Dienstag, 30. Juli 2013

Theologie der Frau

Wenn einer ein Interview gibt – dann haben die anderen viel zu erzählen. Also, bei diesem Interview auf dem Rückflug vom Weltjugendtag wäre ich ja gerne eine Maus im Flugzeug gewesen. Naturgemäß hat mich besonders die Aussage des Heiligen Vaters zu den Frauen interessiert, allerdings hat mich gerade diese auch ein wenig irritiert.
„Eine Kirche ohne Frauen ist wie ein Apostelkollegium ohne Maria. Die Rolle der Frau ist die Ikone der Jungfrau, der Gottesmutter. Und die Gottesmutter ist wichtiger als die Apostel. Die Kirche ist weiblich, weil sie Braut und Mutter ist. Man muß weiter voran gehen. Eine Kirche ohne Frauen, die in ihr aktiv sind, kann man nicht verstehen. ... Wir haben noch keine Theologie der Frau hervorgebracht. Man muß sie machen.

Was die Priesterweihe von Frauen betrifft, hat die Kirche gesprochen und nein gesagt. Johannes Paul II. hat mit einer definitiven Formulierung gesprochen, diese Tür ist zu. Doch erinnern wir uns daran, daß Maria wichtiger als die Apostel-Bischöfe ist, und so ist die Frau in der Kirche wichtiger als die Bischöfe und Priester“.
Als ich die nach kath.net zitierte Aussage gestern sah, hab ich schon gedacht, ach Mensch, warum wird nun grade da gekürzt? Radio Vatikan bringt eine kurze Zusammenfassung der Inhalte und bemerkt, ebenso wie katholisch.de, der Papst habe gesagt, Frauen dürften nicht nur auf ihre Rolle als Mutter reduziert werden. (Beide verwenden in Bezug auf das Priestertum übrigens das etwas unglückliche Wort „dürfen“, als ginge es um eine bloße Erlaubnis.) Also hab ich mich auf die Suche nach einem Vollzitat gemacht, an sich lese ich Sachen sowieso lieber im Gesamtkontext.

Nun heißt es da (ich nehme an vollständig und mit einer erklärenden Anmerkung versehen, via Vatican Insider):
A Church without women is like an Apostolic College without Mary. The role of women mirrors that of the Virgin Mary. And the Virgin Mary if the most important out of all the apostles. The Church is female because she is a wife and mother. The Church cannot be understood without the women that serve it. Here’s an example that has nothing to do with the Church: I see Paraguay’s women as glorious human beings. After the war [here Francis refers to the bloody war between Paraguay and Brazil which took place between 1864 and 1870] there were eight women for each man. And they chose to have children, save the homeland, their culture and their faith. This is how women should be conceived in the Church. We still do not have a theology of women. We need to create one. The Church has discussed the ordination of women bishops and has decided against it. John Paul II gave a definitive answer to this so that door is closed. But let us remember that Mary is more important than the bishop apostles, so women in the Church are more important than bishops and priests.
Der Heilige Vater verweist hier zu Recht auf die Jungfrau Maria als Ikone der Frau. Nun war Maria beides, Jungfrau und Mutter, was, nebenbei bemerkt, immer auch die Möglichkeit beinhaltet, Maria in einem jungfräulichen oder ehelosen Leben um des Himmelreiches willen nachzueifern. Dieser Aspekt fehlt mir hier, findet sich vielleicht aber inklusiv „in the women that serve it“.

Nun lese ich aber aus dem fehlenden Teil der zitierten Antwort, und deshalb hat sie mich verwirrt, keine Aussage darüber, daß Frauen „nicht auf die Mutterrolle reduziert“ werden dürften, der Papst greift sogar ein Beispiel auf, in dem ihm die (wörtlich) Erwählung der Mutterschaft als großartig und prachtvoll erscheint, um auf dem Satz herauszukommen, dies sei die Art, wie die Kirche Frauen verstehen solle. Das muß man natürlich nicht Reduktion nennen, die oben angeführte Konklusion hätte ich indessen auch nicht herausgelesen. Womöglich war mit der Art, wie die Kirche die Frauen verstehen solle, die Bewahrung der Heimat, der Kultur und des Glaubens gemeint, dies alles wird hier allerdings und immerhin in unmittelbarer Nähe zur leiblichen Mutterschaft genannt.

Im weiteren folgt eine Aussage des Heiligen Vaters über die hohe Würde Mariens, mit der ich von Fall zu Fall, je nachdem, wie sie getan wird, auch immer mal Schwierigkeiten bis hin zum Überdruß habe: wenn den Frauen gesagt wird, sie wären so ungeheuer würdig, viel würdiger und wertvoller als Männer. Mir kommt das immer vor wie ein Kopftätscheln. Soll man sich doch hinstellen und einfach und offen sagen: bestimmte Dinge sind wegen unserer Tradition nicht möglich, aber jedes Geschlecht hat in der Kirche seine eigenen Aufgaben und seine eigene Würde. So verstehe ich auch den Apostel, wenn er schreibt, hier ist weder Mann noch Frau, sondern alle sind eins in Christus. Die Feststellung, daß ich sowieso viel würdiger und wertvoller wäre .oO(*pat* *pat*), brauch ich nicht.

„Wir haben immer noch keine Theologie der Frau“ – vielleicht ja, vielleicht nein. Vielleicht hatten wir sie mal und sie ging verloren. Vielleicht müssen wir sie wirklich entwickeln.

Kommentare:

Martina Baro hat gesagt…

Schon zu lange versucht man, sich irgendwie durchzulavieren, aber harte Fakten habe ich noch keine zu Gesicht bekommen.
Allenfalls römische Betonschädel. :(

Geistbraus hat gesagt…

ich musste bei der Bemerkung unmittelbar an Gertrud von le Forts "Die ewige Frau" denken. Wenn das keine Theologie der Frau ist, was dann?

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