Mittwoch, 12. Juni 2013

Er war ein trefflicher Mann, gleich wie er hieße…

Der hl. Beda, der Schutzpatron der Lektoren, übersetzt
den hl.  Johannes,  den Evangelisten
(der ebenfalls Schutzpatron der Lektoren ist)
An der gestrigen ersten Lesung über den trefflichen Apostel Barnabas haben sich gestern anscheinend gleich mehrere Lektoren die Zunge verrenkt.

Schönerweise war es bei uns eine Heilige Messe mit einem Bischof, einem Diakon und drei Konzelebranten, davon zwei junge (was in unseren roten Gewändern wirklich gut aussieht. Einzug mit jungen Zelebranten, die eine gute Figur machen, macht Spaß. Seht, möchte man sagen, was wir alles haben!)

Die Lektorin indes, die zuvor „Antiochia“ kein einziges Mal richtig ausgesprochen hatte (und das, obwohl der Bischof das Wort in der Einführung bereits mindestens einmal verwendet hatte), segelte schließlich auf folgenden Satz los: „In der Gemeinde von Antochja gab es Propheten und Lehrer: Ba… Barnabas und Simon, genannt Niger, Luzius von Zi… Zürene, Ma… Mannen, ein Jugendgefährte des Tit…Tet…Tet-rarchen Herodes, und Saulus.“ (Immerhin „Niger“ stimmte, wenn ich mich recht erinnere, glücklicherweise einigermaßen. Es gibt Gläubige, die schon bei argloser Verwendung des Wortes „Negersklave“ nachher in die Sakristei stürzen.)

Die schlechte Gewohnheit mancher Lektoren, die meinen, sich durchaus nicht vorbereiten zu müssen, ist mir ja ein Graus. War es aber gar nicht in diesem Fall, anscheinend hat sie sich vorbereitet und es ging trotzdem nicht. Vielleicht sollte man sich in einem solchen Fall dann doch lieber die Fürbitten geben lassen, in denen keine Tetrarchen lauern.

Ich will nicht so tun, als wenn ich mich noch nie verlesen hätte. In dem wunderschönen Satz Schadrach, Meschach und Abed-Nego erwiderten dem König Nebukadnezzar, vor dem ich eigentlich gar keine Angst habe, hab ich mich eines Jahres prompt bei dem Wort „erwiderten“ versprochen. Fischers Fritze fischt… Einmal hab ich die Apostel nach Bosnien geschickt und in der Lesung über die böse Königin Atalja – bei der wir alle zwei Jahre quasi Streichhölzer ziehen, wer sich opfert – kamen mir die Hundertschaftsführer gleich mehrfach in die Quere, was aber, glaub ich, daran lag, daß über meinem Haupt die Denkblase schwebte: .oO(Warum lesen wir diese Mord- und Totschlaggeschichte, *warum*?) Am Horizont dräuen auch noch, obwohl noch nie passiert, die von den Haaren gefallenen Schuppen und das Lamm ohne Mehl.

Schutzheilige der Lektoren sind der hl. Johannes der Evangelist und der hl. Beda, der Merkwürdige der Ehrwürdige.

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Ja, "PaSCHa" ist auch immer so ein Kandidat, besonders für etwas ältere Lektoren, die mit Fußnoten nichts anfangen können.

Psallite Deo hat gesagt…

Ja, die bekannten Probleme ;-)
Aber es geht auch anders: ein Mädchen aus meinem Chor, irgendwo zwischen 9 und 11 Jahre alt, die hat - allerdings in einer Probe, nicht im Gottesdienst - "Phrygien und Pamphylien" etc. vom Blatt fast fehlerfrei vorgelesen (es ging um den biblischen Hintergrund eines Pfingstliedes), das war wirklich beeindruckend.
Was mich aber nervt, ist Jaaaawe oder wenn derselbe Name immer falsch ausgesprochen wird, weil man es falsch drinhat. Daß man sich mal verhaspelt, ist was anderes, das passiert einfach, ggf. einfach mitlachen: Ich habe mal, als ich vor der Vorabendmesse um 17:30 ein Lied mit der Gemeinde geübt habe, die Leute mit "Guten Morgen" begrüßt...

Braut des Lammes hat gesagt…

Ouh, das Paschalamm wie das Paschamahl sind mir bisher eigentlich nur von Diakonen serviert worden. Da hat mich das wirklich gewundert.

Admiral hat gesagt…

Ich hab dann immer den Blitzgedanken: "Das Pascha ist doch ein.... Ähhhhh.... Etablissement in Köln......"

Cassandra hat gesagt…

Beda Venerabilis sollte Schutzpatron der Anglisten sein. Seine Übersetzungen und Predigten sind eine wichtige Quelle für das Altenglische.
Er hat mich ein halbes Jahr begleitet.

Irgendwie lustig: er übersetzte, damit seine Schüler das Evangelium hören konnten und schaffte damit eine Hintertür, mit der das Altenglische später verstanden werden konnte.

Anonym hat gesagt…

Ich habe mal eine halbe Minute gebraucht, um über die ersten zwei Worte von Sach 9,9 hinweg zu kommen. Seitdem weiß ich, wie sich so ein Knoten in der Zunge anfühlt: Ungefähr so wie ein "l". Aber eben nur so ungefäht...

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