Mittwoch, 10. Juli 2013

Ist der Papst katholisch? – das Drama von Brilon-Wald

feierliche Schließung der Klausur eines
Karmelitinnenklosters bei der Errichtung des Karmels

„Ist der Papst katholisch?“ ist eine alte rhetorische Gegenfrage, wenn jemand etwas fragt, worauf die Antwort völlig offensichtlich ist. Nun gibt seit einiger Zeit leider aber auch immer welche, denen der Papst nicht katholisch genug ist. Benedikts XVI. geduldige Haltung gegenüber den Piusbrüdern und seinen Versuch, die Einheit wiederherstellen zu wollen, habe ich immer als Ausdruck seiner Güte gesehen und auch bewundert.

Das Problem, wenn man einmal angefangen hat mit dem Auseinanderdividieren, weiß man vielleicht irgendwann nicht mehr, wann und wie man aufhören soll, ich weiß es nicht, denn mir erschiene es unvorstellbar, die Einheit mit Heiligen Vater aufzugeben, mit dem wir uns in jeder Heiligen Messe im Gebet vereinen. Du bist Petrus, auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.

Nun gibt es aber auch solche, denen auch die Piusbrüder scheints nicht katholisch genug sind. So haben vor kurzem die Schwestern des Karmels vom hl. Josef in Brilon-Wald erklärt, sich fürderhin geistlich nicht mehr von den Piusbrüdern betreuen zu lassen, sondern von Bischof Williamson, und zwar unter Verweis auf Rom. So sehen sie in den Schritten, die eigentlich zu einer Wiederversöhnung zwischen den Piusbrüdern und Rom hätten führen sollen, eine Gefahr, den Schutz vor dem „Modernismus der Konzilskirche“ zu verlieren, vor dem sie ja gerade zu den Piusbrüdern „geflüchtet“ seien.

Der Karmel in Brilon ist eine Gründung des Konvents von Quiévrain aus Belgien, der seinerseits eine von mehreren ist, die die Schwester des verstorbenen, exkommunizierten Bischofs Lefebvre vorgenommen hatte. Die Geschichte um den einzigen „traditionalistischen“ Karmel Deutschlands in Brilon-Wald hat jedenfalls Züge eines Krimis oder auch eines Lore-Romans. Bald verläßt die Außenschwester, nervlich zerrüttet, in einer Nacht- und Nebelaktion die Gemeinschaft, wie die Priorin sagt, „fluchtartig“. Der eigene Bruder, ein Priester immerhin, der sie mit dem Auto abgeholt hat, meint, sie war nervlich so herunter, daß sie auf keinen Fall mehr hätte bleiben können. Bald wird der Spiritual des Klosters per Telefax von jetzt auf gleich anderswohin abgeordert, da er „die Schwestern in die Irre geführt“ habe (der Spiritual wiederum hat mittlerweile bei den Schwestern Asyl, da er es nicht verantworten konnte, sie ohne geistlichen Beistand zu lassen).

Bald flüchtet eine andere Schwester aus „dem Modernismus“ ihres Karmels in die Arme derer von Brilon, wird aber an der Trennung von der Piusbruderschaft irre und verläßt nach kurzer Zeit auch Brilon-Wald. Der Karmel versucht das Beste daraus zu machen und meint, je weniger, desto besser. Nun ja, man kann sich natürlich alles schönreden.

Der Konvent besteht seit 1985. Acht Karmelitinnen leben dort auf eine Weise, die man früher mit dem Karmel schlechthin assoziiert hat und wie man es als Eintretende immer seltener findet – viele Interessentinnen finden: leider. In zwanzig Jahren gab es viele Eintritte, es ist aber bisher keine Novizin geblieben. Ob das auch daran liegt, daß die Priorin auch aus den, so liest es sich, einzigen Medien, die dort als Informationsquelle gehalten wurden, dem Mitteilungsblatt der Piusbrüder und der kirchlichen Umschau, noch Artikel ausschnitt, die ihr zum Lesen ungeeignet erschienen, darf bezweifelt werden. Daß der Lesestoff – aus dem meist bei Tisch im Refektorium vorgelesen wird –  eigens ausgewählt wird, ist nichts ungewöhnliches, eher dürfte man schon über die Wahl der Informationsquelle etwas verwundert sein. Die Welt, nur durch die Augen der Piusbrüder gesehen?

Bald fühlen sich die einen mit dem Interdikt belegt, bald werden die anderen des Lesens „subversiver, ehrabschneidender Schriften“ bezichtigt und öffentlich als „Opfer des Vaters der Lüge und der Verführung“ (mithin des Teufels) bezichtigt. Geht es noch melodramatischer? Da bezeichnen die einen die anderen als geistlich hochmütig und werfen ihnen mangelnde Demut, Stolz und Selbstgerechtigkeit vor, während diese wiederum den „Geist des Modernismus“ unterstellen, der sie dem „konziliaren Rom“ ausliefern wolle.

Da das Kloster nun ohne Außenschwester und wegen des Bruchs mit den Piusbrüdern auch weitgehend ohne Almosen ist, sehen die Schwestern sich gezwungen – zumindest einige von ihnen sind es de facto wohl auch –, die Klausur zu verlassen, um etwa die nötigen Einkäufe und Erledigungen machen zu können. Was das für die Schwestern bedeuten mag, können viele sich kaum vorstellen. Zudem gerät der Konvent durch das Ausbleiben von Spenden, auf die er bisher zählen konnte, zusätzlich in Bedrängnis. Allein vom Verkauf von Mantillen, kleinen Skapulieren und ein paar schmalen Renten kann man einen Konvent Nonnen kaum durchbringen. Mittlerweile überlegt die Gemeinschaft, den Karmel in Brilon-Wald aufzugeben und nach Süddeutschland zu ziehen. Dafür sammelt man jetzt Spenden für ein kleines Gebäude (nur so etwa 700.000 Euro). Das Kloster, in dem die Schwestern jetzt leben, fiele nach Aufgabe an die Piusbruderschaft zurück.

Kirchenrechtlich scheint der Status irgendwie einigermaßen unsicher – ich bin indes kein Kirchenrechtler –, denn der Karmel untersteht nicht dem Generalat der Unbeschuhten in Rom (!). Allerdings, und auch das muß festgestellt werden, hat er auch nie der Piusbruderschaft unterstanden, weshalb es für diese keinen Anlaß gab, öffentlich von Ungehorsam zu sprechen. Die Priorinnen der Karmelitinnen zählen kirchenrechtlich zu den höheren Ordensoberen.

Wie gesagt, es liest sich teils wie ein Krimi, eigentlich aber ist es in gewisser Hinsicht tragisch und vor allem auch traurig. Um weiter „im katholischen Glauben leben zu können“ durchtrennt man eine Verbindung nach der anderen. Dabei gilt doch eigentlich: wo der Papst ist, ist die Kirche. Warum können Schwestern, die ihr Leben dem Gebet und der Fürbitte, gerade auch für die Kirche und die Priester, geweiht haben, nicht in Einheit sein mit der Kirche und dem Felsen, auf dem sie gebaut ist?

Kommentare:

Simplicius hat gesagt…

Kirchenrechtlich, würde ich mal sagen, gibt es den Karmel gar nicht. Schließlich kann man nicht einfach so und ohne Erlaubnis des Generalats, des Apostolischen Stuhls und der Diözese ein Kloster aufstellen (siehe Can. 609).

Sicherlich ließe sich dieser Status regularisieren (was die Schwestern freilich nicht zu wünschen scheinen), aber dann vermutlich auch außerhalb des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten - alle traditionellen Karmelitengemeinschaften mussten bislang ihren eigenen Orden gründen, da der Mutterorden diesen "Frömmigkeitsformen" scheinbar immer noch etwas kritisch gegenüber steht.

Huppicke hat gesagt…

So wie du es schilderst klingt es wie eine brasilianische Seifenoper. Dann frage ich mich, ob es an Demut und Gehorsam hapert.

Aber von außen ist immer leicht geurteilt. Ich darf mir kein Urteil anmaßen.

Es ist nur schade, dass schon Menschen seelisch verletzt wurden und sie dort keine Harmonie (und Liebe?) haben. So kann eine katholische Klarisse sich das Leben für Gott doch nicht vorgestellt haben.

jeannedarc hat gesagt…

das kommt dabei heraus, wenn jemand päpstlicher sein will, als der Papst. Im Grunde ist das auch das Dilemma der FSSPX.

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke übrigens für den interessanten Hinweis auf Can. 609 – daß für die Errichtung eines Klosters klausurierter Nonnen noch einmal andere Regelungen gelten, wußte ich noch nicht.

MUMEN hätten die Schwestern innerhalb der RKK eine Lebensweise nach den Konstitutionen der Unbeschuhten Karmelitinnen von 1990 und die Feier der Messe in der außerordentlichen Form in Betracht ziehen können. Welche besonderen Usancen und Bräuche sie dann in ihrem Konvent beibehalten wollen, bliebe ihnen m. E. ja weitgehend überlassen.

Anonym hat gesagt…

Wo sind die Karmelitinnen von Brilon Wald ?

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