Montag, 29. April 2013

Das Knuddeltier

Pünktlich zum Tag der seraphischen Jungfrau, dem Fest der hl. Katharina von Siena, gibts neue Äußerungen zur Frage des Diakonats der Frau. Das war zu erwarten vor dem Hintergrund, daß die Heilige aus irgendeinem Grund gern als Diakonin vereinnahmt wird, obwohl sie eine der Jungfrauen der Kirche war und dem dritten Orden der Dominikaner angehörte.

Ich muß sagen, die Äußerungen Walter Kardinal Kaspers im Februar, die konkrete Fragestellungen und Vorschläge enthielten, fand ich in der Beziehung interessanter als die neuesten Herumschwurbelungen Erzbischof Zollitschs, bei denen ich gar zu gern einmal wüßte, wie das dann ausschauen soll?

Was ich daran seit einiger Zeit nicht recht verstehe: wir haben doch Dienste, Aufgaben und Lebensentwürfe für Frauen. Da gibts solche, die dieselben sind wie die der Männer − wie etwa die, nach den evangelischen Räten zu leben oder ein Heiliger zu werden − und solche, die sich ihrem ganzen Wesen nach voneinander unterscheiden.

Wärs nicht also vielleicht angezeigter, auf die Berufungen zu schauen, die wir bereits haben und die die Kirche anerkennt? Da gibts für Frauen in der römisch-katholischen Kirche etwa die nach dem ersten Weltkrieg entstandene Lebensform der Apostolatshelferin, eine Berufung, über die man „interessanterweise“ kaum etwas erfährt, kaum, daß es sie gibt. Ob das wieder einmal damit zu tun hat, daß diese oft unerkannt unter den Menschen leben, oder damit, daß es eine Berufung ist, in der Jesus einen Menschen auffordert, alles zu lassen und ihm nachzufolgen, mithin eine zölibatäre, wer vermag das zu sagen? Die Apostolatshelferin ist dem Bischof unterstellt, der wiederum darauf vertrauen kann, daß sie jede Tätigkeit als Sendung annehmen wird, die er für die Ortskirche als notwendig ansieht, um den Menschen zu dienen. Das ist für mich Diakonia im unmittelbaren Sinne.

Die Ostkirche wandelt derweil teils auf aus der Kirchengeschichte vertrauten Pfaden: im Jahre 2004 sprach sich die Synode der Griechisch-orthodoxen für die Wiederbelebung des altkirchlichen Diakonats der Frau aus und stellte in der Folge den Bischöfen frei, in ihren Diözesen Diakoninnen zu ordinieren. Dabei scheint unter Ordination, wenn ich es recht erfaßt habe, die Spendung der Jungfrauenweihe verstanden zu werden, wie etwa im Kloster der Nonnen von Agia Triada auf Ägina. Man müßte vielleicht einmal schauen, wie nach fast zehn Jahren die Erfahrungen mit diesem aus der frühen Kirche überkommenen Amt sind und inwieweit so etwas auf die römisch-katholische Kirche übertragen werden kann. Allerdings waren die orthodoxen Bischöfe meines Wissens zunächst zögerlich im Gebrauch dieser Möglichkeit.

Wenn man allerdings nun nicht auf etwas aus dem Schatz der Kirche zurückgreifen, sondern etwas Neues schaffen will, das Diakonin heißen, aber nicht sakramental sein soll, dann muß ich sagen, das wäre für die Frauen tatsächlich ein Trostpreis. Das rosa Häschen mit weichen Ohren zum Knuddeln, damit das Kind was hat und bloß endlich Ruhe sei. Damit wäre meinem Gefühl nach weder den Frauen als Gliedern des Leibes Christi gedient noch dem Leib Christi selbst.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wer "unerkannt unter den Menschen lebt" stellt halt nicht sehr im Mittelpunkt.
Dieses ICH-bin-wichtig scheint mir eine wichtige Triebfeder von zdker Reformpolitik zu sein.

Friedlon

Braut des Lammes hat gesagt…

Das wage ich nicht zu beurteilen, kann es auch nicht wirklich.

Das „unerkannt unter den Menschen leben“ hatte ich in dem Kontext deswegen angemerkt, weil dann natürlich, auch mangels irgendeinem Gewand das sie ausweisen würde und man es nicht weiß, keiner auf die Idee kommt, zu fragen, was sind denn eigentlich überhaupt Apostolatshelferinnen? Oder: wäre das vielleicht etwas für mich? Haben wir hier in der Gemeinde Frauen, die man im Hinblick darauf ansprechen könnte? Das sind Dinge, die dazu beitragen können, den Boden für bestimmte Berufungen auszutrocknen.

jeannedarc hat gesagt…

In einer Talkrunde neulich, in der es auch um das Thema "Frauen in der Kirche" ging meinte eine Teilnehmerin, die kath. Kirche wäre zu "eucharistiezentriert". Ist schon klar- wenn wir weniger Eucharistiefeiern und mehr Wortgottesdienste hätten, dann bekommen die selbstdarstellungswütigen Pastoral-Gemeinde- wie auch immer Referentinnen gleich weniger "Konkurrenz". Damit wäre das Problem gelöst: wenn Frauen keine Messe feiern können dann verzichtet man lieber auf die Messe als auf die Frauen!!

Braut des Lammes hat gesagt…

Mir stellt sich da die Frage, wie die Kirche überhaupt "zu eucharistiezentriert" sein kann? Die Eucharistie ist Ziel und Mitte der ganzen Kirche.

Anonym hat gesagt…

ich suche infos über den ritus, in dem apostolatshelferinnen gerufen/gesandt werden, habe bisher nichts finden können!

Braut des Lammes hat gesagt…

Dazu kann ich leider wenig beitragen. Da der „Ruf“ der Apostolatshelferin durch den Ortsbischof erfolgt und die Berufung in Deutschland wohl eher in den östlichen Bundesländern verbreitet war, würde ich eines dieser Bistümer anschreiben, am besten den, der dort für das geweihte Leben zuständig ist.

Anonym hat gesagt…

Die Diskussion ist zwar schon längere Zeit her, aber da es ja sein kann, dass das auch jetzt noch jemand liest, den das interessiert:
Ich lebe selbst eine geistl. Berufung und habe mich einmal näher erkundigt bzgl. dem Leben der Apostolatshelferinnnen, da ich immer wieder einmal mit Frauen zu tun hatte, die ein gottgew. Leben in Erwägung ziehen, keine Ordensberufung o.ä. verspüren, die Voraussetzungen für die Jungfrauenweihe nicht haben,...
Es war nicht einfach, Informationen zu finden, ich habe dann aber Kontakt zu einer Apostolatshelferin vermittelt bekommen, die auch in leitender Funktion unter diesen Frauen tätig ist. In der Folge gebe ich das wieder, was ich verstanden habe, wenn sich aber jemand besser auskennt, bin ich für Ergänzungen und Korrekturen jederzeit offen:

Die Frauen arbeiten üblicherweise in normalen Berufen, müssen sich auch selbst erhalten, versprechen allerdings dem Bischof Gehorsam und jede Sendung anzunehmen, die er ihnen aufträgt, was aus meiner Sicht eine gewisse Spannung in sich birgt. Im Idealfall wird der Bischof einen Wunsch äußern, aber hoffentlich hören, ob die Frau sich das praktisch auch vorstellen kann, v.a. wenn es um einen Einsatz im Ausland geht. Zumindest bei uns scheinen viele Apostolatshelferinnen aber eher in dem Beruf zu verbleiben, den sie gelernt haben, und sind dort Zeuginnen für das Evangelium. Die Frauen treffen sich regelmäßig, und es gibt auch die Möglichkeit zu einer Formation in ihrem Zentrum in Lourdes in Frankreich.
Die Apostolatshelferin, mit der ich gesprochen habe, hat mir auch vom Kern ihrer Versprechensfeier und den Fragen, die der Bischof an die Kandidatin richtet, erzählt. Ich glaube, dass es sich um ein privates Versprechen vor dem Ortsbischof handelt, das nicht dieselbe kirchenrechtliche Anerkennung hat wie eine ewige Profeß in einem Orden oder der Empfang der Jungfrauenweihe, und die Berufung hat in dieser Form (weil es haben ja immer Frauen in der Kirche mitgeholfen) auch keine so lange Tradition. Der Berufungsweg der Apostolatshelferin ist daraus entstanden, dass Frauen beim Bischof angefragt haben, sie wollen sich gerne zum Dienst an der Kirche zur Verfügung stellen. Soweit ich mich erinnern kann, war das im vorigen Jahrhundert in Belgien. Manche deutsche Bistümer haben auf der Website der Berufungspastoral Info-Flyer über den Dienst der Apostolatshelferinnen.

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