Samstag, 6. April 2013

Frauenbadetag, Turnunterricht und Koedukation (alles sowas…)


Manchmal wundere ich mich darüber, daß Gegebenheiten, die einen größeren Teil meines Lebens völlig selbstverständlich waren und zum Teil noch sind, seit einigen Jahren auf „auf muslimisch“ politisch hochgekocht werden.

So bin ich etwa nahezu zeitlebens zum sogenannten Frauenbadetag gegangen, der in allen Städten, in denen ich bisher gewohnt habe, von den Hallenbädern angeboten wurde bzw. wird, und zwar durchaus nicht wegen muslimischer Frauen, sondern, weil es Frauen gibt, die sich beim Schwimmen und in Badekleidung unter sich einfach wohler fühlen. Die Bäder erkennen dieses Bedürfnis und bieten solche Zeiten an, wofür ich sehr dankbar bin, denn ich schwimme gern. Schwimmen ist eine sehr meditative Beschäftigung, bei der man das Denken zeitweise völlig abschalten kann.

Da ich vor einiger Zeit dazu gefragt worden bin: ja ich gehe schwimmen und nein, mein Badeanzug sieht ganz bestimmt nicht so aus (meiner ist blau und ich glaub, es sind Seesterne und -pferdchen drauf…) An den Badestrand und mit Bikini würde ich mich als geweihte Jungfrau nicht legen, mit Badeanzug an einem abgelegenen See oder beim erwähnten Frauenbadetag finde ich aber nichts dabei und Gott, glaub ich, auch nicht. Das Argument, die Heiligen hätten es aber nicht so gemacht, das mir vor einiger Zeit entgegengehalten wurde, war jedenfalls ziemlich leicht zu widerlegen. Vom sel. Johannes Paul etwa wissen wir, daß er schwimmen ging, und zwar nicht in der Soutane. Auch gibts schwimmende Nonnen.

Mit einem gewissen Befremden hab ich vor einiger Zeit mitbekommen, daß es seit einiger Zeit gemeinsamen Sportunterricht gibt. Wär früher™ undenkbar gewesen, auch zum Schwimmunterricht haben sie uns nach Geschlechtern getrennt teils mit dem Schulbus über die Dörfer durch die Gegend gekarrt, falls das eigene Hallenbad grade wiedermal saniert wurde.

Wenn nun ein Peer Steinbrück dafür abgewatscht wird, daß er nach Geschlechtern getrennten Sportunterricht als „denkbaren Weg“ ansieht, wundere ich mich abermals, zum einen über die Abwatscher, zum anderen auch über Steinbrück. Also abgesehen davon, daß die Koedukation nichts Unantastbares ist, sondern, gesetzt den Fall, das Niveau und die Lehrpläne entsprechen einander, die nach durchaus auch einiges gegen sich haben kann – so erzielen Mädchen an Mädchenschulen bessere Ergebnisse vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern, und Colleges wie Bryn Mawr oder Wellesley bringen überproportional viele Frauen mit entsprechenden und auch besseren Abschlüssen hervor – ist Sportunterricht nach Geschlechtern zu trennen zum einen nichts Ungewöhnliches oder noch nie Dagewesenes.

Zum anderen aber kann der gemeinsame Sportunterricht nicht nur das Schicklichkeitsempfinden von Moslems, sondern durchaus auch das von Christen verletzen. Eltern, die da, anstatt die Schule verklagen, den Umweg über das ärztliche Attest nehmen, kann ich sogar verstehen, würde ich auch machen, jedenfalls ließe ich mein Kind da nicht hingehen. Insofern wundere ich mich über Steinbrück, daß er offenbar nur aus Rücksicht auf die Gefühle der Moslems einen nach Geschlechtern getrennten Turnunterricht anregt. Es ist ja nicht so, daß andere kein Schicklichkeitsempfinden hätten. Das mag zwar, der Frau Kandesbunzlerin zufolge, das „falsche integrationspolitische Signal“ sein, man sollte aber über das Thema Koedukation unter allen Umständen und um jeden Preis noch einmal genau nachdenken, und es muß auch möglich sein, das öffentlich zu thematisieren.

Kommentare:

Psallite Deo hat gesagt…

Ich glaube, in gewissen Altersgruppen finden Jungs und Mädchen es auch cool, was nur mit demselben Geschlecht zu machen - und in manchen Bereichen führt es sicher zum Abbau von Hemmungen, z.B. wenn man sich nicht vor dem anderen Geschlecht blamieren kann, und damit zu besseren Leistungen.

Ich erinnere mich, daß wir zu meiner Gymnasialzeit (in den 90er Jahren) oft von alleine z.B. beim Fußball 2 Mädchenmannschaften und 2 Jungenmannschaften gebildet haben, die dann jeweils gegeneinander spielten - es gibt doch auch im Hochleistungssport getrennte Wettkämpfe für Männer und Frauen, ohne daß sich jemand diskriminiert fühlt.

Wobei ich schicklichkeitstechnisch für mich selbst und auch für potentielle Kinder kein Problem sehen würde - Schwimmen gab es nur in Kl. 4 und 5 (bei Kindern in dem Alter finde ich es ok) sowie einmal in der Oberstufe (aber da konnte man einen anderen Kurs wählen).

Was ich im Nachhinein eher seltsam finde, war die Tatsache, daß in der (koedukativen) Grundschule die Klassenliste nicht einfach alphabetisch war, sondern erst alphabetisch alle Jungs und dann alle Mädchen - das halte ich für unnötige Geschlechtertrennung.

Aber solange es Leute, egal welcher Religion, gibt, die geschlechtergetrennte Badezeiten nutzen möchten, warum sollte man das nicht anbieten? Man bietet ja auch gemeinsame an, für die, die dies möchten...

Braut des Lammes hat gesagt…

Das mit den Altersgruppen sehe ich auch so, in Bezug auf bessere Leistungen im allgemeinen scheint das nahezu lebenslang zu gelten.

Frauenbadetage sind mir, wie gesagt, immer schon völlig natürlich. Grade werd ich aber dessen gewahr, daß sie zwischenzeitlich mancherorts wegen angeblicher Diskrimierung zum Politikum wurden. Teils kam man dann wieder zu Verstand (oha, da ist ja tatsächlich ein Bedürfnis und die Frauen kommen eigens deswegen). Hier hat das Stadtbad zwei Hallen, in der kleineren ist dann zu bestimmten Zeiten Frauenbaden.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Ich hatte Schwimmunterricht mit den Jungs zusammen. Der Sportunterricht war in den ersten Schuljahren ebenfalls mit allen. Später dann getrennt, und ich fand das besser - nicht wegen irgendwelcher Schicklichkeitserwägungen, sondern weil ich nie besonders gut war in Sport und beim Mädchen-Sportunterricht nicht ganz so starker Konkurrenzkampf und nicht ganz so fieses Mobbing stattfanden wie in der gemischten Klasse.

Anonym hat gesagt…

Ich ging ab der 6.ten Klasse auf eine Ursulinen-Mädchen-Realschule.Zuvor war ich auf eine gemischte Schule gegangen.
In der gemischten Schule wurden die Jungen bevorzugt und die Mädchen saßen hinten und würden übersehen.In der Mädchenschule wurden meine Leistungen direkt um 2-3 Noten besser und das tägliche Mobbing durch die Jungs hat mir auch nicht gefehlt. Gerade schüchterne Mädchen profitieren von getrennten Schulen.Und vielleicht auch die Jungs,wenn sie sich nicht mehr vor den Mädchen zum Kasper machen müßen...
Ich bin kein Fan von Koedukation.
Nicole-Mathea

Eugenie Roth hat gesagt…

Bei uns zu Hause gab es einmal wöchentlich "Nonnenschwimmen", da waren die unter sich, sonst durfte da keine und keiner rein (außer natürlích dem Bademeister). Aber die Schwestern wurden immer älter und immer weniger und eines Tages war Schluss damit. Frauenschwimmen kenne ich als solches nicht ... vielleicht wäre ich dann auch öfters mal Schwimmen gegangen ... Freiwillig ...

Martina Baro hat gesagt…

In Baden-Württemberg werden die Geschlechter ab der 7. Klasse getrennt, in der Rücksicht auf die unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten. *grins* Einer mentalen Überforderung der männlichen Schüler wird so vorgebeugt. Zudem ist im jüngeren Alter das Interesse am anderen Geschlecht in der Beziehung vernachlässigbar.

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