Montag, 3. Juni 2013

Hühner, Schwäne, Pelikane – das neue Gotteslob und das (assoziative) Federvieh

Darstellung aus dem Daily Roman Missal, dem
englischen Gegenstück zum Schott-Meßbuch: der Pelikan,
der sich die Brust aufreißt, um die Jungen zu nähren –
ein Christussymbol
Nach der Vorankündigung, für die Bebilderung des neuen Gotteslobs habe man Werke in Auftrag gegeben, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen, sondern den Betrachter immer wieder dazu bringen sollen, darüber nachzudenken, was der Künstler wohl damit sagen wolle, schwante mir schon nichts Gutes. Und so ist es auch.

Zwar mag einem durchaus die eine oder andere Frage kommen, ob aber der Betrachter darob wirklich „in die Tiefe der Seele hinabsteigen“ mag, wage ich zu bezweifeln. Was dabei herausgekommen ist, erinnert mich irgendwie an den Kommentar Sr. Mirjams zu einem meiner ersten Versuche, beim Kerzenmachen ein Weinblatt mit einer Äderung zu versehen: „Das sieht aus, als wenn ein Huhn darauf rumgekratzt hätte.“ Da die Schwester eine gute und geduldige Lehrerin ist, bin ich handwerklich bald übers Federvieh hinausgedrungen. Jetzt jedenfalls ist mir das Huhn spontan wieder eingefallen – vielleicht sitzt es ja im Karmel in der Tiefe meiner Seele. Diese Bilder sehen aus, als wenn sie ein Huhn in den Sand gescharrt hätte. Das einzige, das Ähnlichkeit mit irgendetwas Gegenständlichem hätte, ist wohl die Leiter zur Kreuzabnahme. Allerdings: wenn ich eine Leiter male, sieht die auch so aus. Ich frag lieber nicht, was das wieder gekostet hat, obwohl man eigentlich fragen sollte (die Idee des Projekts Youcat, auf Bilder zurückzugreifen, die nichts kosten, weil einem die Rechte daran bereits gehören oder weil die Bilder zum Public domain gehören, war nämlich eine gute und auch eine, die der Kirche gut ansteht). Mein lieber Schwan! Irgendwie kommt man bei dieser Bebilderung vom Federvieh kaum weg.

Was der Künstlerin zum Altarsakrament (Gelobt und angebetet sei ohne End Jesus Christus im allerheiligsten Altarssakrament) eingefallen ist – jedenfalls steht es neben dem Tantum ergo – sieht man unten. Das soll nach Erläuterung zur Ausstellung der Werke ein „offenes Zeichen sein, das den Betrachter auf eigene Weise ansprechen könnte“. Nun ich befürchte, daß mir diese Zeichen wohl nie etwas sagen werden, allenfalls erinnern sie mich daran, daß ich mein Mobiltelefon nicht finden kann oder daß man auf einem Holztisch besser einen Untersetzer nimmt.


Aus der Blogozöse kam allerdings anläßlich der Unzufriedenheit der Piusbruderschaft zur Kreuzwegandacht[1] im neuen Gotteslob im Kommentarbereich gleich nebenan bei Pro spe salutis ein ausgezeichneter Vorschlag: die Bilder einfach vorsichtig überkleben. Das neue Gotteslob als Einklebealbum. Dabei läßt sich dann nach Gusto alles verwenden, was einen selbst in die Tiefe seiner Seele hinabsteigen läßt, oder bei dem ich mich nicht jedesmal frage, was zum Geier(!) es mir denn sagen will, weil es mir bereits etwas sagt.

_____
[1] deren fragmentarisches Gestammel zu den Meditionen mich schwer an Gedichte von Kurt Marti erinnert, manchmal haben die Piusbrüder ja auch recht – leider.

Kommentare:

Huppicke hat gesagt…

Musste erst mal herzlich lachen. Erinnert mich an die Riesenskulptur an der Hauswand der Musikschule in der Nachbarstadt, die angeblich riesengroße Noten darstellen soll, aber jeder fragt nur: Wat is dat fürn Gekrackel?

Mal gucken wie sie mich stören, die Bilder. Vielleicht 'sehe' ich sie gar nicht. Sonst ziehe ich das überkleben ernsthaft in Betracht. Wüsste auch gleich hier bei dir viel zu finden. :-)

Ester hat gesagt…

Ich hatte es gefürchtet!

KingBear hat gesagt…

À propos Huhn... ;)

http://mightymightykingbear.blogspot.de/2013/06/selbstgebastelter-anhang-zum-neuen.html

Admiral hat gesagt…

Wenn Kaplan Schwarz aus Liechtenstein nicht zufällig gerade unterwegs auf Pilgerreise wäre, könnte er analog zum SOSAL (Sonntags-Sticker Album http://www.sosal.info/ ) auch ein GLSAL machen.....

Braut des Lammes hat gesagt…

Sticker wären klasse. Ich hatte auch schon überlegt, Bastelbögen anzulegen… Da viele dieser Bilder ziemlich groß geraten sind, tuts wahrscheinlich ein ordentliches Heiligenbildchen.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Im Blick auf die Krakeleien scheinen wir uns voll und ganz einig. Das zum Nachdenken anregende "Gestammel" mag meinetwegen an Marti erinnern. Solange dessen "Implikationen" nicht mitgeliefert werden, ist mir das ziemlich wurscht. Und wie am aufgeführten Beispiel zu sehen, folgen (zumindest bei dieser Station) die "Betrachtungspunkte" (wie ich es eher nennen würde) einer gewissen Dramaturgie: "Seht da > Ecce homo > Ohne Ansehen > Er schaut mich an".

Braut des Lammes hat gesagt…

Die Anmerkung zur Kreuzwegmeditation - von der ich überlegte hatte, ob ich sie schreibe – ist wie der ganze Beitrag natürlich völlig subjektiv. Ein anderer mag es völlig anders sehen. Mit dem Hinweis auf Martis Gedichte wollte ich nicht einmal etwas gegen Marti sagen, nur würd ich seine Gedichte halt nicht zur Kreuzwegandacht vorlesen.

Bei dem Gedanken, es sich nicht alles hauptsächlich darum zu kritisieren, weil es neu ist, stimme ich dir grundsätzlich zu. Es muß aber umgekehrt nicht schon etwas deshalb besser sein, weil es neu ist.

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