Samstag, 11. Mai 2013

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir – Novenen

Heiligste Mutter vom guten Rat
bitte für  uns bei Jesus,
deinem Sohne
Mit dem Himmelfahrtstag tritt die Kirche in die große Pfingstnovene ein, in der die ganze Kirche ihre Stimme in dem wunderbaren Flehen um den Heiligen Geist vereint: Veni, sancte spiritus – komm herab, o Heilger Geist.

Zum ersten Mal bin ich dem Brauch, eine Novene zu beten, in einem Kloster begegnet, als nach einer Tagzeit des Stundengebets der ganze Konvent auf die Knie sank und mit der Novene begann, die der feierlichen Profeß einer Schwester vorausging. De profundis, clamavi, ad te Domine, aus der Tiefe rufe ich, Herr zu dir, Herr, höre meine Stimme. Ein Flehen, das umso eindringlicher wirkte durch die Wiederholung an jedem neuen Tag, neun Tage hindurch. Würdest du Herr, unsere Sünden beachten, Herr, wer könnte bestehen?

Das Gebet einer Novene, werde sie nun privat oder von der ganzen Kirche gebetet, ist immer das Flehen um seine Gnade und sein Erbarmen, zuweilen wird auch in einem besonderen Anliegen gebetet.

In der Tat könnte man auf die Idee kommen, das Beten einer Novene sei von Christus eingesetzt: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt, ihr werdet es erhalten. In den Evangelien heißt es über die Zeit nach der Auffahrt Christi zum Vater: und sie waren immer im Tempel. Neun Tage hindurch versammelten sich die Jünger im flehentlichen Gebet um den Geist als Beistand und er wurde ihnen gesandt. Das gleiche gläubige Vertrauen zeigt sich nicht nur in jeder Pfingstnovene der Kirche, sondern in jeder Novene überhaupt: Bittet, so wird euch gegeben.

Zunächst, was ist überhaupt eine Novene? Eine Novene kann man wohl jedes an neun Tagen hintereinander in einem Anliegen verrichtete Gebet nennen – es gibt im Grunde keine vorgeschriebene Form, wenn es auch erstrebenswert ist, sich unmittelbar an Gebeten zu orientieren, die uns aus der Tradition der Kirche geschenkt sind (wie etwa die Pfingstsequenz, ich wüßte kein schöneres Gebet). Da eine Novene in manchen Fällen nicht über neun Tage, sondern auch über längere Zeiträume hinweg gebetet werden kann, gehört im weiteren Sinne wohl auch der Kommunionempfang an neun aufeinanderfolgenden Herz-Jesu-Freitagen zu den Novenen. In einer Vision, in der Christus der hl. Margaret Maria Alacoque sein durchbohrtes Herz zeigte, offenbarte er ihr, daß jedem, der dies tue, die Gnade zum Ausharren im Guten gewährt werde.

Zur Zahl neun kommt einem vielerlei in den Sinn: die neun Monate, die der Erlöser im Leib seiner Mutter war – in der Tat war eine der ersten Novenen, die in der Kirche aufkamen, die zur Vorbereitung des Festes der Geburt Christi –, die neunte Stunde, in der er verschied und an die bis heute die Kirche mit dem Gebet der Non im Stundengebet erinnert. Vielleicht ist deshalb der hl. Kirchenvater Hieronymus der Ansicht, die Zahl Neun sei in der Schrift mit Leiden und Trauer verbunden. Die neunte Stunde, zu der Petrus und Johannes zum Tempel hinaufgingen und dabei im Namen Jesu einen Gelähmten heilten.

Nächtliche Gebetswachen über neun Tage hinweg sind aus der Kirchengeschichte seit dem dritten Jahrhundert bekannt. Der Brauch, für die Verstorbenen eine Novene zu beten, läßt sich in der Geschichte der Kirche ebenfalls lange zurückverfolgen: nach altem Brauch wurden neun Heilige Messen, eine ganze Novene, für den verstorbenen Bischof als Requiem gefeiert. Etwa zur selben Zeit wie die Novenen zur Vorbereitung eines hohen kirchlichen Festes kamen die Novenen auf, in der die Gläubigen in einem bestimmten Anliegen beten oder für die Erhörung in der Not danken.

Relativ spät, im 19. Jahrhundert, verband die Kirche das Gebet einer Novene für die Gläubigen auch mit der Möglichkeit, einen Ablaß zu gewinnen; wenn ich richtig gezählt habe, ungefähr dreißig Mal jährlich, so gab es eine Novene zur Heiligen Dreifaltigkeit, zwei Heiliggeist-Novenen, zwei zum Kinde Jesus, drei zum Heiligsten Herzen Jesu, elf zur Heiligen Jungfrau, je eine zu den Erzengeln Michael, Gabriel und Rafael, eine Schutzengelnovene, zwei zum hl. Josef und je eine zu den hll. Franziskus, Vinzenz von Paul, Paul vom Kreuz und Stanislaus Kostka und eine Novene für die Armen Seelen, denen die Gläubigen nach alter Tradition Ablässe zuwenden.

Besonders bekannt ist neben den Novenen zur Mutter vom guten Rat und zum hl. Josef wahrscheinlich die Novene zum hl. Judas Thaddäus, dem Schutzpatron in aussichtslos erscheinenden Anliegen.

Das Beten einer Novene ist ganz einfach: Gott schaut auf das Herz. Im Beten einer Novene bringt die Kirche, bringt der einzelne zum Ausdruck, daß er auf die Fürsprache Unserer lieben Frau und aller Heiligen bei Gott vertraut.

Kommentare:

Dorothee Janssen hat gesagt…

Wie aus heiterem Himmel schneien jedes Jahr die Gebetshefte von Renovabis in unsere Gemeinde. Das ist jedes Jahr von Neuem ein Anlass, mal die Novene in den Blick zu nehmen.
Ein herzlicher Dank an die Autorin dieses Artikels und an Renovabis.

Huppicke hat gesagt…

Vielen Dank, liebe Braut.

Ich weiß, dass meine Mutter zu gewissen Zeiten eine Novene zum heiligen Josef betet, zur heiligen Rita und natürlich auch zur Muttergottes. Aber es ist eine ganz private Sache, ich weiß gar nicht woher ich es weiß, sie spricht nicht darüber. Vermutlich habe ich mal einen Gebetszettel oder ein Büchlein offen liegen sehen. Oder, es als Kind mitbekommen, wo man ja näher beisammen ist als später.

Novene beten klingt so einfach. Aber ich glaube, für Laien wie mich ist heutzutage die Herausforderung überhaupt neun Tage lang treu bei dieser einen Übung auszuharren. Sie nicht zu vergessen, nicht nach eigenem Geschmack immer wieder zu verändern.

Mir kommen Novenen vor wie aus vergangener Zeit. Wie Maiandachten, Rosenkranzandachten und kilometerlange Prozessionen, die vielleicht aussterben?!
Dann aber ist eine Novene auch so privat, dass man nie genau sagen kann, wer gerade eine betet.

Welch reiche Gebetstradition wir Katholiken doch haben! :-)

Liebe Grüße,
Huppicke

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