Sonntag, 26. Mai 2013

Unverwesliche Heilige

Schon einige Male habe ich über Heilige geschrieben, deren Leiber die Kirche als unverweslich bezeichnet. Unverweslichkeit bezieht sich auf den Glauben in der römisch-katholischen und der orthodoxe Kirche, daß durch göttliches Eingreifen die Leiber mancher Heiliger nicht dem normalen Verwesungsprozeß unterworfen sind. Die Leiber solcher Heiliger werden unverweslich genannt; sie erscheinen gegenüber dem Leben vergleichweise nur wenig verändert oder so, als sei der Verwesungsprozeß deutlich verlangsamt. Der Lauf alles Zeitlichen nimmt jedoch auch Einfluß auf den heiligsten Leib.

Rationaler Erklärung widersetzt sich, daß Unverweslichkeit manchmal gerade unter Umständen auftritt, die den natürlichen Verfallsprozeß eigentlich beschleunigen müßten. Erscheint ein Leichnam unverweslich, wird dies im allgemeinen als Zeichen der Heiligkeit eines Menschen gedeutet, umgekehrt ist nicht jeder Heilige unverweslich, was bedeutet, Unverweslichkeit ist keine Voraussetzung dafür, daß die Kirche einmal befindet, dieser Mensch sei selig zu nennen. Zum Vergleich: allein Johannes Paul II. hat 1751 Menschen zur Ehre der Altäre erhoben – so viele wie vorher alle anderen Päpste zusammen. Zu denen, deren Leiber die Kirche unverweslich nennt, gehören etwa 250 Heilige. Die Höhe dieser letzten Zahl wiederum hat mich wiederum erstaunt, sie umfaßt Heilige, von den wir hier oft wenig wissen, weil sie nicht in unserem Regionalkalender stehen, wie etwa die hl. Katharina von Genua oder die hl. Joaquina von Vedruna, aber auch so bekannte wie die hl. Bernadette Soubirous, den hl. Pfarrer von Ars und, in jüngerer Zeit, die hll. Josephine Bakhita und Pater Pio.

Reliquiar des hl. Silvanus in Dubrovnik – der Leib des
heiligen Märtyrers hat noch volles Haar wie auch
Augenbrauen, und die Farbe seiner Lippen scheint fast rosig.
Beim Anblick der Reliquien mancher Heiliger mag man sich fragen, wo ist eigentlich der Unterschied zur (wissenschaftlich erklärbaren) Mumifikation? Als man die Reliquien der hl. Maria Magdalena von Pazzi ein Jahr nach ihrem Tod erhob, hatte sich zwar, wie in den zeitgenössischen Dokumenten festgehalten wurde, die Haut ihres Gesichtes und ihrer Füße braun verfärbt, ihre Nasenspitze und ihre Unterlippe waren zu Staub zerfallen, der Leib aber, obwohl er in der Nähe eines Brunnens und einer Regenrinne bestattet worden war, hatte sich dem natürlichen Verfallsprozeß widersetzt. Auch berichtet man von mehreren Heiligen, wie etwa der hl. Teresa Margareta Redi, daß von ihren Reliquien über Jahrzehnte ein unerklärlicher Wohlgeruch ausging, der durch nichts zu erklären war. So befanden sich etwa in der Krypta der Karmelitinnen, in der die hl. Teresa Margareta vom Heiligen Herzen zunächst aufgebahrt war, keine Blumen, mit denen man dieses Phänomen hätte erklären können. Mit der hl. Maria Magdalena von Pazzi befinden sich in Florenz damit übrigens gleich solche zwei unverwesliche Heilige. Man ist versucht, vom Geruch der Heiligkeit zu sprechen und auch die Stadt gesegnet zu nennen.

Falls sich jemand fragt, kommt jetzt die katholische Geisterbahn?, nein, ich finde dieses Phänomen einfach sehr berührend. Über die Jahre hat sich mein Verhältnis zu Reliquien auch völlig verändert, weg vom anfänglichen „Huch, wie gruselig“ zur Verehrung des Heiligen, die dahinter steht, mithin zum Lob Gottes selbst, der in seinen Heiligen verherrlicht wird.

Die hl. Katharina von Bologna wurde im Jahre 1463 ohne Sarg in die Erde gelegt, ein Brauch, wie er in einigen Orden üblich war – die Kartäuser machen es heute noch so. Mit ihrem Ordenshabit angetan und auf ein Brett gelegt, werden sie in die Erde gesenkt. Als man die Reliquien der heiligen Klarissin schon einige Wochen später wieder erhob, zeigte ihr Leichnam keine Anzeichen eines Verfalls. Seit 1500 wird ihr Leib verehrt, der sich in einem gläsernen Reliquiar in der Kirche der Klarissen in Bologna befindet. In dieser Zeit hat sich lediglich ihre Haut braun verfärbt und wirkt etwas eingesunken – eine Tatsache, die zumindest außerordentlich zu nennen ist. Bei anderen, wie etwa der hl. Teresa Margareta Redi, wird berichtet, daß ihr Leib vor dem Tode stark gelitten hatte, diese Anzeichen des Leidens aber nach dem Tode vollkommen verschwanden.

Noch erstaunlicher ist der Leib des hl. Silvanus, eines Märtyrers, der sich in der Basilika des hl. Blasius in Dubrovnik befindet. Er gab sein Leben für Christus im 4. Jahrhundert und doch scheint sein Leib heute, fast 1700 Jahre später, weitgehend unverändert.

Der Leib der ehrwürdigen Dienerin Gottes
M. Jesus im Konvent der Konzeptionistinnen
im spanischen Agreda
Die ehrwürdige Dienerin Gottes Maria Jesus von Agreda gab am 24. Mai des Jahres 1665 ihre Seele Gott zurück, dennoch erscheint ihr Leib so, als sei sie gerade gestorben. Zu verschiedenen Gelegenheiten, 1909, bei der Erhebung ihrer Reliquien, und zuletzt 1989 gestattete man Ärzten, ihren Leichnam zu untersuchen. Der Arzt, der die Untersuchung 1989 durchführte, fand gegenüber dem ärztlichen Bericht seines Kollegen aus dem Jahre 1909 keinen Unterschied und kein Fortschreiten irgendeines natürlichen Zerfalls.

In dieser Weise könnte man weiterschreiben und weiterstaunen, wie gesagt, solches hat sich so oder ähnlich allein in 250 Fällen zugetragen, von denen wir wissen, und auch bei Menschen, deren Heiligmäßigkeit die Kirche noch prüft, wie im Fall der ehrwürdigen Dienerin Maria Jesus. Der Finger Gottes selbst scheint indes darauf hinzudeuten.

Kommentare:

Psallite Deo hat gesagt…

Kleiner Hinweis: Bei Bernadette ist auch Josephine Bakhita verlinkt...

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für den Hinweis, Psallite. :) Ich sags ja immer, wenn man nachträglich noch was macht… Jetzt sollte es passen.

Anonym hat gesagt…

Gibt es nähere Informationen zum hl. Silvanus? Ein Link?

Braut des Lammes hat gesagt…

Hier erstmal ein englischer: http://reliquarian.com/tag/dubrovnik/

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