor dem Ende der französischen Revolution, ließ das Komitee für öffentliche Sicherheit, eine Dienststelle der Nationalversammlung der Französischen Revolution, sechzehn Karmelitinnen – elf Chorschwestern, drei Laienschwestern und zwei Außenschwestern – verhaften, einer Verhandlung aussetzen, des Hochverrats beschuldigen und zum Tode verurteilten. Warum? Weil sie Karmelitinnen waren und wie Karmelitinnen leben wollten. Die Schwestern wurden ins Stadtzentrum gebracht, wo die tobende Menge sie erwartete. Aber diese Hinrichtung war anders als alle anderen.

Die Leute verstummten angesichts der Schwestern, die trotzdem sie ihres Habits beraubt worden waren, sich so würdevoll hielten, daß es, wie von einem Zuschauer beschrieben, erschien, als schritten sie zu ihrer Hochzeit. Der Gesang der Schwestern, die den Hymnus Veni creator spiritus sangen, durchbrach die Stille. Eine nach der anderen ging zur Guillotine, die jüngste zuerst, die Älteste zuletzt; jede Schwester hielt inne, um vor der Priorin niederzuknien und die Erlaubnis zu erbitten, sterben zu dürfen, worauf die Priorin antwortete: „Geh, meine Tochter!“ Der Staat hatte ihre Hinrichtung verfügt, aber ihr letzter Akt des Gehorsams geschah nicht gegenüber dem Staat, sondern gegenüber ihrer Mutter im geistlichen Leben. Als letzte starb die Mutter Priorin.

Die Regierung der französischen Revolution fiel zehn Tage nach der Hinrichtung der Schwestern. Es ist gut möglich, daß dem Volk von Frankreich schließlich zu Bewußtsein kam, daß unter einer Regierung, die an einem Konvent armer, barfüßiger Nonnen soviel fand, daß sie diese hinrichten ließ, einfach weil sie ihrer Berufung zu einem Leben in Gebet und Abgeschiedenheit folgten, eigentlich niemand davor sicher war, als Nächstbester hingerichtet zu werden.

Die Ikonographie stellt die Karmelitinnen beim Martyrium im Habit der Unbeschuhten dar. Durch einen Zufall waren die Ordensgewänder aber an jenem Tag noch in der Kleiderkammer, so daß die Karmelitinnen in Laienkleidung zur Hinrichtung geführt wurden. Ihre Gewänder und auch einige Sandalen – Reliquien zweiter Klasse – wurden den Benediktinerinnen von Cambrai gegeben, die die französische Revolution überlebten und schließlich nach England zurückkehren, vorher die Gemeinschaft einst gekommen war. In einer Niederschrift die Äbtissin von Stanbrook über die Begegnung mit den sechzehn Märtyrinnen von Compiègne im Kerker heißt es:
Am Freitag, den 18. Oktober 1793 fand sich ein Trupp berittener Soldaten an der Pforte des Klosters ein. Den Nonnen – zu jener Zeit 21 – wurde befohlen, in weniger als einer Viertelstunde das Haus zu verlassen, und ein viehischer Grobian mit einem Knüppel rannte hierhin und dorthin, um sie sogar zu noch größerer Eile anzutreiben. Kisten oder Koffer mitzunehmen war untersagt, jede von ihnen erhielt nur die Erlaubnis, ein kleines Bündel mitzunehmen.

Sie können sich das Durcheinander vorstellen, Kleidung war in der Wäsche, Brot im Ofen. Schließlich nahmen viele nur wertlose Dinge mit. Sie wurden zu den offenen Wagen geführt, die von johlenden Menschen und Husaren mit blanken Schwertern umringt waren, und begannen eine fürchterliche, fünftägige Reise nach Compiègne, wo sie in einem ehemaligen Kloster eingesperrt wurden. Was folgte, waren achtzehn Monate schrecklicher Entbehrungen, Elend und schwerer Krankheit. Vier der Schwestern starben im Kerker, wie auch unser Kaplan.

Dann traf ein Konvent Karmelitinnen in Laiengewändern im Gefängnis ein, und sie boten sich selbst als Opfer für den Frieden, für die Kirche und die Rettung Frankreichs dar. Nach sechs Wochen wurde den Karmelitinnen erlaubt, ihren Habit wieder anzulegen, damit sie ihre Laienkleider waschen könnten. In diesem Augenblick wurden sie ergriffen und nach Paris gebracht, wo sie enthauptet wurden.

Einige Tage später wurden unseren benediktinischen Schwestern befohlen, ihren Habit abzulegen. Wir hatten kein Geld, um Kleidung zu kaufen, und so gaben uns unsere Wärter die Gewänder der Karmelitinnen. Wir besorgten Pässe und kehrten nach England zurück: sechzehn Nonnen, halb verhungert und vorzeitig gealtert, denen nicht einmal die Gewänder gehörten, die sie trugen. In diesem Opfer dieser Karmelitinnen auf der Guillotine lag der Beginn von Stanbrook Abbey.
Gott selbst hat diese Schwestern, wie es im Tagesgebet heißt, von der Beschauung des Berges Karmel zum Blutzeugnis gerufen. Das Schicksal der Karmelitinnen von Compiègne bringt uns auch zu Bewußtsein, welch hohes Gut die Religionsfreiheit ist und wie wichtig es ist, dafür einzutreten, gerade in einer Zeit, in der die Christen verfolgt werden wie keine andere Religionsgemeinschaft. Das Kreuz, das, wie die Priorin von Compiègne sagte, die einzige Waffe war, die die Karmelitinnen je in ihrem Haus gehabt hatten, ist nur zu oft die einzige Waffe derer, die Christus dorthin folgen, indem sie ihr Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen, den sie mehr lieben als alles andere, selbst als das eigene Leben.

Kommentare:

U. hat gesagt…

Beeindruckend und berührend. Danke!

clamormeus hat gesagt…

Vielen Dank!

Ich lese gerade "Die Letzte am Schafott" von Gertrud von le Fort, es kommt mir so nah, wie schnell solche Brutalitäten sich nähern können und man "viehischen Grobianen" ausgeliefert ist.

Tieftraurig, aber was für eine Größe dieser Karmelitinnen!

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