Dienstag, 2. April 2013

Mandatum novum…

In der Liturgie vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag war es unerwartet voll; als ich etwa fünfundzwanzig Minuten vorher eintraf, hab ich mit Glück noch einen für mich guten Platz erwischt, später standen wohl die hinteren Reihen.

Die Liturgie der Heiligen Tage mit ihrem je sehr eigenen Charakter und ihrer liturgischen Dichte liebe ich sehr. Nachdem ich Meßdienerin geworden bin und mehrmals die wirklich wunderbare Liturgie in der katholischen Akademie mitfeiern durfte, sind mir auch die einzelnen Handlungen und Einzelheiten und wie sie miteinander zusammenhängen noch einmal viel bewußter geworden – schon weil man als Meßdiener bei aller Andacht natürlich nicht in Trance versinken und sich im Gebet verlieren darf, sondern achtgeben und auf die Abläufe aufpassen muß, was kommt als nächstes? Die Kehrseite der Medaille ist, daß man, sitzt man im Volk, viel eher einmal bemerkt, wenn etwas quergeht oder auch nur neugierig ist, wie machen es die anderen?

Manch einer entrüstet sich darüber, wenn es bei der Fußwaschung nicht zwölf sind, denen die Füße gewaschen werden, manche darüber, wenn es nicht zwölf Männer sind. Hier hatte ich schon einmal darüber geschrieben und auch angedeutet, daß es für Pfarrer und Kirchenrektoren oft gar nicht so einfach ist, überhaupt zwölf Leute für das Mandatum zu finden. In Klöstern ist das Mandatum, wie man die Fußwaschung auch nennt, üblich, indes werden dort einfach Leute bestimmt, die sich dann fügen, sei es ihnen nun angenehm oder nicht. So war es wohl auch für Petrus, dem der Gedanke, der verehrte Meister könne ihm die Füße waschen, unvorstellbar war. Mit unserem Pfarrer wäre es mir vom Gefühl her wohl ähnlich gegangen, indes: darum geht es nicht, denn, was ist die Antwort auf dieses Zurückschrecken? Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Teil an mir. Und: ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt.

Dafür ist die Fußwaschung Zeichen, und dieses Gebot ist nichts, was irgendwie auf eines der Geschlechter beschränkt wäre. Offen gestanden kann ich also nicht viel daran finden, wenn im Rahmen eines solchen Mandatums auch Frauen die Füße gewaschen werden, die Liturgie ist kein Re-enactment wie die Oberammergauer Passionsspiele.

Ein leichtes Fragezeichen im Gesicht hatte ich allerdings, als bei der Fußwaschung in der Kathedrale (dort müssen es unbedingt Männer sein, womöglich verheiratete, oder der Himmel fällt uns auf den Kopf, beim Teutates!) zwölf Männer aufzogen und eine Frau, von der ich zunächst dachte, sie geleitet ihren Mann oder Vater zum Sitz, dann aber doch selbst dort Platz nahm und der Mann, dem bestimmungsgemäß eigentlich die Füße gewaschen werden sollten, sich wieder entfernte. Dezentes und mehrmaliges Zureden durch einen Ministranten halfen sämtlich nichts. Keine Ahnung was das sollte, ob die da den zivilen Ungehorsam geprobt haben oder ob vielleicht der Bericht darüber, unter denjenigen, an denen der Papst das Mandatum vollzogen hat, seien zwei junge Frauen gewesen, damit zu tun hatte? Die Sache endete damit, daß der erzürnte Zeremoniar herbeifegte und den Mann mit einer gebieterischen Handbewegung auf den Hocker förmlich hinaufjagte, gerade noch rechtzeitig, um den Schuh auszuziehen zu können, denn es nahte bereits der Kardinal mit Kanne und Becken. Die Begleitung lächelte noch einmal in die Runde (was ich unter den Umständen etwas merkwürdig fand, ich hab mich eher fremdgeschämt) und bequemte sich zum eigenen Platz zurück. Nun ja. Einerseits, andererseits. In der Liturgie kann nicht einfach jeder machen, was er will, insofern muß man sich an Absprachen halten (das gilt übrigens für alle Beteiligten: Konzelebranten, die beständig dem Hauptzelebranten und seinen Anordnungen in die Parade fahren, sind auch nicht leicht zu ertragen).

Andererseits befremdet mich das Gewese, das manche darum machen, daß wirklich auch noch das letzte Leinentüchlein von einem probaten Mann aufgelegt werden solle, dem dies nach der natürlichen Ordnung der Geschlechter zukomme (während Frauen ebenso natürlich gern die zugehörigen Reinigungsarbeiten ausführen dürfen). In der Regel sind das genau die, denen ungeheuer wichtig ist, festzustellen, Jesus habe nur männliche Jünger gehabt, nicht etwa auch weibliche, obwohl wir in den Evangelien über die Frauen lesen, die Jesus aus Galiläa nach Jerusalem gefolgt waren.

Wie gesagt, ich finds in dem Fall einfach nicht wichtig, ob es sich um Männer oder Frauen handelt: Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.

Es gibt Ämter und Dienste in der Kirche, die wesen- und zeichenhaft an ein bestimmtes Geschlecht gebunden sind. Zuerst fällt einem dazu natürlich der Dienst des Priesters ein, durch diesen handelt in der Liturgie Christus, und da dieser bei seiner Menschwerdung die Gestalt eines Mannes angenommen hat, muß der Priester ein Mann sein. Dann kommt mir natürlich meine eigene Berufung in den Sinn: geweihte Jungfrauen können, man ahnt es schon, nur Frauen sein. Wie der Priester eine Ikone Christi ist, so ist die geweihte Jungfrau ein Abbild Marias und damit der betenden und vertrauenden Kirche – daher weiht die Kirche zu diesem Dienst nur Frauen.

Bei anderen Dingen, die gar nicht auf das „Ikonenhafte“ hingeordnet sind, ist das nicht so. Wird das alles zu sehr zugespitzt und mit einer Vehemenz vertreten, daß man den Eindruck gewinnt, hier gehts eigentlich um was ganz anderes, dann wirds irgendwann schwer erträglich. Bei manchem, was man in abgelegener Ecke (oder auch nicht) so hört, kann einem regelrecht schlecht werden, wenn etwa der amerikanische Traditionalist Harrison in einer länglichen Abhandlung unter anderem feststellt, die „durch nichts zu rechtfertigende“ Anwesenheit von Frauen im Altarraum (die er im weiteren auch „spirituell unanständig“ nennt) ließe „unseren Glauben verarmen“. Ich würde an dieser Stelle eher meinen, solche Hartherzigkeit ließe unseren Glauben verarmen. Eigentlich hoffe ich immer, wenn ich sowas zufällig lese oder höre, daß das niemand liest, der sich etwa mit dem Gedanken trägt, katholisch zu werden.

Vor einigen Jahren hat ein Priester mir en passant weismachen wollen, Arbeiter im Weinberg des Herrn seien nur die Priester zu nennen, allenfalls noch die Ordensmänner. Da hab ich mich wirklich gewundert. Wenn alle Frauen, die treu der Kirche dienen, ihren Dienst nur wenige Tage einmal nicht verrichten würden, dann könnte er morgens hinausgehen und seinen Weinberg allein beackern.

Kommentare:

Huppicke hat gesagt…

Applaudierender Grunzer zu deinem letzten Satz.

Eine spannende Schilderung.

Theodor hat gesagt…

Ich glaube, dass (fast) niemand ein Problem damit hatte, dass der Hl. Vater Frauen in die Fußwaschung einbezogen hat. Das Problem ist wohl eher, dass er sich damit über eine liturgische Vorschrift hinweggesetzt hat, anstatt sie (was ihm ja in jeder Hinsicht freisteht) einfach zu ändern.

Den Einwand kann man an dieser Stelle kleinlich finden - mir wäre es persönlich aber auch lieber, wenn die Haltung "ich mache mir meine Liturgie nach den gefühlten Augenblickserforderungen" nicht allerhöchstpäpstlich vorgelebt würde ;-)

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