Montag, 24. Juni 2013

Das Blasenpflaster und ich (ein Tagebuch)

Vorweg das wichtigste zuerst: Leuten, die mit der Wirkungsweise eines Blasenpflasters nicht vertraut sind, sollte man wirklich in der Apotheke erzählen, daß es normal ist, daß sich da an der Stelle der Blase so ein weißes Zeugs bildet. Dann kommen sie, zumal sich der Fuß ohnehin schon recht auffällig gebärdet, nicht auf die Idee, ob vielleicht nicht noch vor Montag doch noch eine ärztliche Versorgung benötigt wird. Also:

Beim Betriebsausflug hab ich mir eine Blase gelaufen. Im Prinzip nicht schlimm, nur leider an ungünstiger Stelle, weil man auf den Fußballen dauernd drauftritt. Auf dem Weg zur Arbeit an Tag 1 verabschiedet sich die Blasenhaut und seither humple ich herum, was (zunächst) viel dramatischer aussieht als es ist. Für die offene Stelle gibts mehrere Heftpflaster, die sich aber immer wieder verabschieden, auch hat die offene Stelle mittlerweile die Größe eines Zweieurostücks und ist krebsrot. Ich komme mir seit Tagen vor wie die kleine Seejungfrau, als sie bei der Meerhexe ihren Schwanz gegen zwei Beine eingetauscht hat.

So erstehe ich schließlich am Abend des Tages 3 in der Apotheke ein besonderes Blasenpflaster, bei dem der Packungsaufdruck zwar polyglott ist, aber ansonsten wenig erzählt. Der zugesagte Zettel in der Box mit fünf Pflastern zu stolzen 6,95 Euro – nach Abzug meines Kundenrabatts 6,74 – fehlt. Im Internet gibts übrigens, das hab ich am Samstagabend herausgefunden, eine ziemlich lange Liste mit FAQs zur Wirkungsweise dieser Pflaster. Vorbildlich, aber für mich zu diesem Zeitpunkt etwas spät. Fast unmittelbar nach dem Aufkleben des Pflasters am Freitagabend fing der Fuß nämlich an, erst richtig herumzuzicken und wehzutun. Außerdem hat sich dort eine weißliche Masse gebildet, die wenig vertrauenerweckend aussieht und den Verdacht aufkommen läßt, man habe mit dem Aufkleben des Pflasters womöglich erst die Vorbedingungen für eine erstklassige Infektion geschaffen. Jeder, der mal den Kardinal von Henry Morton Robinson gelesen hat, weiß, daß Leute manchmal von einer Wanderung nicht mehr zurückkommen, sondern ins frühe Grab sinken, weil sie sich unterwegs eine Blase gelaufen haben.

Nach Rückkehr am späten Freitagabend entferne ich daher erstmal das Pflaster und voilà, spontane Erleichterung, der Fuß hört auf, wehzutun und über Nacht ist alles schön. Indes hab ich ja immer noch ein großes Loch im Fuß, weshalb dieser so unbenutzbar ist. Nach erneuter Desinfektion klebe ich daher halb gegen meine Überzeugung ein weiteres Blasenpflaster auf, das diesmal zwar nicht für größeres spontanes Unbehagen sorgt, dafür bildet sich eine noch größere weiße Stelle unter dem Pflaster. Nun ja. Kurz darauf erfahre ich durch Google, daß das offenbar genauso sein soll, da Kolloidpflaster dem Prinzip der feuchten Wundheilung folgen und die Wunde dadurch zugleich polstern. Wie bemerkt, wenn vielleicht mal jemand was gesagt hätte… (Erstaunlich übrigens, was man in Google für Suchwörter eingeben kann, um zu einer vernünftigen Antwort zu kommen. Google ist sozusagen idiotensicher.) Außerdem trägt die Internetliste des Herstellers mit FAQs zu meiner Beruhigung bei: das Zeug ist nicht luft-, sondern nur wasserdicht und man soll es einfach dranlassen, bis es von selber abfällt. Na dann.

Das zweite Pflaster hält vernünftig; am Sonntagnachmittag kann ich den Fuß sogar wieder halbwegs abrollen und daher abends in der Messe dienen. Leider kam ich auf die Idee, vorher und nachher Sandalen ohne Söckchen zu tragen, was offenbar dazu führt, daß sich ein Teil des Pflasters ablöst und die Blase wiederum Sperenzchen macht, glücklicherweise erst nach der Heiligen Messe. Anscheinend haben die Sandalen, so glatt sie innen aussehen, den Effekt feinen Schmirgelpapiers. Merke: Blasenpflaster muß man offenbar immer mit Strümpfen kombinieren. Also klebe ich am Sonntagabend ein neues Pflaster auf. Die Wunde sieht da immer noch so aus wie an Tag 1, ob dieses Prinzip der feuchten Wundheilung also so das Wahre ist, vermag ich noch nicht recht zu sagen. Auf jeden Fall scheint es nicht ganz billig – ich hab bis jetzt drei von fünf Pflastern verbraucht – und das Pflaster hat wirklich bei jedem einzelnen Mal nach dem Aufkleben ein deutliches Gefühl des Unbehagens ausgelöst, während der Hersteller mit dem Spruch „Lindert den Schmerz sofort“ wirbt. Andererseits, was soll man machen? So aber dein Fuß dich ärgert, hau ihn ab, ist auch keine Alternative. Vorher war der Fuß zunehmend unbenutzbar, jetzt gehts wieder. Aufgeklebt sieht so ein Pflaster ganz vernünftig aus und es läßt sich auch schmerzfrei wieder abziehen, das muß man der Fairneß halber sagen. Außerdem ist die weiße Masse unter dem Pflaster seit gestern deutlich kleiner, vielleicht passiert doch was. Es bleibt spannend.

Kommentare:

Simplicius hat gesagt…

Beim Lesen des Titels musste ich erst einmal an ein ganz anderes Thema denken :)

Wünsche eine schnelle Heilung!

Braut des Lammes hat gesagt…

Das hab ich schon befürchtet und daher versucht, eindeutige Bilder zu nehmen… :7

kalliopevorleserin hat gesagt…

Ich habe vor längerer Zeit sehr böse Erfahrungen mit Blasen an den Füßen (Plural!) und sehr gute mit diesem Blasenpflaster gemacht - heile heile Segen, das Zeug ist zwar nicht billig, aber sehr wirksam.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ah, danke, das ist beruhigend. Da ich sonst hypoallergene Pflaster brauche, hätte es auch noch was in der Richtung sein können. Scheint aber nicht so.

Martina Baro hat gesagt…

Hallo und gute Besserung,

als Altenpflegerin habe ich schon viele Wunden versorgt. Bei einer Wunde wie Deiner, auch Dekubitus Grad II genannt, ist die feuchte Wundversorgung das beste, was Du tun kannst. Es wirkt wie ein Gewächshaus: Wärme und Feuchtigkeit sind wachstums- in Deinem Fall heilungsfördernd. Voraussetzung ist natürlich, das die Wunde sauber ist, sonst kapselst Du Dir einen fröhlich wuchernden Bakterienherd mit ein und das Ding wächst nicht zu! Wenn Du weiter Schmerzen hast und die nicht besser werden, lasse es von Deinem Arzt abklären!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ich muß ja gestehen, daß ich beim ersten Blick auf die Überschrift auch eher an einen ... mhh .. sagen wir mal: Granufink-Artikel dachte. Es kam aber noch schlimmer: Das Pflaster im Bild deutete ich zuerst einmal als ... nun ja, sagen wir jetzt mal: "Hygiene-Artikel" ... *seufz*

Gute Genesung!

chiqitac hat gesagt…

Ich schließe mich der Vorleserin an und versuche, Dich gleichzeitig zu beruhigen: ich vertrage auch häufig irgendwelche Pflaster nicht, aber genau mit diesen (und auch nur mit dieser Marke und nicht irgendwelchen kostengünstigeren "Nachahmpräparaten") habe ich auch wirklich gute Erfahrungen gemacht.
Diese Pflaster gehören inzwischen fest zum Inventar ;-) - und der (für's nächste Mal) bessere Tipp ist, das Pflaster schon draufzumachen, wenn man merkt, dass sich eine Blase bildet. --> Blasenbildung wird unterdrück. Aber auch offene Blasen heilen wirklich gut damit. Und ein weiterer Tipp: wirklich warten, bis die Pflaster von allein anfangen, sich abzulösen - und ggf. beim Duschen die Stelle wasserdicht abzuschließen (und stattdessen mit dem Waschlappen anzurücken ;-) ), damit sich die Kolloidschicht nicht vollsaugt - denn da muss ich dem Hersteller widersprechen, so richtig wasserabweisend sind die Pflaster nicht!

Klemens hat gesagt…

ich musste beim Lesen auch erstmal an Morton Robinsons Kardinal und seinen armen Freund Roberto Braggiotti denken ;)

gute Besserung!

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für die guten Tips & Besserungswünsche. Ich berichte, wie es ausgegangen ist ;) Bevor jetzt allerdings noch mehr die Harnblase damit assoziieren, hab ich dann mal den Titel des Beitrags geändert.

gottvertrauen hat gesagt…

Hihi, als großer Fan dieser Pflaster (der echten!) musste ich ein wenig schmunzeln beim Lesen. Bei mir genügte bisher allerdings immer ein Pflaster, bei guter "Pflege" - das mit dem Vermeiden von schmiergelpapierähnlichem Kontakt hast du ja inzwischen schon selbst rausgefunden - sind sie sogar wander- und pilgertauglich :o)

Admiral hat gesagt…

Einmal Jakobsweg und Du weißt die Dinger zu schätzen!

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich hatte mal die glorreiche Idee, eine Pilgerfahrt nach Rom vorwiegend in Converse-Turnschuhen bestreiten zu wollen. Da waren zwar sämtliche Zehen oben wundgescheuert, das ließ sich aber mit normalem Heftplaster ganz gut in den Griff kriegen.

gottvertrauen hat gesagt…

Ist das die moderne Form vom Pilgern mit Erbsen in den Schuhen? ;o)

Braut des Lammes hat gesagt…

Nein, das war, glaub ich, die Phase in der ich nur schwarze und weiße Kleidung trug. Meist hat das das Leben vereinfacht, in diesem Falle halt nicht ;)

Anonym hat gesagt…

Tolle tips und ein hilfreiches Feedback! :)
Ich kenne das Problem auch, und hab da etwas echt interresantes.
Es ist zwar kein Blasenpflaster, aber wenn nicht so gare hilfreicher als diese.
Es ist eine Crem die einfach auf die Stelle wo blasen entstehen aufgetragen wird, und so erst garkeine Blasen entstehen. :)
Kann es nur empfehlen: https://www.zero-friction.de/

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