Mittwoch, 10. April 2013

Das Bußsakrament – die schweigende Einladung Gottes und der Kirche

5Brote2Fische ist irritiert über den Ableger einer Diskussion über die Beichtpflicht, die sich aus aktuellem Anlaß bei Facebook ergab.

Eines der Kirchengebote bezieht sich unter anderem auf die Beichte, indem die Kirche von ihren Gläubigen wünscht:
Du sollst deine Sünden jährlich wenigstens einmal beichten.
Das Kirchenrecht formuliert es so:

Jeder Gläubige ist nach Erreichen des Unterscheidungsalters verpflichtet, seine schweren Sünden wenigstens einmal im Jahr aufrichtig zu bekennen.

In der Diskussion hatte ich mich umständehalber nur kurz zu Wort gemeldet und bin später nicht dorthin zurückgekehrt. In der Tat stammte aber die Einschätzung, daß wahrscheinlich allenfalls die kleine hl. Therese von sich sagen konnte, sie habe im letzten Jahr keine schwere Sünde begangen, von mir. (Tatsächlich hat es Therese nicht von sich selbst gesagt, sondern ihr Beichtvater kam zu der Ansicht, sie könne wohl von sich sagen, sie habe im ganzen Leben keine schwere Sünde begangen.)

Eine Variante davon hab ich durchaus auch schon einmal von meinem geistlichen Begleiter gehört, dem im Altenheim etwa folgendes zustieß: er regte, da man ihn in dieser Beziehung so gar nicht in Anspruch nahm, vorsichtig an, daß man im Hinblick auf die häufige Kommunion doch auch das Beichtsakrament nicht ganz aus dem Auge verlieren möge. Darauf wurde ihm etwa die folgende Antwort: „Herr Pfarrer, ich bringe niemanden um und ich stehle nicht. Was soll ich also beichten?“ Er hat daraufhin die Einschätzung geäußert, daß selbige Damen und Herren ja ein wahrhaft heiligmäßiges Leben führen müßten.

Ehrlich gesagt, so sehe ich es auch – in Bezug auf mein eigenes Leben. Da ich meine Seele leider im selben irdischen Gehäuse herumtrage wie andere, ist eigentlich immer irgendwas. Die Sorge, ich wüßte nicht, was ich beichten solle, hat mich jedenfalls noch nie geplagt, eher schon die, daß ich nicht einen Unsinn rede.

Mit dem fraglichen Artikel hatte mich nicht groß beschäftigt, schon weil ich keine Lust hatte, mich erneut an katholisch.de aufzuspulen. Da wir aber dabei sind: ich finds nicht richtig, der kurzen Anleitung im Sinne von „Wie beichte ich?“ oder  „Was passiert da eigentlich?“ in größerer und optisch schwerer erscheinender Schrift die Einführung
Zunächst einmal: Beichten ist kein Muß. Theologisch gesehen müssen wir nur Todsünden beichten. Das sind schwere Verfehlungen, bei denen Menschen sich ganz bewußt gegen Gott entschieden haben. Die meisten sogenannten läßlichen Sünden sind Verhaltensfehler, menschliche Schwächen.
voranzustellen. Sicherlich beruhen viele der sogenannten läßlichen Sünden auf menschlichen Schwächen (was an der Sünde wäre im übrigen nicht zutiefst „menschlich“?). Die Kirche lädt jedoch ausdrücklich ein, auch läßliche Sünden zu beichten. Das Beichten von läßlichen Sünden bei vielleicht möglichst einem festen Beichtvater kann auch Einfluß auf das zukünftige Verhalten haben, etwa, indem einem derjenige in der Beichte dazu etwas sagt, was einen dauerhaft weiterbringt, oder auch, weil man dem Beichtvater nicht immer wieder mit denselben Punkten kommen will. In der Tat hatte ich in einem stimmungsmäßig etwas drolligen Anflug einmal überlegt, ob nicht bereits daran, eine bestimmte Sünde schon deshalb nicht wieder begehen zu wollen, damit man sie nicht noch einmal beichten muß, etwas Verwerfliches wäre. Diese kleine Betrachtung hab ich dann allerdings als nutzlos verworfen.

Zum anderen wird hier statt schwerer Sünde der Begriff Todsünde gebraucht, den viele eher mit den „sieben Todsünden“ in Verbindung bringen (die sogar Leute namentlich aufzählen können, die noch nie einen Beichtstuhl von innen gesehen haben). Wieviele Leser mögen wohl nach „Zunächst einmal…“ auch gar nicht weiter vordringen? Vom Artikel hängen bleibt dann im groben Sieb: Man muß nicht beichten – der erste Satz des Artikels.

Vielleicht haben wir einfach verschiedene Vorstellungen davon, was eine schwere Sünde oder eine schwere Verfehlung ist. In der Tat können das Menschen auch verschieden wahrnehmen, wie unter anderem der geistliche Begleiter formuliert hat. Darüber hinaus geht es doch gar nicht darum, andere Menschen von vornherein als schwere Sünder (oder sonstwas) zu betrachten, sondern selbst ein Gewissen herauszubilden. Schließlich beichte ich nicht die Sünden der anderen, sondern meine eigenen.

Um vielleicht mal ein Beispiel zu geben, was ich so im Sinn hatte: die Kirche betrachtet das Fernbleiben vom Sonntagsgottesdienst ohne schwerwiegenden Grund als eine schwere Verfehlung vor Gott und den Menschen. Das mag man finden, wie man will, es ist aber so. Nun ist das in meinem Leben durchaus schon vorgekommen, manchmal sogar Jahre am Stück. Nichts, wofür man sich brüsten müßte, aber irgendwann wars dann halt ein Fall für die Beichte und den Vorsatz, es fortan anders zu machen. In der sich anschließenden Heiligen Messe kam dann der Kommunionvers: Kostet und seht, wie gütig der Herr ist. Selig der Mensch, der bei ihm seine Zuflucht nimmt, da war ich dann wirklich den Tränen nahe.

Ein anderes Beispiel aus dem täglichen Leben, wie es vielleicht jedem schon mal untergekommen ist: an der Kasse des Supermarkts hatte ich beim Bezahlen des Lebensmitteleinkaufs das unbestimmte Gefühl, eine grüne Götterspeise, die noch im Wagen stand, wäre vielleicht nicht mitberechnet worden, aber darüber geschwiegen. Eine spätere Kontrolle des Bons ergab, der Glibber erschien tatsächlich nicht auf dem Kassenzettel. Ich bin auch dann nicht hin und hab gesagt, entschuldigen Sie, diese grüne Götterspeise ist versehentlich nicht berechnet worden, sondern hab meine Sachen eingepackt und bin gegangen. Auch hab ich den Pudding später ohne schlechtes Gewissen vertilgt. Verkaufspreis: 39 Cent. Allerdings würd ichs letztlich als einen Verstoß gegen das Gebot Du sollst nicht stehlen und damit als eine (schwere?) Sünde ansehen. Der Beichtvater, dem ich selbiges vortrug, hat es durchaus auch ernstgenommen. Mit ernstnehmen meine ich, daß es wohl auch solche gibt, die Leute mit einer Variation von „Kommen Sie wieder, wenn Sie ein paar ordentliche Sünden zu beichten haben“ wieder entlassen.

Als wären die eigenen Sünden noch nicht genug, gibt es übrigens neunerlei Weisen, auf denen man an den Sünden anderer teilhaben kann: durch Ratschlag, durch Befehl, durch Zustimmung, durch Provokation, durch Schmeichelei, durch Verschleierung, durch Mithilfe, durch Stillschweigen, durch Verteidigung der schlechten Tat.

Natürlich kann man die Menschen zur Beichte nicht hintreiben – man sollte sie ihnen aber auch nicht von vornherein als nicht unbedingt erforderlich ausreden. Die Kirche spricht durch die Sakramente eine stillschweigende Einladung aus und es liegt an uns, ob wir sie annehmen wollen.

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

Jeder Mensch staubt - so er vernünftig ist - seine Wohnung in relativ kurzen, regelmäßigen Abständen ab. Tut er es nicht und nicht und immer noch nicht - wird sich der feine Staub, den man problemlos wegwischen konnte, irgendwann verfestigen und man braucht eine "Wurzelbürste" um ihn weg zu bekommen (z. B. oben auf den Küchenschränken geht das relativ schnell).
Auch wenn man nicht verpflichtet ist, lässliche Sünden zu beichten, so verhindert die regelmäßige Beichte, etwa im Monatsrhythmus, dass sich der "Staub" auf der Seele festsetzt und man ihn dann am Ende nicht mehr weg bekommt - das wäre dann die Todsünde, von der man sich sicherlich schwerer wird lösen können, wenn sie einmal geschehen ist, als von der lässlichen Sünde, die auch dem Frömmsten immer wieder "geschieht".

Simplicius hat gesagt…

Vielen Dank für diesen schönen Beitrag über das Bußsakrament!

Vielleicht sollte man auch herausstellen, dass gerade die Andachtsbeichte für ein vertieftes Glaubensleben sehr wertvoll ist. So lernt der Beichtvater den seelischen Zustand des Pönitenten wesentlich besser kennen, kann ihn besser leiten, beraten, stützen.
Gerade die Heiligen waren nicht für das Fernbleiben vom Beichtstuhl bekannt, sondern suchten ihn besonders oft auf. Denn hier fließen eben Gnaden, und besonders die speziellen Gnadengaben, die dem Bußsakrament zu eigen sind. Es besteht ja sogar die Möglichkeit (in diese Verlegenheit kam ich selbst natürlich nie), bereits gebeichtete und bereute Sünden nochmals zu beichten. Vielleicht könnte man in diesem Sinne den Kanon des Kirchenrechts auch zusätzlich auslegen.

Davon abgesehen gibt es natürlich auch zahlreiche Ablässe, die nur in Verbindung mit der Beichte gewonnen werden können. Auch die sollten wir am besten nicht vergessen.

einfachentfachend hat gesagt…

Vielen Dank für den tollen Beitrag,volle Zustimmung!

Anfügen könnte man noch buchhalterisch die Unterlassungen, die man so begeht.

(Und,das nicht blechen ist eines,aber die Materie dann auch noch Götterspeise statt Wackelpudding zu nennen..ts,ts..:-))

@Simplicius
Ich habe wegen dem mehrfach beichten desselben mal einen Priester konsultiert: er meinte, wenn man merke, daß etwas nicht vollständig war, nur zu und am besten dann erwähnen,daß es schon mal gebeichtet wurde.

Psallite Deo hat gesagt…

@ Simplicius: Warum sollte man Sünden, die man schonmal gebeichtet hat, nochmal beichten? Das verstehe ich nicht.

Ansonsten: Im wesentlichen Zustimmung. Allerdings gehe ich lieber wechselnd in irgendwelchen Klöstern beichten - und wenn ich da mehrmals denselben erwische, muß der es aushalten, daß es zum Großteil immer dieselben Sünden sind.
Der Horror wäre, bei jemandem zu beichten, mit dem ich dienstlich zu tun habe - nicht, daß ich irgendwem unterstellen würde, er würde das Beichtgeheimnis brechen, aber ich würde ungern täglich mit jemandem zusammenarbeiten, der meine Sünden kennt.
Oder bei Freunden/Verwandten (einer meiner Cousins ist Priester) - ich habe es lieber anonym - wobei es da öfter passieren kann, daß es einem nicht wirklich hilft, was er einem sagt - das ist natürlich anders, wenn derjenige einen kennt - hat also alles Vor- und Nachteile...

Andrea hat gesagt…

Liebe Braut des Lammes, herzlichen Dank für Deine ausführliche Reaktion, die ich auch fast Satz für Satz unterschreiben kann. Klären möchte ich, daß eigentlich nicht Dein Kommentar es war, der mich "schwer irritiert" hat, auch wenn ich ausgerechnet Deinen Gedanken in meinen Text mit aufgenommen habe.

Ich denke wirklich, der einzige wesentliche Unterschied zwischen uns liegt in der Vorstellung davon, was schwere Sünde, eine schwere Verfehlung ist.

Wenn ich – wie bei mir drüben bereits gesagt – von den beschriebenen Wirkungen schwerer Sünde auf die Gottesbeziehung ausgehe (schwere Beleidigung Gottes; seiner Freundschaft beraubt sein; Zerstörung der Liebe im eigenen Herzen ...), oder auch davon, daß eine unbereute, ungebeichtete schwere Sünde ewiges Getrenntsein von Gott, also ewige Verdammnis bzw. Hölle bedeuten würde … da fällt es mir theologisch schwer, diese dramatischen Folgen etwa, um Dein Beispiel aufzugreifen, mit einem nicht einmal vorsätzlich unbezahlten Becher Götterspeise für 39 Cent zusammenzubringen. Insbesondere noch bei jemand, der ja eigentlich nach Kräften versucht, sein ganzes Leben auf Gott auszurichten (das würde ich Dir jetzt jedenfalls, so wie ich Dich erlebe, einfach mal so unterstellen).
Und das war mein eigentlicher Punkt.

(Übrigens, zur Geschichte mit der Götterspeise – die hat mich ganz eigen berührt, denn ich habe mir vor etwa einem Jahr etwas sehr Ähnliches geleistet. Und ja, natürlich habe ich das gebeichtet, und auch ich hatte das Glück, damit ernst genommen zu werden. Gott sei Dank!)

Annuntiator hat gesagt…

Die sogenannten Todsünden bezeichne ist lieber als Hauptsünden (Stolz, Geiz, Neid, Neid, Zorn, Unmäßigkeit, Unkeuschheit, Trägheit).
Todsünde ist eine Bezeichnung für schwere Sünde, die das Beziehung mit Gott durchtrennt.
Die Geschichte mit der Götterspeise ist eher leichte Sünde, da Du ja nicht die Absicht hattest, sie zu stehlen. Aber wenn es das Gewissen belastet, muß man das als Beichtvater ernst nehmen und nicht ab tun mit "Kommen Sie wieder, wenn Sie wirklich schwer gesündigt haben". Gut, daß Du damals einen guten Beichtvater begegnet bist.

Simplicius hat gesagt…

@Psallite Deo: Die Sünden konstituieren die (quasi-)Materie des Sakramentes, siehe z.B. Summa Theologiae IIIa q. 74 a. 2, und verschwinden nicht von der Geschichte, auch wenn sie vergeben worden sind. Deswegen ist es möglich, die gleiche Sünde noch einmal zu beichten, eben um die Gnaden des Sakraments empfangen zu können (das taten auch einige Heilige).

Zumindest in den alten Handbüchern der Moraltheologie wurde auch immer erwähnt, falls sich der Beichtvater nicht sicher wäre, ob der Pönitent überhaupt eine wirkliche Sünde gebeichtet hatte, er nach einer alten (bereits vorher gebeichteten, aber wirklichen) Sünde fragen könne, damit überhaupt eine gültige Beichte stattfinden kann.
Das kann natürlich nicht in jeder Situation ratsam sein.

Papst Benedikt lobt diese Praxis in der Konstitution "Inter cunctas", genau so Thomas von Aquin in IV Sent., d. xvii, q. 3, sol. 5 ad 4

Psallite Deo hat gesagt…

Ich glaube, es geht gerade etwas durcheinander mit "die gleiche" und "dieselbe" Sünde.

Die gleiche wäre z.B.: ich klaue ein Bonbon und beichte das. 4 Wochen später klaue ich noch ein Bonbon und beichte es wieder, usw. Das passiert halt, daß man die gleichen Sünden immer wieder begeht, und dann darf/kann/muß man sie auch immer wieder beichten.

Aber ist es nötig, wenn man einmal ein Bonbon klaut, dies mehrmals zu beichten? Immer wegen desselben Bonbons? Das wäre dieselbe Sünde - und da dachte ich eigentlich, wenn ich es einmal gebeichtet habe, ist es vergeben.
Wenn jeder bei jeder Beichte immer alle Sünden auch aus den vorigen Beichten nennen würde, wozu würde das denn führen?
Ich halte es für unwahrscheinlich, daß man keine neue Sünde findet und, damit das Sakrament gültig wird, auf alte zurückgreifen muß.
Oder habe ich es jetzt völlig falsch verstanden, was Simplicius meinte?

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich glaub, Simplicius hat schon dieselbe Sünde gemeint, nicht die gleiche. Mir war das aber auch völlig neu.

Daß jemand im Rahmen einer Generalbeichte über sein ganzes Leben Dinge nochmals erwähnt oder bei der nächsten Beichte etwas nachträgt, was er beim letzten Mal vergessen hat, kommt schon vor, aber die Konstruktion, daß ich quasi eine „gültige Beichtmaterie“ bräuchte, erscheint etwas eigenartig. Wo bliebe man denn da mit der Andachtsbeichte?

Simplicius hat gesagt…

Richtig, ich habe die selbe Sünde gemeint, die mehrfach gebeichtet werden kann. Entsprechende Belege dazu habe ich ja angegeben.

Aber für eine gültige Beichte ist eben eine entsprechende Materie nötig. Gerade bei wöchentlichen Beichten oder schlecht vorbereiteten Beichten kann es passieren, dass sich der Beichtvater nicht sicher sein kann, ob überhaupt eine tatsächliche Sünde unter den genannten Dingen war, sei sie lässlich oder schwer.
Eine "alte Sünde" zu nennen bringt dann Sicherheit für die Gültigkeit des Sakramentes. Natürlich könnte man hier auch wieder eine lässliche Sünde nehmen, aber um auf "Nummer sicher" zu gehen, wäre eine größere Verfehlung besser. Freilich, und so schreiben es auch die priesterlichen Ratgeber, ist das aus spirituellen Gründen nicht unbedingt sinnvoll.

Vielleicht philosophiere ich hier aus meinem Elfenbeinturm heraus, aber nichtsdestotrotz ist das die Lehre der Kirche bzw. approbierten Theologen.

Der Grund, den Thomas von Aquin dafür angibt, ist die Reduzierung der zeitlichen Sündenstrafen. Das Sakrament würde durch diese Praxis nicht verletzt, so schreibt er.

@PsalliteDeus: Die Sünde ist natürlich vergeben, aber sie bleibt trotzdem ein reales Ereignis in der Geschichte. Und jede vergangene Sünde ist gültiges "Beichtmaterial". Das mag für uns jetzt nicht so wichtig erscheinen, aber ich wollte diesen Gedanken doch einmal aufgreifen - gerade bei der Argumentation, man "hätte nichts zu beichten".


Ich hoffe ich habe damit keine Verwirrung gestiftet, wenn doch, bitte ich um Verzeihung ;)

Annuntiator hat gesagt…

@ Simplicius
Wer noch eimal ein gebeichtete und vergebene Sünde beichtet, begeht die schwere Sünde des mangelnden Vertrauens in Gottes Barmherzigkeit.
Wenn man nichts zu beichten hat, wird der gute Beichtvater damit umzugehen wissen. Aber eine gebeichtete Sünde nochmals zu beichten, um eine gültige Beichte abzulegen, ist schon sehr fragwürdig. Das riecht schon arg nach Sprupulantentum.
Wenn Thomas von Aquin sagt, das die Sünde die "Materie" der Beichte ist, sagt er damit nicht, daß man gebeichtete Sünden noch einmal beichten soll. Da wir sowieso alle Sünder sind, fallen selbst bei wöchentlichen Beichten neue Sünden an, die man beichten kann und z.T. muß. Selbst leichte Sünden erfüllen den Tatbestand der Materie, auch wenn die leichten Sünden z.B. durch Bibel lesen schon vergeben werden.
Also: wer schon einmal gebeichtete Sünden nochmals in die Beichte bringt, denkt zu klein von der Barmherzigkeit Gottes und sollte das in die Beichte bringen.

Annuntiator hat gesagt…

@ Simplicius
Zur Reduzierung der Sündenstrafen genügt die Erlangung es vollkommenen Ablaßes. Dieses Jahr im Jahr des Glaubens z.B. das Hören dreier Vorträge über das VII unter den Bedingungen der Beichte, Mitfeier der hl. Messe und Gebet in der Meinung des Hl. Vaters.
Es gibt noch weitere Möglichkeiten, einen Ablaß zu gewinnen. Rosenkranz beten in der Kirche, Portiunkularablaß, Freidhofsbesuch um Allerseelen herum etc.

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke Annuntiator, für die Klarstellung. Es lag mir fern, dem Aquinaten widersprechen zu wollen. Ohnehin käme ich auch gar nicht in die „Verlegenheit“ etwa keine Sünde zum Beichten zu haben. Wäre es so, warum dann den Beichtvater bemühen?

Simplicius hat gesagt…

Benedikt XI. bezeichnet die wiederholte Beichte aber in der erwähnten Konstitution als heilsam, und Thomas von Aquin gibt sicher keine Ratschläge zum Skrupulantentum.
Dabei wird gar nicht in Frage gestellt, dass die Sünde nicht schon vorher vergeben war - nein, aber die Gnaden des Sakraments werden trotzdem wieder vermittelt. Und ein ganz wichtiger Bestandteil der Absolution ist nun mal auch ein Nachlass der zeitlichen Sündenstrafen.

Ich selbst kam und käme nie in die Verlegenheit, vergangene und vergeben Sünden noch einmal zu wiederholen und wollte auch niemandem dazu raten. Die grundsätzliche Möglichkeit besteht aber, und das fand ich im Licht der jüngsten Diskussion sehr interessant.

Noch einmal Thomas von Aquin im Wortlaut, loc. cit.: "...et ideo quanto aliquis pluries de eisdem peccatis confitetur, tanto magis poena diminuitur."

Simplicius hat gesagt…

Gerade nochmal im Ludwig Ott nachgeschaut, und da steht ja nun wirklich nichts Sonderbares drin:

"Auch Sünden, die bereits direkt durch die Schlüsselgewalt der Kirche vergeben sind, sind ein hinreichender Gegenstand der Beichte. Sent. cert.(!)

Die Wiederholung des Bußsakraments ist gemäß der Erklärung Benedikts XI. ein Akt der Verdemütigung und damit der Genugtuung. Die Absolution hat in diesem Falle nach der Lehre der Theologen die Beseitigung von Hindernissen, die als Wirkung der bereits vergebenen Sünden zurückgeblieben sind und der Wirksamkeit der Gnade entgegenstehen (reliquiae peccatorum), sowie die Nachlassung von zurückgebliebenen zeitlichen Sündenstrafen zur Folge."

Psallite Deo hat gesagt…

Hm - scheint ein schwieriges Thema zu sein...

Also heißt es im Klartext, wenn jemand eine wirklich schwere Sünde hat, z.B. einen Mord oder so, dann sollte er das am besten jeden Tag beichten, damit die zeitlichen Sündenstrafen verkürzt werden? Und wenn er das dann 20 oder 50 Jahre lang gemacht hat, dann sind die zeitlichen Sündenstrafen weg?
Wenn man eine leichtere Sünde hat, wie z.B. ein Bonbon geklaut, da sind die zeitlichen Sündenstrafen schon nach 1-2 Wochen täglich beichten abgearbeitet?

Das klingt für mich jetzt aber nach sehr seltsamen Ablaßpraktiken - es wird nicht mehr mit Geld gehandelt, sondern mit der Anzahl der Beichten?
Das finde ich irgendwie befremdlich...

Braut des Lammes hat gesagt…

Den Ott hätte ich jetzt allerdings eher so ausgelegt, daß er letztlich meint, auch wenn es schon einmal sakramental vorgetragen und vergeben worden ist, kann es in einer späteren Beichte trotzdem nochmal erwähnt werden (was ja durchaus vorkommen kann).

Simplicius hat gesagt…

Könnte man nicht das gleiche Argument mit der Anzahl der Kommunionen und größerer Heiligkeit bringen? Die Anzahl der für die Verstorbenen gelesenen Messen? Die Anzahl der gebeteten Rosenkränze am Tag? Wie viele Teilablässe machen einen vollkommenen Ablass? Wie lange muss ich danach noch im Fegefeuer bleiben, wie lange meine Verstorbenen?

Mit einem mechanischen Sakramentsverständnis ist sicher niemandem geholfen. Aber genau so wenig mit einem seltenen Empfang der Sakramente. Wer aber ohne rechte Disposition seine zeitlichen Sündenstrafen in oben genannter Weise abarbeitet, wird vermutlich weder durch Ablass noch durch Beichte zum Erfolg kommen.

Ein Beichtvater wird wahrscheinlich heute zu anderen Praktiken raten. Aber ob das Beten von zwei Ablässen nun so viel anders ist als zwei Beichten? In jedem Fall ist es erlaubt, das ist die sichere Lehre. Alles Weitere kann man getrost Gott und seinen uns anvertrauten Hirten überlassen.

Simplicius hat gesagt…

Genau das möchte ich ja sagen, Braut des Lammes, oder sprichst Du von der gleichen (statt der selben) Sünde?
Dies widerspricht aber dem Wortlaut, gerade im Licht der Konstitution Benedikts XI. (D 470), nach dem es zwar nicht notwendig "iterum eadem confiteri peccata" (und das wäre es ansonsten ja sehr wohl) aber heilsam sei, die bereits vergebene Sünde noch einmal zu beichten.
Außerdem wäre es dann keine Wiederholung der Beichte, denn auch eine neue Sünde ist immer eine neue Sünde, selbst, wenn ich sie vorher schon einmal begangen habe. Es wäre eine Wiederholung der Sünde, sicher, nicht aber der Beichte.

Simplicius hat gesagt…

Ich denke, die Catholic Encycopledia ist da auch recht eindeutig. Aber ich lasse es dann mal dabei bewenden, ich dachte nicht, dass ich damit eine Kontroverse anstoße ;)

"In the constitution "Inter cunctas" (17 Feb., 1304), Benedict XI, after stating that penitents who had confessed to a priest belonging to a religious order are not obliged to reiterate the confession to their own priest, adds: "Though it is not necessary to confess the same sins over again, nevertheless we regard it as salutary to repeat the confession, because of the shame it involves, which is a great part of penance; hence we strictly enjoin the Brothers (Dominicans and Franciscans] to admonish their penitents and in sermons 'exhort them that they confess to their own priests at least once a year, assuring them that this will undoubtedly conduce to their spiritual welfare" (Denzinger, "Enchir.", 470). St. Thomas gives the same reason for this practice: the oftener one confesses the more is the (temporal) penalty reduced; hence one might confess over and over again until the whole penalty is cancelled, nor would he thereby offer any injury to the sacrament" (IV Sent., d. xvii, q. 3, sol. 5 ad 4)."

Annuntiator hat gesagt…

@ Simplicius
Also zu Thomas kann ich im Moment nichts sagen, weil ich auch die nächsten Tage nicht die Möglichkeit habe, an meine Thomas-Reihe heranzukommen. Der Satz ist ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen.
Sündenstrafen werde durch einen Ablaß nachgelassen. Ablaß ist eine "Weiterentwicklung" der alten Bußbücher aus der Spätantike - Frühmittelalter. Nur kurz angerissen.
Wer eine Sünde immer wieder beichtet, zweifelt an der Barmherzigkeit Gottes. Wenn ich einen vollkommenen Ablaß für mich (entweder für einen Verstorbenen oder mich, aber nicht für einen anderen Lebenden) gewinne, sind alle Sündenstrafen der bis dahin begangenen Sünden vergeben. Daher ist die "Letzte Ölung" sehr wichtig, weil man da noch einmal einen vollkommenen Ablaß geschenkt bekommt.
Wer beichtet bekommt die Vergebung der Sünden zugesagt, es bleiben aber noch die Folgen eben Sündenstrafen. Ein Ablaß verschafft Hilfe.

@Psallite Deo
Erwerben Sie einen vollkommen Ablaß, dann brauchen Sie sich um die bis dato begangenen Sündenstrafen nicht mehr zu kümmern. Wie Sie einen Ablaß gewinnen können, da fragen Sie am besten einen Priester Ihres Vertrauen. ;-)

MC hat gesagt…

Mal ne ganz andere Frage:
Ich find das Photo so schön. Weisst du, welche Kirche das ist?

Braut des Lammes hat gesagt…

Das sind die Beichtstühle in der Kirche des heiligsten Namens Jesu (Holy Name of Jesus) in Manchester.

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