Montag, 13. Mai 2013

Die lauretanische Litanei im Marienmonat – elfenbeinerner Turm

Zweimal wird Maria in der Lauretanischen Litanei als Turm angerufen: du starker Turm Davids, du elfenbeinerner Turm. Es scheint eine seltsame Gegensätzlichkeit nicht nur zwischen der Trutzzitadelle König Davids und dem Turm von Elfenbein, sondern auch in der Anrufung Turris eburnea zwischen dem Bild des Turmes und der Zartheit des Elfenbeins. Zieht man in Betracht, daß das Elfenbein von einem Tier kommt, das dieses im Stoßzahn als Waffe zu seiner Verteidigung einsetzt, wirkt das Elfenbein schon nicht mehr so zart, sondern dauerhaft, ja, eigentlich hart. Filigran, zart, rein und edel wirkt es in der Verarbeitung.

Elfenbein ist überaus kostbar und steht wegen seiner Farbe und Strahlkraft seit alters her für Reinheit und Beständigkeit. Die Magnificat-Antiphon zum Hochfest des hl. Dominikus etwa nennt diesen ebur castitatis – Elfenbein der Keuschheit.

Maria, die Kirche grüßt dich als elfenbeinernen Turm, da die Schrift von dir sagt: Dein Hals ist ein Turm von Elfenbein.(Hld 7,5). Wenn ich dich als elfenbeinernen Turm anrufe, spreche ich von deiner Schönheit. Die Kirche bezieht die Worte des Hohenliedes auf dich: Alles an dir ist schön, meine Freundin, kein Makel haftet dir an (Hld 4,7). Die große Schönheit deiner Seele, deine engelgleiche Unschuld, deine vollkommene Heiligkeit. So jubelt das Herz der Heiligen Dreifaltigkeit, daß der Vater dich zur Tochter erwählt hat, der Sohn zur Mutter und der Heilige Geist dich zur Braut. Obwohl auch die Heiligen über Schönheit der Seele verfügen, kommt keiner von ihnen dir an Heiligkeit gleich. Du hast deine ursprüngliche Unschuld lebenslang bewahrt, nicht der kleinste Makel der Sünde hat dich jemals verunziert; du warst frei von jeder Unvollkommenheit.

Elfenbeinerner Turm, hilf mir, die Vergänglichkeit alles Irdischen zu erkennen. Körperliche Schönheit ist nichts ohne die Schönheit der Seele. Vor allem verlange ich nach einer schönen Seele, mit Unschuld und christlichen Tugenden geschmückt, mit Demut, Keuschheit und Gottesliebe. Gib mir solch eine Seele, damit ich Gott gefälliger werde und mir den Himmel als Belohnung gewähre, wo ich deine immerwährende Schönheit schaue.

Heilige Maria, ein elfenbeinerner Turm verfügt über strahlende Weiße und wunderbare Kraft. Im geistlichen Sinne bist du ein starker Turm aus Elfenbein. Mit einer reinen Seele hältst du an Gott fest, in der Freude und im Leid.

Wie fest ist dein Glaube! Als der Engel dir verkündet, daß du den Sohn Gottes empfangen und Mutter wirst und dabei doch Jungfrau bleibst, glaubst du und willigst ein. Wie tief ist dein Gottvertrauen! Versuchungen aller Arten treten an dich heran, du aber wirfst all deine Hoffnung auf Gott und unterwirfst dich seinem heiligen Willen. Wie stark ist deine Liebe zu Gott! Nichts auf der Welt kann dein Herz gefangennehmen, du kennst kein andere Freude, als Gott zu dienen und du bist bereit, zu seiner Ehre jedes Opfer zu bringen. Du übst Zeit deines Lebens jede Tugend mit größter Treue. Mit vollkommener Hingabe nimmst du an, daß es Gott gefällt, dich zu senden, du umfängst es mit Freude aus Liebe zu ihm. Sogar als dein Sohn zur Hinrichtung geschleppt und gekreuzigt wird, verläßt du ihn nicht. Du verbirgst deinen Kummer in der Tiefe deines Herzens. Wie vollkommen ist dein Leben des Gebets! Nach der Auffahrt unseres Herrn gibst du dich bis zum Tode dem Gebet und guten Werken hin.


König Salomo machte einen großen
Stuhl  von Elfenbein und überzog ihn
mit dem edelsten Golde.
Heilige Maria, du bist wie ein elfenbeinerner Turm, denn durch dein Beispiel lehrst du uns, keusch zu lieben und verleihst uns deinen Schutz gegen die Angriffe des Bösen. Nach deinem erhabenen Beispiel will ich ein keusches Leben führen. Ich verlasse mich auf deinen Schutz in jeder Versuchung, da ich weiß, daß du als Mutter Gottes über alle Engel und Heiligen erhaben bist und als meine Mutter immer bereit, mir beizustehen.

Elfenbeinerner Turm, mache aus mir einen Turm von Elfenbein. Hilf mir, Gott mit Eifer und Treue zu dienen alle Tage meines Lebens, wie du es getan hast. In der heiligen Taufe habe ich mich meinem Erlöser hingegeben und gelobt, ihm allezeit nachzufolgen. Laß mich niemals wankend werden und mich für seine und meine Feinde hergeben, Satan und der Sünde.
Laß mich hingebungsvoll im Gebet und im Empfang der Sakramente sein, denn mit dieser machtvollen Hilfe kann ich bis zum Ende beharren und meine Seele retten. (P. Lawrence Lovasik SVD, in meiner Übersetzung)

Du elfenbeinerner Turm – bitte für uns!

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