Sonntag, 14. April 2013

Karmel – Berg der Begegnung mit Gott

Ein Kommentator hatte sich hier einen Artikel über das „Drinnen“ des Karmels gewünscht. Ich glaub, ich fang einfach einmal an zu schreiben – das macht nämlich Spaß! – für einzelne Besonderheiten wie etwa die Winde mache ich dann vielleicht lieber einen eigenen Beitrag.

Im Grunde geht einiges über die Anlage der Klöster schon aus der ursprünglichen Regel des Patriarchen von Jerusalem, Albert, hervor, den die ersten Eremiten am Berge Karmel Anfang des 13. Jahrhunderts baten, ihrer Lebensform eine Regel zu geben. Diese sehr schlichte Regel des hl. Albert entstand zwischen 1206 und 1214 und besteht aus nur 24 Artikeln in einfacher, klarer Sprache.

Der Karmel war zunächst einmal genau das, der Berg Karmel, ein Wort, das sich von dem hebräischen Karem El ableitet, das Weinberg Gottes bedeutet. Später wurde der Begriff synonym für den Orden und sogar die einzelnen Klöster des Ordens gebraucht, so daß der Karmel wohl der einzige Gebirgszug sein dürfte, in den man in diesem übertragenen Sinne eintritt. Immer aber geht es um einen Ort der Abgeschiedenheit, der Gottsuche und der Begegnung mit ihm in der Stille.

Die grundsätzlichsten Dinge für die Anlage eines solchen Klosters, das sich an einem abgeschiedenen Ort oder an Orten, wo sie euch geschenkt werden, befinden kann, legt der hl. Albert in wenigen Sätzen fest: man braucht zunächst einmal Zellen, dann einen Ort, an dem die Gemeinschaft innerhalb des Klosterbereichs zum Gebet zusammenkommt und schließlich einen Raum, wo sie gemeinschaftlich ißt (im Unterschied etwa zu anderen Orden, deren Lebensweise man für gewöhnlich auch halberemitisch nennt und die die Mahlzeiten in der Zelle einnehmen, etwa die Kartäuser). Dem Ganzen steht ein Prior (oder eine Priorin) vor, den die Gemeinschaft selbst wählt – auf Zeit – und dem oder der sie Gehorsam verspricht.

Jede Nonne (oder jeder Mönch) soll eine eigene Zelle haben – auch dies ein Unterschied zu anderen Ordenregeln, die das Schlafen in gemeinsamen Schlafsälen vorsieht. Der hl. Albert legt fest:
Jeder einzelne soll in seiner Zelle oder in ihrer Nähe bleiben, Tag und Nacht das Wort des Herrn meditierend und im Gebet wachend, es sei denn, er ist mit anderen, wohlbegründeten Tätigkeiten beschäftigt.
Tag und Nacht das Wort des Herrn meditieren im Gebet wachen, das erinnert an das So wahr der Herr lebt, vor dessen Angesicht ich stehe des Propheten Elija, und in der Tat beruft sich der Orden der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel auf ihn, der am Karmel betete und der Überlieferung zufolge an dem Ort, an dem später die Kirche der ersten Karmeliten errichtet wurde, die Wolke heraufziehen sah, die Israel nach drei Jahren der Dürre den fruchtbaren Regen brachte. (1 Kön 18,44)

Alpargatas
In der Zelle ist nur das Notwendigste: eine Schlafstätte, ein Hocker, vielleicht ein Brett für Bücher. Gekniet wird traditionell auf dem Boden. Manche Zellen haben einen Tisch, andere eher eine Art sehr niedriges Schreibpult. Den entzückend altmodischen Ausdruck Schlafstätte habe ich verwendet, weil die Unterschiede zwischen dem, worauf man schläft, doch recht groß sind, von einer einfachen Holzpritsche auf Böcken (teils sogar ausrangierte Zimmertüren), auf der eine mit Stroh gefüllte Matratze liegt, bis zu einem Bett vom schwedischen oder dänischen Lieferanten.

Solche Unterschiede sind wohl vor allem darin begründet, wann ein Karmel gegründet wurde, man nahm zu jeder Zeit wohl einfach das gewöhnlichste und ärmlichste. Das war über Jahrhunderte hinweg das Lager auf Stroh oder Heu, in einem Karmel, der in den 80er Jahren wie in Berlin oder Anfang 2000 in Wemding mehr oder weniger neu errichtet wurde, ist es eher ein einfaches Bett mit Bettkasten, wer hat in der Stadt heute noch Strohsäcke oder fertigt sie sich eigens an? In einem walisischen Karmel, der inzwischen allerdings aufgelassen wurde, hatten die Schwestern alte Eisenbahnwaggons zu einem Dormitorium mit Zellen umgebaut (ein Schild „Während der Fahrt nicht hinauslehnen!“ findet man in der Klausur eines Klosters wohl auch nicht alle Tage).

In einem Karmel, kurz nach der Jahrhundertwende in einem aufgegebenen Gebäude aus dem Jahr 1871 gegründet, schlafen die Schwestern auf Strohmatratzen, auf denen sie allmorgendlich eine Art Bettuch mit Nadeln befestigen, was von Aspirantinnen und heutzutage anscheinend eher als kultig empfunden wird. Ob ein Waschgeschirr benutzt wird oder das Haus in allen Räumen fließend Wasser hat und daher ein Waschbecken in der Zelle ist, ist ebenfalls wohl eher eine Frage des Alters des Hauses.

Für die Zellen bestimmt der hl. Albert, daß die des Priors in der Nähe der Pforte zu liegen habe, damit er als erster allen, die dorthin kommen, begegnen kann und dann alles, was zu tun ist, nach seinem Ermessen und auf seine Anordnung hin geschehe. Die hl. Teresa fügt zum Pfortenbereich noch hinzu, daß die Pförtnerin in der Tugend fortgeschritten und besonnen sein solle. Während des Tages soll sie an der Pforte in einer kleinen Zelle ohne Türe bleiben. (Der Weg der Vollkommenheit)

Klausurgitter im Chor
In der Tat ist das bis auf den heutigen Tag so, die Zelle der Priorin liegt in der Nähe der Klausurtür. Meist finden sich in deren Nähe (auf der inneren Seite der Klausurtür) auch Statuen der Gottesmutter und des hl. Josef, die im Karmel besonders verehrt werden. Verlassen Schwestern die Klausur, so bringt die Priorin sie zur Tür und spendet ihnen den Segen.
Ein Oratorium soll, soweit es die Verhältnisse erlauben, inmitten der Zellen errichtet werden, in dem ihr Tag für Tag frühmorgens zusammenkommen sollt, um Eucharistie zu feiern, soweit es die Umstände erlauben.
In der ursprünglichen Regel des Karmels ist nur festgelegt, daß die Kirche sich inmitten der Zellen befinden soll. In späteren Zeiten, als die strenge Klausur die Einsamkeit und Abgeschiedenheit der Wüste zu ersetzen begann, hat man Bereiche, an denen sich Kloster und Welt berühren, durch Klausurgitter abgetrennt. Wie man auf dem Bild sehen kann, hat zum Beispiel das Klausurgitter im Chor mehrere Öffnungen, die große, durch die man auf den Altar sieht und eine kleine, durch die etwa die Schwestern die heilige Kommunion empfangen (es gibt auch noch eine dritte, eine seitlich angebrachte Tür, durch die man den Chor betreten oder verlassen kann, etwa bei der Profeß, wo die Urkunde auf dem Altar unterschrieben wird, der sich außerhalb des Chores der Schwestern befindet. Je nach Brauch befinden sich hinter dem Gitter zusätzlich noch Holzläden oder auch ein Vorhang – der Licht durchläßt, aber außerhalb des Gottesdienstes von der Kirche aus keinen Einblick in den Chor gestattet –, auf dem Bild sieht man rechts etwa einen Flügel des hölzernen Ladens.

Betritt ein Fremder – in der Regel Handwerker, Ärzte, Geistliche oder Lehrer – die Klausur, so geht die Pförtnerin mit ihm oder ihr und mahnt die anderen Schwestern durch ein Schellenzeichen, außer Sicht zu bleiben: Wenn der Arzt kommt, oder der Chirurg oder der Beichtvater oder irgendeine andere Person, deren Anwesenheit erforderlich ist, müssen ihn immer zwei Schwestern begleiten. (Der Weg der Vollkommenheit).




Je nach Lage des von euch gewählten Ortes soll jeder einzelne von euch eine eigene, abgesonderte Zelle haben, wie sie nach Anordnung des Priors und mit Zustimmung der übrigen Brüder oder des verständigeren Teils einem jeden zugewiesen wird; jedoch so, daß ihr im gemeinsamen Refektorium das, was euch gegeben wird, miteinander genießt, wobei ihr eine Lesung aus der heiligen Schrift hört, wo dies den Umständen entsprechend beobachtet. (ursprüngliche Regel des Karmels, 6 und 7)

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Wundervoll! Danke! :)

LG und Gottes Segen und Marien Schutz
der Verehrer der kleinen hl. Therese ;)

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