Samstag, 29. Juni 2013

This is an ex-customer…

Daß „neue, verbesserte Rezeptur“ immer ein Synonym für „jetzt noch billiger herzustellen“ ist, ist vielen bekannt. Indes stand das auf dem löslichen Espresso, den ich konsumiere, bisher gar nicht. Er schmeckte aber seit einiger Zeit trotzdem irgendwie nach „verbesserter Rezeptur“. Irgendwann fiel mir auf, daß auf der Packung mittlerweile „löslicher Bohnenkaffee“ statt wie zuvor „löslicher Espresso“ steht. Dann änderte sich bei den Portionspackungen der Inhalt um je 0,2 g weniger, was einer verdeckten Preiserhöhung von 11,1 % gleichkommt. Also sowas liebe ich ja – wenn wenigstens die Qualität dieselbe geblieben wäre, würde ich nichts sagen. Ist sie aber nicht. Ich zahle also jetzt für ein qualitativ schlechter empfundenes Produkt mehr als zuvor für das bessere.

Irgendwann, wann genau, weiß ich nicht mehr, änderte sich das Aussehen des Produktes, nachdem ich schon einige Zeit das Gefühl hatte, man bräuchte mehr Pulver, damit das Zeug überhaupt nach Espresso schmeckt (und nicht nach Blümchenkaffee). Gleichzeitig hat es einen eigenartigen Beigeschmack, den es vorher nicht hatte. Bei den 100 g-Gläsern, die ebenfalls deutlich teurer geworden sind, nur daß man es hier gleich merkt, ist eine eindeutige Veränderung von Farbe und Konsistenz erkennbar, das Glas sieht auch so anders aus, daß ich erstmal überlegte, ist das überhaupt noch das gleiche Produkt? Immerhin heißt es anders, sieht anders aus, die Verpackung ist anders, es schmeckt anders und anders kosten tut es auch. Das alles sprach nun doch sehr für eine neue, wenn auch nicht unbedingt verbesserte Rezeptur. Und siehe da: zwischendurch gab es bei den Portionspackungen einen Aufdruck, der auf die neue Rezeptur hinwies (auf die verdeckte Preiserhöhung natürlich weiterhin nur verdeckt ;) Dann war er auch schon wieder verschwunden.


Wendet sich der Kunde nun schriftlich an den Hersteller, um höflich seinem Bedauern darüber Ausdruck zu geben, daß ein vormals gutes und geschmacklich zufriedenstellendes Produkt so sehr zu seinem Nachteil verändert wurde, macht er mit hübschen Textbausteinen Bekanntschaft. Vielleicht sind solche Antworten ja auch komplett maschinell generiert (womöglich haben sie in ihrer Abteilung Corporate Communications auch eine „neue Rezeptur“?):
Vielen Dank für Ihre Nachricht zu unserem Produkt Jacobs Espresso. Es ist richtig, daß wir … eine Rezepturverbesserung vorgenommen haben. Durch die Qualitätsverbesserung [häh?] gibt es jetzt eine noch feinere Crema. Wir hoffen, daß Sie weiterhin unsere Jacobs Espresso Sticks gerne [häh?] genießen.
Liebe Firma Kraft: das ist eine eitle Hoffnung.

Kommentare:

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Da fällt mir doch glatt ein, daß ich schon längst der Großbäckerei in den hiesigen Edeka-Märkten einige Zeilen schicken wollte, nachdem in meiner Morgens-Kaffee-to-go-hol-Filiale ein neuer Kaffeeautomat herbeigeschafft und neue Tassengrößen eingeführt wurden. Seither nähert sich der "kleine" Kaffee mengenmäßig dem doppelten Espresso an, schmeckt jedoch lauer als zuvor, aber kostet 10 Cent mehr ... *grollgroll*

kalliopevorleserin hat gesagt…

Nimm fair gehandelten Kaffee. Der ist immer von sehr hoher Qualität. Und dann schau drauf, daß entweder "100 % Arabica" oder "Hochlandkaffee" (was das Gleiche ist) draufsteht, niemals aber "Robusta" oder "verbessert".
Wenn es mal ein bisserl mehr kosten darf, nimm fair gehandelten Kaffe aus Äthiopien. (Teuer!!! aber unglaublich lecker.)

Braut des Lammes hat gesagt…

Die Kaffeemaschine füttere ich nochmal mit anderem Kaffee (immer Arabica, niemals Robusta), bei der Arbeit nehme ich umständehalber löslichen Espresso – demnächst aber halt dann eine andere Sorte.

Anonym hat gesagt…

Huch, beim Lesen dachte ich gerade, ob das wohl ein Gleichnis ist über gewisse andere Veränderungen, die mit dem Etikett "verbessert" in den 60ern auf den "Markt" gekommen sind? Aber immerhin gibt es ja noch die außerordentliche ääh frühere Form ...

Braut des Lammes hat gesagt…

Ach, wenn die ordentliche ordentlich gefeiert wird, mag ich sie sehr gern.

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