Sonntag, 21. April 2013

Bittet, so wird euch gegeben – Gebet um geistliche Berufe

Da wir den heute den Sonntag des guten Hirten gefeiert haben, an dem traditionell für Berufungen zum geistlichen Leben gebet wird: Schwestern gibts anscheinend in allen Größen. Das kleine Bild erinnert an die Kampagne als Priester wird keiner geboren, um Berufungen muß man beten. Gleiches kann man auch vom geweihten Leben sagen. Also: als Karmelitin wird keine geboren, um Berufungen muß man beten.

Bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte senden – was könnte wahrer sein als das? Vielleicht könnte man im Weinberg selbst aber auch noch das eine oder andere tun. Vor allem müssen Berufungen zunächst einmal gewollt werden, das zeigt schon das Beispiel jener italienischen Gemeinde, aus der bei konstantem Gebet und einer tragfähigen Atmosphäre, in der Berufungen klar als etwas Schönes und Wünschenswertes erschienen, im Laufe einiger Jahrzehnte hunderte von Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben hervorgingen.

Wie sieht das nun hier aus? Vor wenigen Tagen etwa (via Stani und KNA) konnte folgende Aussage des Münsteraners Bischofs Genn lesen:
Genn wandte sich dagegen, die Zugangswege zum Priestertum zu verändern. Zugleich zeigte er sich darüber beunruhigt, daß die sogenannten evangelischen Räte Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit als eine Form der Nachfolge Christi in den Gemeinden wenig wertgeschätzt würden. So habe es sehr negative Reaktionen auf den Entschluß einer jungen Frau gegeben, Ordensfrau zu werden.
Ja, ist so ist es hierzulande leider vor Ort leider tatsächlich öfter. Und wenn es sich um eine Berufung handelt, mit der erkennbar später nicht Status oder Einfluß verbunden sein werden, ist es manchmal noch ärger. Was bekommt der- oder diejenige dafür, daß er so etwa macht? Sinn und Erfüllung, die in einem Leben liegen können, das dem Christi ähnlich ist, scheint nicht nur etwa zunehmend weniger verstanden zu werden, die Vermittlung dessen selbst, scheinen zu verschwinden. Warum? Dabei ist es so einfach, es ist wie mit dem, der schöne Perlen suchte: Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.

Was mir schmerzlich aufgefallen ist, ist, daß es in den letzten Jahren zunehmend weniger von dem zu geben scheint, was wir tatsächlich tun könnten: beten, Menschen gezielt ansprechen, darüber predigen, Priestertum und geweihtes Leben als etwas Attraktives (das sie ja auch sind) erscheinen lassen, den Glauben vorleben und wieder beten. Gott fragen, was willst du, das ich tun soll?

Bis vor wenigen Jahren gab es am Sonntag des guten Hirten eine Art Aktionstag für diejenigen, die sich für Priestertum und geweihtes Leben interessieren, der morgens mit dem Hochamt begann und am Nachmittag eine sakramentale Andacht mit dem Bischof einschloß. Die einen hatten zwischendurch die Möglichkeit, ein Priesterseminar zu besichtigen, für die anderen gab es die Möglichkeit zur Begegnung mit Menschen des geweihten Lebens. Auf der letzten derartigen Veranstaltung wurde coram publico der Wunsch ausgesprochen, doch mit den vorhanden modernen Mitteln mehr darauf hinzuweisen. Ich will nicht sagen, daß sie deshalb nicht mehr stattfindet, jedenfalls findet sie nicht mehr statt. Manchmal frag ich mich schon, was ist das, brauchen wir sowas hier nicht, oder warum verzichtet man von vornherein auf Möglichkeiten, die man durchaus hätte, und tut Dinge nicht, die man mit den vorhandenen Mitteln auf jeden Fall leisten könnte? (Falls dieser Beitrag irgendwie leicht angefressen oder teils unzusammenhängend klingen sollte, möge man es mir nachsehen, es war eine merkwürdige und emotional aufwühlende Woche.)

Geblieben ist uns die Andacht zum Gebet für geistliche Berufe, auf die auch kaum noch hingewiesen wird. Weder druckt man Plakate und hängt sie vielleicht im Schaukasten aus  – noch nie konnte man mit so wenigen und kostengünstigen Mitteln gut gemachte Plakate herstellen wie gerade in unserer Zeit – noch auch verweist das Bistum selbst auf diese Gebetsstunde als solche: es nennt sie eucharistische Anbetung. Das stimmt zwar auch irgendwie, aber diese Anbetung geschieht eben in dem Anliegen um geistliche Berufe. Wem etwa einfällt, auf die Worte „eucharistische Anbetung“ zu klicken, kann das immerhin noch erfahren.

Die Amerikaner haben, zu einem anderen Zeitpunkt des Jahres, eine ganze sogenannte „Vocation awareness week“, mit gutem Erfolg übrigens. Das Gewahrwerden ist hier sicherlich in zweifacher Hinsicht zu verstehen: zum einen kann sich der einzelne mit dem Thema Berufung befassen und was es für ihn oder sie bedeuteten könnte, zum anderen gewinnt das Thema Berufung landesweit Beachtung. Die Menschen in den Gemeinden können sich dessen gewahr werden – falls sie es nicht schon sind – daß es so etwas wie Berufungen gibt. Zu allen Zeiten, auch hier, auch jetzt spricht Christus zu den einzelnen Herzen, lädt sie ein, ihm in besonderer Weise nachzufolgen, nicht um alles aufzugeben, sondern um unendlich viel zu gewinnen.

Ganz eigen haben mich gestern diese Zeilen aus dem Lied I vow to thee, my country angerührt, das auch bei der Beisetzung Margaret Thatchers gesungen wurde:
The love that asks no question, the love that stands the test,
That lays upon the altar the dearest and the best;
The love that never falters, the love that pays the price,
The love that makes undaunted the final sacrifice.
Der Hymnus spricht hier auch von der Liebe zu dem Land und der Stadt, die uns Christen Heimat sind: dem himmlischen Jerusalem und Liebe, die das liebste und teuerste auf den Altar legt, ist die Erstlingsgabe des Berufenen.

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

Und hier ist die Wallfahrt zu einem Wallfahrtsort (10 km?) auf eine Wallfahrt von eben diesem Marienwallfahrtsort auf 3 km verkürzt worden. Da wird jetzt sicherlich viel mehr gebetet als früher - ÄHEM -

Psallite Deo hat gesagt…

Ich habe schon die unterschiedlichsten Reaktionen gehört, wenn jemand über solch eine Berufung nachdachte:
Eine Frau sagte, sie fände ihren Sohn mit 19 zu jung, so eine weitreichende Entscheidung zu treffen, er solle erstmal was anderes studieren, und wenn er danach immer noch Priester werden will, dann soll er es tun.
Eine ältere Dame, deren Sohn zwar ein Theologiestudium mit dem Ziel Priesteramt begonnen hatte, aber dann doch geheiratet hat, war stolz wie Oskar, als eine Generation später ihr Großneffe tatsächlich Priester wurde.
Ich selber bekam mal, als ich erzählte, daß ich eine Woche meines Urlaubs in einem Kloster verbringen würde, eine ziemlich erschrockene Reaktion, ob ich etwa eintreten wolle - will ich nicht, sondern nur mal ne kleine Auszeit nehmen und mir alles mal ansehen - aber selbst wenn, wäre das was Schlimmes? Ich meine, nein, aber in der Gesellschaft und der Kirche scheint es mittlerweile was sehr Ungewöhnliches geworden zu sein, wenn jemand diesen Schritt geht. Und wenn die Akzeptanz fehlt, von Freunden oder auch von der Familie, wird das die Zahl der Berufungen bzw. derer, die ihr tatsächlich folgen, sicher nicht steigern.
Schade - ich finde Ordensleute etc. ziemlich cool, weil sie einfach ein Zeichen setzen, daß es noch mehr gibt als die heutige 08/15-Gesellschaft.

Lauda Sion hat gesagt…

Mich hat gestern jemand aus der Freikirche (dessen Hintergrund ich kenne) um Rat gebeten (zwecks Ordensleben. Im Gegensatz zu den Erfahrungen, die ich auch kenne, dass Leuten davon abgeraten wird, wurde ihm ungeprüft gesagt, er hätte eine Berufung (von der selben Person, die mir aus persönl. Interessen gesagt hat, ich hätte eine Berufung in eine bestimmte Richtung...und so wie noch in einem anderen seiner "Fälle" darf ich nun die Scherben hinter ihm aufsammeln. TZzzz. Ich glaube es ist fast besser für gute geistl. Begleiter zu beten, als für Berufungen.(nicht das es nicht jetzt schon auch gute gibt) Vielleicht, dass Gott sie zusammenbringt...
Wobei Widerstand und schlechte Erfahrungen mir einzelnen eine wirkliche Berufung vermutlich eher stärken als schwächen.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist die Frage, Lauda. Bei erwachsenen Menschen und einer bereits ausgeprägten Entscheidung mag das so sein, bei ganz jungen oder solchen, die erstmal noch Suchende sind, können dediziert negative Reaktionen schon stark verunsichernd wirken.

Gute geistliche Begleitung ist schon wichtig, warum aber müssen wir es den Suchenden und Tastenden oft so unnötig schwer machen?

Lauda Sion hat gesagt…

Ich denke das Problem ist, dass man nur überzeugen kann, wenn man selber von etwas überzeugt ist und da hier größtenteils die Überzeugung herrscht, dass der Zölibat/ die Sakralität der Weihe/ Kirche/ des Glaubens...obsolet ist, wundert es mich nicht, dass die Kirche an Ausstrahlung verloren hat. Aber es macht mich auch unheimlich traurig und wütend.
Wird Zeit, dass Jesus wiederkommt...

Braut des Lammes hat gesagt…

Das mit der Überzeugungskraft empfinde ich schon auch so. Andererseits, es gibt doch Menschen, bei denen die Berufung überzeugend gelebt wird, warum bittet man die nicht, wenn man sich schon selbst nicht in der Lage sieht? Weils nicht wichtig erscheint? Warum nicht? Fragen über Fragen…

Lauda Sion hat gesagt…

Als wir damals mit unserer CE Gruppe anfingen sagte der Pfarrer im Pastoralteam "das wird von uns nicht unterstützt, gefördert und es wird keine Werbung dafür gemacht"

Vermutlich wollen sie nur die Leute in kirchl. Positionen, die ihrem Welt/ Glaubensbild zuwider sind, also kein Platz für "Frömmelnde" "Rückwärtsgewandte""Ewiggestrige"

Obwohl die CE - nur so nebenbei -gar nicht rückwärtsgewandt ist, aber eben das Sakrale/ Übernatürliche unseres Glaubens u. der Kirche nicht leugnet.

Egal, dann wirken wir eben ohne kirchl. Amt. Unabhängig von einer Arbeitsstelle kann man Dinge sowieso etwas unorthodoxer angehen (wenn es darauf ankommt)

Lauda Sion hat gesagt…

Update: mein Pastor sagte, dass z.B. diese Aktionstage am Sonntag des Guten Hirten zum Schluss gar nicht mehr angenommen/besucht wurden.Zumindest in unserem Bistum.

Wenn du magst, kannst du mit mir für den oben erwähnten Bekannten beten. Ich weiß nicht, ob es wirklich seine Berufung ist, aber er war schon mal in Marienau und würde gerne zu den Kartäusern :)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...