Montag, 20. Mai 2013

Komm, Heiliger Geist…

Gestern hab ich zwei Heilige Messen mitgefeiert, die Frühmesse wie das Pontifikalamt mit Erwachsenenfirmung (gerade an solchen Tagen finde ich es manchmal wichtig, auch noch eine Messe „für die Andacht“ zu haben).

In der Frühmesse konnten wir zum Ruf Komm, Heiliger Geist… wie selbstverständlich niederknien – der Konzelebrant, der das Evangelium sang, kniete auch, auf der Altarstufe. Im Pontifikalamt war dagegen kein Gedanke daran. Die vorherrschende Sichtweise ist wohl: „Das Volk Gottes versteht nicht, warum wir knien“. Die daraus folgende Ableitung, „…daher knien wir nicht“, halte ich irgendwie für grundverkehrt.

Leider muß ich sagen, ich bin beim zweiten Mal auch stehengeblieben. Wenn ich in einer Reihe völlig gleich gekleideter Menschen bin, die alle dastehen wie die Einsen, hätte ich zwar durchaus die Traute, mich trotzdem hinzuknien, und es ist mir auch gänzlich gleichgültig, ob mich jemand etwa für „holier than thou“ hält. Es fällt aber jedenfalls ins Auge, und ich scheue einfach die Reaktion, die es hinterher womöglich aus den eigenen Reihen (buchstäblich) gibt, wenn man sich dann trotzdem hinkniet.

So mancher im Volk versteht übrigens durchaus, warum wir knien, eher schon versteht er nicht, warum man altehrwürdige Traditionen einfach so dahingibt. Man könnte das Ganze auch weit lakonischer abhandeln, indem man feststellt, daß nicht jeder immer alles versteht. Wer es nicht versteht, bleibt eben stehen oder kniet sich mit hin und fragt sich vielleicht später, warum die anderen gekniet haben.

Mit dem Ansatz „wird nicht verstanden“ entkleidet man die Liturgie irgendwann bis aufs Gerippe, nimmt ihr das Zeichenhafte, das Mysterium, die Mystik. Wenn das Volk Gottes nicht versteht, warum wir knien, sollte die Ableitung daraus an anderer Stelle die Überlegung sein: wie kommt es, daß das Volk nicht mehr versteht, warum wir knien? Wie können wir dieses Verständnis, das bei manchen erloschen sein mag oder sich bei anderen nicht bilden konnte, wecken, wieder anfachen und fördern? Das ist es, was Neuevangelisation bedeutet. Haben wir nicht gerade das Jahr des Glaubens? Ich glaube an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht.

Und sei es, daß über die Gnade des Glaubens gepredigt wird, was sich bei der Firmung ja geradezu anbietet. Selbst wenn ich mein Leben lang geglaubt habe und der Kirche angehören durfte, ist es eine Gnade, daß es so ist, denn es ist nicht selbstverständlich. Und wenn mich Gott zum Glauben geführt hat und ich als Erwachsener getauft und gefirmt werde, ist dies erst recht eine Gnade. Daß uns die Gaben des Heiligen Geistes geschenkt sind, die eine mehr, die andere vielleicht weniger, ist eine Gnade, denn Gott hätte all dies nicht zu tun brauchen, um Gott zu sein. Daß wir hierzulande nicht von Folter und Tod bedroht sind, einfach, weil wir Christen sind, ist Grund zur Dankbarkeit, aber auch ein Grund, unsere verfolgten Geschwister im Glauben nicht zu vergessen, sondern für sie zu beten, denn sie brauchen den Geist, der spricht, wo wir sprachlos flehen. Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe ist das Flehen der ganzen Kirche, das zu Gott aufsteigt, aus tief empfundenem Herzen. Darum knien wir.

Kommentare:

Angelofberlin hat gesagt…

Ein guter Beitrag! Irgendwie traurig und gleichzeitig ermutigend, mit gutem Beispiel voranzugehen. Das gilt natürlich in erster Linie für die Priester als die Hirten ihrer Herde.
Gestern war ich wie jeden Sonntag in St. Matthias zur 8 Uhr Messe (eine 'Messe für die Andacht'!). Der Pfarrer stellte sich zum 'Ruf vor dem Evangelium' vor den Altar und kniete dann für alle gut sichtbar nieder.
Warum heute der Ruf vor dem Evangelium samt dem laut Direktorim ausdrücklich (!) auch für den Montag vorgesehen Knien ausfiel - das ist mir allerdings schleierhaft. Schade!

Maid of Montserrat hat gesagt…

Danke für den Beitrag! Das Streichen von angeblich ›unverständlichen‹ Elementen macht ja letztlich die Ratio zum Kriterium des Gottesdienstes – und rechnet nicht damit, dass die Sprache von Riten und Zeichen durchaus über die Ratio hinaus geht. Alle Kunst und Kultur beruht zum großen Teil auf nicht-rationaler Kommunikation, weshalb man dem Volk durchaus eine gewisse Kompetenz darin zutrauen sollte. Aber das ist vielleicht einfach der Einfluss unserer Zeit, die glaubt, dass nur das Existenzberechtigung hat, was rational erfasst werden kann. – BTW: Was ist das für eine Kirche auf dem Bild oben? Sieht so anglikanisch aus.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist die All Saints' Church in Huntingdon, die zu verschiedenen Zeiten auch der Jungfrau Maria und allen Märtyrern geweiht war. Heute gehört sie tatsächlich zur anglikanischen Gemeinschaft.

Anonym hat gesagt…

Zum Knien:
Das ist auch für mich immer ein Problem.
Gerade z.B. bei der Opferung wird zumeist nur noch gesessen anstatt gekniet.
Da es mir aber unangenehm ist zu knien wenn alle sitzen, weil ich eben nicht als der Supergläubige dastehen möchte der (so denke ich zumindest könnten andere es empfinden) ganz demonstrativ kniet, bin ich da meist im Zwiespalt...

Angelofberlin hat gesagt…

Ich kann Dein Problem mit dem Knien (während der Opferung) gut verstehen. Mein Mann und ich tun es trotzdem immer. Wenn z.B. auch keine Kummunionbank vorhanden ist, knieen wir uns auf den Boden (geht gesundheitlich mal noch so ...). Gerade bei Letzterem komme ich mir auch manchmal 'komisch' vor... von wegen superfromm. Aber wenn Dich Dein Herz dazu drängt, dann möchte ich Dich ermutigen, dem unbedingt zu folgen. Es ist nicht wichtig, was andere von Dir denken. Manchmal gehört ein bisserl Mut dazu, 'aus der Reihe zu tanzen'. Aber wie gesagt: wenn Dich dein Herz dazu drängt, dann ist das die Stimme Gottes in Dir und Du solltest unbedingt auf sie hören ... ohne jede Menschenfurcht.

Psallite Deo hat gesagt…

@ Anonym: Ich kenne es so, daß das Sitzen zur Gabenbereitung im neuen Ritus richtig ist - Hinknien jeweils nach dem Lied (also nach Sanctus und Agnus Dei), so haben wir es als Kinder gelernt.

Was das Hinknien an "besonderen" Stellen angeht, beobachte ich aber auch, daß es eingespart wird - obwohl beim Hallelujavers Pfingsten mir persönlich die Entscheidung abgenommen wird, denn ich sitze an der Orgel, singe und spiele, da scheidet das Hinknien einfach aus, ebenso beim "Et incarnatus est" an Weihnachten...

Aber wenn man in Palmsonntag oder Karfreitag eine Ansage macht, wann man sich hinknien soll, dann geht einfach ein Stück liturgische Kultur verloren - das muß einfach man machen, die Leute werden´s schon begreifen und mitmachen... Worte stören da nur.

Mich stört auch, daß bei uns die Meßdiener nicht mehr knien während des Hochgebets, sondern mit Kerzen um den Altar stehen - die Gemeinde wird nun noch weniger zum Hinknien animiert...

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