Montag, 13. Mai 2013

Mit dem Blindfisch unterwegs…

Ein neues Spiel beim Dienst in der Heiligen Messe: Man nehme schon beim letzten Vers des Eingangsliedes die Brille ab (weil der Vers aus Halleluja, des solln wir alle froh sein besteht, das kann ich auch ohne Brille) und lege sie aufs Gesangbuch auf der Ablage des Sediles, das hinter einem steht. Dabei hört zwar man das Geräusch, wie die Brille auf den Marmorboden fällt (autsch!), sieht aber natürlich nicht im mindesten, wohin sie fällt. Dezente Blicke, wohin sie vielleicht gefallen sein könnte, helfen sämtlich nichts.

Da man ohne Brille keine scharfe Sicht hat und Brillen sich von grauem Marmorboden erfahrungsgemäß nicht gut abheben, empfiehlt es sich durchaus nicht, ohne besser sehende Hilfe danach zu suchen, sonst trete ich dabei wahrscheinlich noch drauf. Daß man in einem Gottesdienst nicht unter Sedilien und im Chorgestühl herumkrauchen kann, kommt erschwerend hinzu. Jedenfalls galt Des solln wir alle froh sein in dieser Messe irgendwie nicht so recht für mich (allerdings war Christus mein Trost…). Die zweite Lesung aus der Offenbarung, die eigentlich wie für mich gemacht schien – Der Geist und die Braut aber sagen: komm! – ist mit dem Fehlen meiner Lesebrille für mich geplatzt, dazu müßten die einzelnen Buchstaben schon die Größe eines Scrabblesteines haben und auswendig kann ich die Perikope denn doch noch nicht. Gottseidank ist eine Kommunionhelferin da, sonst hätt ich auch noch den Küster zur Hülfe gebraucht.

Fazit: der Priester hat sich bei aller Fürsorge nachher irgendwie amüsiert (obwohl ich ihm mit meinem blindfischigen Sehvermögen zwischendurch immerhin noch die Lieder eingelegt hab), ich hab wiedermal die Freuden des heftigen Errötens gekostet[1], und die kleinen Sünden straft der liebe Gott sofort. (Der Vollständigkeit halber: die Brille steckte senkrecht im Spalt zwischen zwei Sedilien, da hätte ich sie nie und nimmer allein und unauffällig herausgebracht.)

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[1] Zu meiner Entlastung: sowas ist mir in Jahren und Jahren noch nicht passiert (ich mache jeden bescheuerten Fehler immer nur einmal…) Im Grunde genommen war das sogar der Brillen-GAU, jetzt hab ich ihn er- und überlebt.

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Da bin ich ja froh, daß sie wiedergefunden worden ist.

Ich nehme meine Brille niemals ab! Ganz im Gegensatz zu unserem Papa emeritus, bei dem es ja sogar eine Liturgie der Brillenabnahme gab. ;-)

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Köstlich dem Leser, alsdann Dir zum Trost: Um einmal Gott zu schauen, werden wir gewiß keine Brille brauchen - ich denke, der Geist und die Braut werden mir da Recht geben ... ;-)

Psallite Deo hat gesagt…

O wie schrecklich! Da bin ich froh, daß ich als Kurzsichtige die Brille immer aufhaben muß, da kann sowas nicht passieren...
Aber natürlich können andere Sachen runterfallen, bevorzugt ins Pedal, wo man auch mit kleinen Händen schlecht zwischenkommt, z.B. der Bleistift oder, noch schlimmer, der Liedzettel, den man dann unbedingt schnell rausfischen muß, weil man sonst die nächste Nummer nicht weiß ...

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich hab während der Messe den hl. Antonius angerufen und siehe da. Auch war sie nicht kaputt, hätte ja immerhin auch sein können. Daß ich Gott hoffentlich einmal schauen kann, wie er ist und nicht, wo er sein könnte, hoffe ich auch zuversichtlich. @Psallite: giggle.

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