Mittwoch, 1. Mai 2013

Blüte der Unvergänglichkeit, sei gegrüßt – der Marienmonat beginnt

Per Zufall bin ich auf einer amerikanischen Seite neulich an einer kleinen Reihe Catholics do this and don't that (Katholiken tun dies und lassen jenes) vorbeigekommen. Solche Beiträge oder auch Bücher im Stile von „Katholisch für Dummies“ find ich immer wieder mal ganz interessant, weil sie einen Einblick geben in Fragen, wie sie etwa Katechumenen oder Konvertiten in den Sinn kommen. Außerdem können sie auch noch recht witzig sein. (Ich glaub, ich hätte mir etwa für das neue Gotteslob einen erläuternden Teil und Illustrationen im Stile des Youcat gewünscht.)

Solche Dinge, die Katholiken „tun“, die man als typisch katholisch empfindet und die dies zum überwiegenden Teil auch sind, sind etwa die Kniebeuge, das Kreuzzeichen, die Beichte, die Verehrung von Heiligen und deren Reliquien, Devotionalien und bestimmte Formen des Gebets, wie etwa der Kreuzweg und der Rosenkranz. Zu solchen, die sie lassen, gehört etwa der Verzicht auf Fleisch an den Tagen, an denen die Kirche Abstinenz (von Fleisch) vorschreibt.

Mir fiel „Catholics do this and don't that“ kurz ein, als ich am Sonntag vor der Heiligen Messe vermelden sollte, daß wir im Monat Mai zweimal wöchentlich „eine Maiandacht halten“ (ach?!). Dabei ist dabei in den Sinn gekommen, daß man in der heutigen Zeit das Wort Maiandacht vielleicht wenigstens durch einen kurzen Zusatz erklären müßte, damit nicht womöglich einer denkt, wir hielten die Maiandacht als sozusagen als Selbstzweck, also nur, weil Mai ist. Also hab ich der Maiandacht an der Stelle ein „zur Gottesmutter“ spendiert.

Krönung der Maienkönigin
Maiandachten sind also Gottesdienste, Andachten, die in besonderer Weise der Verehrung der Gottesmutter dienen. Sie können in der Kirche wie im Freien – etwa an einer Mariensäule oder einem anderen Marienbildnis – oder auch zu Hause gehalten werden. Diese Form der Andacht ist die älteste, die sich über einen ganzen Monat erstreckt, weshalb der Mai Marienmonat genannt wird. Entstanden ist dieser Brauch Ende des 18. Jahrhunderts, er geht auf das Gelübde eines Jesuiten zurück, der Unglauben und schlechter Moral unter den Studenten das Gebet eines ganzen Monats entgegensetzen wollte. Von den Kollegien der Jesuiten ausgehend, breitete sich die Maiandacht auf die ganze lateinische Kirche aus.

Nun kann man fragen, warum grad im Mai? Im allgemeinen ist die Antwort, weil im Mai alles grünt und blüht und, wie es im Volkslied heißt, die Bäume „ausschlagen“ – frische Blätter treiben. Schon der Hymnos Akathistos bezeichnet die Jungfrau und Gottesmutter Maria als Blüte der Unvergänglichkeit und herrlich fruchtenden Baum, der die Gläubigen labt, schützendes Laubdach, darunter viele sich bergen:
Sei gegrüßt, herrlich fruchtender Baum, der die Gläubigen labt;
sei gegrüßt, schützendes Laubdach, darunter viele sich bergen.
Sei gegrüßt, den Ziellosen hast du den Weg gewiesen;
sei gegrüßt, anheimgestellt hast du den Unfreien die Freiheit.
So verbindet sich mit dem Brauch der Maiandacht oft auch jener, ein Marienbildnis oder sogar einen ganzen Marienaltar mit Blumen zu schmücken. Das Bild oben hab ich für diesen Beitrag wegen des netten Guck-mal-meine-Mama-Blicks genommen, der mir bei diesem Marienbild Sassettas immer wieder auffällt. Genau darum gehts glaub ich, bei der Maiandacht. Je nachdem, wer eine solche Andacht hält und wie sie aufgebaut ist, kann sie mit dem sakramentalen Segen abschließen, denn alle Verehrung der Gottesmutter gilt auch dem, den sie geboren hat und aller Glanz der Gottesmutter kommt von ihm, wie der Mond das Licht der Sonne reflektiert.

Kommentare:

Annette Wolf hat gesagt…

Wunderschöner Artikel, vielen Dank!

Huppicke hat gesagt…

Und dies hast du auch für mich geschrieben! *freu* Vielen Dank dafür.

"Guck mal, meine Mama" ist genau die richtige Beschreibung.


Braut des Lammes hat gesagt…

Gern. Mittlerweile hab ich noch den nächtlichen Tippfehler des Grauens behoben, der es so aussehen ließ, als äßen Katholiken am Freitag Fleisch, weil die Kirche Abstinenz gebietet (jetzt grade! ;)

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