Freitag, 19. Juli 2013

Famous last words

Du, o Herr, hast uns die Furcht vor dem Tod genommen. Du hast uns das Ende des Erdenlebens dahier zum Anfang des wahren Lebens gemacht. Du läßt unsere Leiber eine Zeitlang im Schlafe ruhen und erweckst sie daraus wieder mit der letzten Posaune. Du übergibst unsere Erde, die du mit deinen Händen geformt hast, der Erde zur Aufbewahrung und holst dann wieder zurück, was du gegeben, nachdem du das Sterbliche und Unschöne von uns zu Unsterblichkeit und Herrlichkeit umgewandelt hast.

Du hast uns vom Fluch und von der Sünde errettet, indem du beides für uns geworden bist. Du hast die Köpfe des Drachen zerquetscht, der mit seinem Rachen den Menschen in den Abgrund des Ungehorsams hinabgerissen hatte. Du hast uns den Weg der Auferstehung bereitet, da du die Pforten der Hölle zerbrochen und den, der die Macht über den Tod hatte, überwunden hast.

Du hast denen, die dich fürchten, als Zeichen das Abbild deines heiligen Kreuzes gegeben zur Überwindung des Widersachers und zur Sicherheit unseres Lebens. O ewiger Gott, dem ich vom Mutterleibe an zugeteilt gewesen, den meine Seele aus allen Kräften geliebt hat, dem ich Leib und Seele von Kindheit an bis jetzt geweiht habe, stelle du mir einen lichten Engel zur Seite, der mich geleite an den Ort der Erquickung, wo das Wasser der Ruhe ist, in den Schoß der heiligen Väter, der du das flammende Schwert zerbrochen und den mit dir gekreuzigten Menschen, der dein Erbarmen anflehte, dem Paradies wiedergegeben hast. Gedenke auch meiner in deinem Reiche! Denn auch ich bin mit dir gekreuzigt, da ich aus Furcht vor dir mein Fleisch angenagelt habe und vor deinen Gerichten mich fürchte. Möge der schreckliche Abgrund mich nicht von deinen Auserwählten trennen, noch der Verleumder mir in den Weg treten, noch mögen vor deinen Augen meine Sünden erfunden werden und, wenn ich aus Schwachheit unserer Natur etwas gefehlt und in Wort oder Werk oder Gedanke gesündigt habe, so verzeihe es mir, der du auf Erden die Macht hast, Sünden zu vergeben, damit ich die Erquickung erhalte und, wenn ich meinen Leib ablege, vor dir erfunden werde, an der Gestalt meiner Seele ohne Makel zu sein; ja möge meine Seele untadelig und makellos in deine Hände aufgenommen werden wie liebliches Opferwerk vor dir!
Worte der hl. Makrina der Jüngeren auf ihrem Sterbelager, aufgeschrieben von ihrem Bruder, dem hl. Gregor von Nyssa. Im Fortgang heißt es:
Wie sie aber das Gebet vollendet hatte und die Hand zur Bekreuzung ans Gesicht führte, um damit das Ende des Gebets anzuzeigen, beschloß sie, ganz schwer und tief aufatmend, zugleich mit dem Gebet ihr Leben.
Ein gutes Leben, ein äußerst erstrebenswerter Tod. – Die Familie der hl. Makrina kam aus einer buchstäblich heiligmäßigen Familie: ihre Brüder waren die hll. Basilius (der Große) und Gregor (von Nyssa), die man als Kirchenlehrer verehrt, und der hl. Petrus von Sebaste. Auch die Eltern dieser heiligen Geschwisterschar, Basilius der Ältere (der wiederum der Sohn der hl. Makrina der Älteren war) und Emmelia, wurden zur Ehre der Altäre erhoben.

Als Makrina noch ein Kind war, arrangierte ihr Vater eine Ehe für sie. Ihr Verlobter starb jedoch, noch bevor Makrina das heiratsfähige Alter erreicht hatte. Makrina wählte und gelobte die ewige Jungfräulichkeit, da sie ihren Verlobten nicht als unwiederbringlich verloren, sondern nur als vorübergehend abwesend ansah, eingetreten in den immerwährenden Dienst an Gott. Nach dem Tod ihres Vaters führten sie und ihre Mutter ein zunehmend einfacheres Leben und begründeten schließlich eine Gemeinschaft geweihter Jungfrauen und Witwen.

Ihr Bruder, der sie als geistliche Lehrmeisterin ansah, schrieb das Leben der hl. Jungfrau Makrina nieder. Heute ist ihr Gedenktag.

Als man Makrina für das Begräbnis herrichten wollte, wird von ihrer Mitschwester Lampadia, einer Diakonin, berichtet, daß Makrina außer einer Tunika, ihrem Schleier und einem Paar abgenutzter Sandalen nichts ihr eigen genannt hatte: „Nur einen Aufbewahrungsort für ihren Reichtum kannte sie, die himmlische Schatzkammer; dort hat sie alles niedergelegt und nichts auf Erden zurückgelassen.“ 

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