Sonntag, 14. Juli 2013

20 Wochen

Vorgestern in einem Forum gelesen: zur Frage, ob man zu einer Spätabtreibung in eine Spezialklinik müsse, antwortet eine Frau, ja das müsse sein, sie glaube ja nicht, daß ein 20 Wochen alter Fötus schon viel mitkriege, aber so sei es nun einmal. Sehen wir einmal davon ab, daß es auch nicht richtiger wird, jemanden zu töten, weil er unter Umständen nicht so viel davon mitkriegt − oder fände einer es richtig, in Narkose ums Leben gebracht zu werden, weil man voraussichtlich nicht allzuviel davon merkt? Ein grundsätzlicher Denk- und Wahrnehmungsfehler also. Mit 20 Wochen kann ein Kind übrigens schon lange hell von dunkel unterscheiden, es hört, und es ist ungefähr der Zeitpunkt, zu dem die Mutter zum ersten Mal die Tritte des Kindes spürt, das sie in sich trägt. Hier greift ein einundzwanzig Wochen altes Kind aus dem Mutterleib heraus nach dem Finger eines operierenden Arztes.

Nun kam zur selben Zeit die Zustimmung des Senats von Texas zur Verabschiedung eines Gesetzes, das die Spätabtreibung in Texas verbietet, nach dem zuvor durch einen in den Medien vielfach wohlgefällig betrachteten Filibuster versucht wurde, genau das zu verhindern. Ein Filibuster ist ein politisches Manöver, bei dem ein Vortragender das ihm erteilte Wort so lange ausdehnt, bis die Abstimmung über den gestellten Antrag nicht mehr fristgerecht erfolgen kann. Wie gesagt, viele Medien äußerten sich unverhohlen wohlgefällig, etwa die ZEiT, in dem sie schreibt, die Verhinderung der Verabschiedung des Gesetzes sei „dem Stehvermögen“ der Abgeordneten Davis „zu verdanken“. Der SPiEGEL nennt Wendy Davis eine „Marathon-Heldin“. Die Süddeutsche bezeichnet Davis als „eine neue Heldin“. Und immer so weiter.

der 20 Wochen alte Walter Fretz nach der Geburt
Liebe Leute, was soll das für ein Heldentum sein, das für das Recht eintritt, die Schwachen und Hilflosen noch im Mutterleib zu töten?[1] Die Berliner Zeitung spricht von „einem liberaleren Abtreibungsrecht“, legt immerhin schon einmal andeutungsweise den Finger darauf, worum es wohl eigentlich eher geht, nicht um Frauen oder Kinder, sondern um Geld. Mit der Verabschiedung des neuen Gesetzes muß voraussichtlich der größte Teil der zweiundvierzig Abtreibungskliniken in Texas schließen.

Ich habe das zunehmend das Gefühl, viele wissen gar nicht, wovon sie da eigentlich sprechen. Dies sind anrührende Bilder eines zwanzig Wochen alten Kindes, das viel zu früh geboren wurde. Nach der Geburt hat das Kind noch einige Minuten gelebt. Seine Mutter, die sein Herz durch den Brustkorb hindurch hat schlagen sehen, ist dankbar für die wenigen Minuten, die ihr mit ihrem Kind geschenkt wurden.
_____
[1] Um es klar zu sagen, ich wünschte, der Staat Texas würde auch in Bezug auf die Todesstrafe eines anderen Sinnes, indes ist das hier nicht das Thema.

Kommentare:

Lauda Sion hat gesagt…

Manchmal denke ich es wäre besser gewesen, wenn mein Vater damals meiner Mutter das Geld gegeben hätte, dann wäre mir viel erspart geblieben und ich wäre schon längst "zu Hause" und müsste auch das ganze Elend hier unten nicht mit ansehen. Andrerseits wird Gott schon wissen, was Er tut und vielleicht noch mit mir vor hat :/

Braut des Lammes hat gesagt…

Hmm. Auch wenn man den Tod als "Erwachen vom Leben" sieht, so ist es doch schön, geträumt zu haben. Und, wie du schon sagst, du weißt nicht, was er noch mit dir vorhat oder wozu dein Leben gut ist. Denk an George Bailey.

Lauda Sion hat gesagt…

Danke. Den Film habe ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gesehen, werde ich gleich mal nachholen :)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...