Samstag, 27. April 2013

Alter your view – Benedikt, Franziskus

Im Kommentarbereich zu dem Stilleben mit Gänseblümchen und Papstbüchern fragt eine Leserin, wie es mir mit Papst Franziskus so ginge? Offen gestanden, so genau weiß ich das auch noch nicht, ich bin innerlich noch am Sortieren. Die (zutreffende) Aussage: „Mir fehlt Benedikt!“ wäre nur bedingt eine über Papst Franziskus. Ich fremdle noch ein wenig. Mir ist aufgefallen, daß ich immer noch kurz irritiert bin, wenn im Hochgebet in Gemeinschaft mit unserem Papst Franziskus gebetet wird, weil ich an dieser Stelle innerlich die Worte in Gemeinschaft mit unserem Papst Benedikt erwarte. Bei Papst Johannes Paul II. war es, obwohl dieser ungleich viel länger Papst war, nicht so, da war mir mit unserem Papst Benedikt sofort ganz natürlich, vertraut und lieb. Ob das damit zusammenhängt, daß man sich über einen längeren Zeitraum und auf die natürlichste Weise von Papst Johannes Paul II. Abschied nehmen konnte – er starb und wurde feierlich beigesetzt – oder womit sonst, ich weiß es nicht.

Außerdem ist mir angesichts mancher Auseinandersetzungen und Polarisierungen – für die Papst Franziskus allerdings sämtlich wenig kann – zur Zeit oft danach zumute, die Bachsche Kantate Ich habe genug anzustimmen. Wiewohl ich es schön finde, wenn die Menschen etwas Positives über Papst Franziskus zum Ausdruck bringen möchten, hab ich es etwas über, daß es so oft auf Kosten des Pontifikats Papst Benedikts oder in einer Gegenüberstellung scheinbarer Gegensätze getan wird: ich deutete es schon mal an.

Das tagesaktuelle Referieren über Socken und Weihwasser bei der Fußwaschung ist ja nur einer von mehreren solchen Anlässen. Etwas leid bin ich etwa die Lobgesänge darauf, daß Papst Franziskus den Altar Pauls VI. sehr schnell wieder in der Sixtina hat aufstellen lassen, stets verbunden mit dem Hinweis, daß er daran die Messe „mit dem Gesicht zum Volk“ zelebriert habe. Was im übrigen auch Benedikt nach seiner Amtseinführung getan hat: an demselben Altar in derselben Zelebrationshaltung. Aber wenn zwei dasselbe tun, ist es scheints noch lange nicht das gleiche.

Es gibt Sentenzen, bei denen ich meist dann doch nichts sage, weil der Kontext es nicht hergibt, bei denen ich aber das Gefühl habe, eines Tages mutiere ich nochmal zu diesem roten Brief aus Harry Potter, der am Ende sein Bändchen als Zunge herausstreckt – bäääh! Eine davon ist „mit dem Rücken zum Volk“. Mit diesem Ausspruch wird verschiedentlich auch der Altar in der Unterkirche der Kathedrale bedacht oder soll den Leuten so sogar madig gemacht werden. Persönlich habe ich an diesem Altar die Zelebrationsweise zum Herrn hin (versus Deum) wirklich schätzen gelernt – es scheint oft soviel gesammelter. Die Hostie sehe ich bei der Erhebung der Gaben übrigens trotzdem gut[1]. Und was das mit dem Rücken immer soll: ins Gesicht schaue ich dem Priester bei der Elevation der Gaben auch nicht lieber, im Gegentum.

Der Altar ist der Ort, an dem uns der Zelebrant zur Begegnung mit dem sakramentalen Christus führt. Daher möchte ich bei solchen Auslassungen zur Zelebrationsrichtung immer fragen, was habt ihr denn nur immer mit diesem Rücken? Wir kommen doch nicht zur Messe, um uns die Vorder- oder Rückseite eines Menschen anzusehen, wir kommen, um uns Gott selbst zuzuwenden und ihm zu dienen.

Überhaupt hat Benedikt vergleichsweise selten die Messe selten ad orientem – nicht: „mit dem Rücken zum Volk“ – gefeiert, meist geschah dies in der Sixtinischen Kapelle am Hochaltar vor dem Fresko des Jüngsten Gerichts. Wohl hat er Wert darauf gelegt, daß bei den seinen Messen auf dem Altar Kreuz und Leuchter in der traditionellen Anordnung stehen, zu Recht, die Messe ist die Vergegenwärtigung des Opfers Christi am Kreuz. Jedenfalls wünschte ich mir jedes Mal, wenn ich so etwas lese, ich könnte dazu anmerken, daß Papst Benedikt die Messe gemeinsam mit der Gemeinde zu Gott hin gerichtet gefeiert hat.

Vielleicht hilft mir die Auseinandersetzung mit den Büchern des neuen Papstes, die mich letzte Woche schließlich erreicht haben[2], etwas gegen das „Fremdeln“. Andererseits: einen Verlust kann man durchaus als Verlust bezeichnen und muß ihn erstmal verarbeiten. Der Rücktritt Benedikts XVI., wiewohl ich ihn menschlich verstanden habe, ist ein Verlust für die ganze Kirche, den es gilt, auszuhalten.
___
[1] Es sei denn, ein Diakon gibt genau an der Stelle und für diese Seite der Kirche den unverrückbaren Felsblock…
[2] Vielen Dank, liebe streikende Postboten.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"Andererseits: einen Verlust kann man durchaus als Verlust bezeichnen und muß ihn erstmal verarbeiten. Der Rücktritt Benedikts XVI., wiewohl ich ihn menschlich verstanden habe, ist ein Verlust für die ganze Kirche, den es gilt, auszuhalten."

Schön gesagt, mir geht es auch so.
Und ja, es tut mir immer noch weh!

aventina

Eugenie Roth hat gesagt…

MERCI!!!

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...