Mittwoch, 20. März 2013

Von roten Schuhen, goldenen Gewändern und Wesentlicherem

Die päpstlichen Schuhe Pius’ XII.
Mit der Amtseinführung Papst Franziskus’ kehrt wenige Tage vor dem Beginn der großen Heiligen Woche vielleicht wieder ein Stück Normalität ein. Wir haben wieder einen Papst (ein Katholik ohne Papst kommt mir vor wie ein Fisch auf dem Trockenen).

Auch stört mich das mediale Sich-überschlagen in Vergleichen in den letzten Tagen, bei dem die Art Papst Franziskus’, sich zu geben und zu kleiden – die ich keineswegs herabsetzen will, Anspruchslosigkeit ist etwas Erfrischendes – stets im Hinblick auf Benedikt XVI. hervorgehoben wurde. Als wenn Benedikt jetzt in Pomp und Prunk, so liest es sich, regiert und gehaust hätte. So durfte ich gestern zu meinem Erstaunen und einer gewissen Belustigung einen Fernsehkommentar hören, der zur Fahrt des Papamobils über den Petersplatz unterlegt wurde. Auftritt Papst Franziskus in weißer Soutane und Pileolus: „Während sein Vorgänger im goldenen Gewand…“ Also, na sag mal, ich wüßte nicht, daß Benedikts Soutane und Pileolus golden gewesen wären. Im Unterschied zum Ablauf machte Papst Franziskus die Fahrt im Papamobil vor dem Gottesdienst, Benedikt unmittelbar danach, noch in Meßgewand und Mitra. Offen gestanden, hat mir persönlich das goldene Meßgewand um Längen besser gefallen als das gestrige mit den Streifen. Tut nichts, ich muß beides nicht anziehen. Auch hab ich mich eher auf die jeweiligen Predigten konzentriert.

Daniel Deckers von der FAZ ist für meinen Geschmack hier jedenfalls deutlich übers Ziel hinausgeschossen:
Der Karneval sei vorbei, so beschied der Papst schon wenige Minuten nach seiner Wahl all jene, die in den acht Jahren des Pontifikats von Papst Benedikt sich nicht genug an weißen Spitzen, rotem Leder und allerlei Kopfputz ergötzen konnten. Stattdessen ein schlichtes weißes Gewand, ein blechernes Kreuz und dazu Schuhe, die schon die staubigen Straßen der Armen gegangen sind. Schluß auch mit der höfischen Aura der Unnahbarkeit. Der Mann, der sich mit dem Namen Franziskus eine fast utopische Last auferlegt hat, hält es bislang mit nur wenigen der vielen Titel des Papstes. „Stellvertreter Christi“ ist nicht darunter. Als Bischof von Rom läßt er sich auf den Straßen der Stadt sehen, als Diener der Diener Christi bittet er um das Gebet für seinen Dienst.
Liebe Güte, ich gehöre auch zu denen, die „sich nicht genug an weißen Spitzen, rotem Leder und allerlei Kopfputz ergötzen“ konnten. An der Samtmozetta mit weißer Einfassung übrigens auch. (Den Camauro fand ich von der Form her eher ungünstig, die Idee aber nett. Vielleicht war ihm schnell kalt.) Ich hab sogar einen eigenen Ordner mit Benediktbildern auf meiner Festplatte, nur zum Drinschwelgen. Und was ist daran jetzt schlecht? Gott hat das Schöne geschaffen, damit wir uns daran erfreuen.

Solche Dinge sind nicht ausschlaggebend, wenn ich aber die Wahl habe, zur Ehre Gottes etwas Schönes, etwas Zweckmäßiges oder auch etwas Häßliches zu tragen, würde ich mich im Zweifelsfall für das entscheiden, was schöner ist oder was ich schöner finde. Es ist ja nicht so, daß diese Sachen eigens angeschafft wurden, sie sind nur einfach aus dem Vorhandenen herausgesucht worden. Den Geist der Armut verletzend fände ich eigentlich eher, wenn man neue Sachen anschafft, weil die bereits vorhandenen nicht ärmlich genug scheinen (im Karmel hieß das, man nimmt das, was einem gegeben wird und versucht nicht, es gegen etwas auszutauschen, das gebrauchter ist oder aussieht. Sowas kann übrigens auch eine Versuchung sein). Weiter gehts im Text: „ein blechernes Kreuz und dazu Schuhe, die schon die staubigen Straßen der Armen gegangen sind.“ Das Kreuz ist eisern – Tertullian sah übrigens Eisen und Messing als viel edler an als Gold und Silber  – und die Schuhe sind schwarz. Was ist jetzt an roten Schuhen anders als an schwarzen, außer daß die einen rot sind und die anderen schwarz? Es ist ja nicht so, daß die roten ausgesehen hätten wie die von Judy Garland oder besonders kostbar gewesen wären. Aktuell trägt der Papa emeritus braune. Die sind dann halt braun. Mei. Allenfalls könnte man anführen, daß der Papst nach alter Tradition rote Schuhe trägt, insofern braucht es erst einmal den Aufwand zu sagen, das mache ich jetzt nicht oder von mir aus, ich breche mit dieser Tradition. Im Grunde ist es aber nichts, woraus man einen Fetisch machen muß.

Zum Schluß noch „die höfische Aura der Unnahbarkeit“. Du lieber Himmel, Josef Ratzinger ist ein schüchterner, zurückhaltender Gelehrter, der als Papst in geradezu reizender Weise aus sich herausging, ich hätte das vorher nie so gedacht. „Höfische Unnahbarkeit“, also, da gibts andere, es ist jedenfalls keine Vokabel, die ich auch nur im entferntesten auf Benedikt XVI. angewandt hätte. Ist so schnell schon alles vergessen oder wollen Deckers et al. es vergessen machen?

„Als Diener der Diener Christi bittet er um das Gebet für seinen Dienst“ – das hat auch Benedikt getan und den Gläubigen in rührender Weise dafür gedankt. Bleibt noch der Stellvertreter Christi. Der Papst ist Stellvertreter (Vicarius) Christi und Diener der Diener Gottes, der das Gebet der Gläubigen braucht. All das war von jeher so und daran hat sich nichts geändert.

Kommentare:

Joahnnes hat gesagt…

Danke für das Posting. Für mich können die hohen Herren auch nicht prunkvoll genug daherkommen, und wenn sich das mit persönlicher Schlichtheit paart, macht sich das erst recht gut. Aber wenn der neue Wind jetzt etwas (!) anders weht, was solls? Werden wir eben das lieben lernen.

Maid of Montserrat hat gesagt…

Danke auch von mir für den Text! Irgendwie braucht die Presse halt Helden, und um die zu kreieren, braucht man eine Negativ-Folie, die man gerne im Vorangehenden sucht (weil man den Papst eben nur mit seinen jeweiligen Vorgängern vergleichen kann) und sich entsprechend zurecht zimmert. Es tut schon weh, wenn der demütige und zurückhaltende Benedikt derart verzeichnet wird. Das war allerdings am Anfang auch anders, da wurde seine schlichte Lebensführung ungemein hervorgehoben, im Unterschied zu seinem Vorgänger, versteht sich …

Braut des Lammes hat gesagt…

Daran kann ich mich gar nicht erinnern. Was ich noch weiß, ist, daß ich seinerzeit den SPiEGEL mit dem neugewählten Benedikt vorne drauf im Marktkorb liegen hatte. Eine Kollegin meinte daraufhin sagen zu müssen, aber der Benedikt kleide sich doch viel prächtiger als der Vorgänger und ich daraufhin "Das gefällt mir gerade".

Maid of Montserrat hat gesagt…

Ja, zumindest die Artikel in der Süddeutschen gingen in die Richtung "Ach, der ist ja gar nicht so …" und waren überrascht von seiner Glaubwürdigkeit und Bescheidenheit – als hätte man das nicht auch schon vorher über ihn wissen können …

Klemens hat gesagt…

Danke für das gute Posting... mit liegt es seit Tagen auf der Zunge... aber als PAK (was für eine bezeichnende Abkürzung für uns Priesteramtskandidaten), muss ich mich da wohl etwas zurückhalten... ;)
Mir geht der oberflächliche Hype um Franziskus und das Benedikt-und-alles-was-mit-ihm-zu-tun-hat-Bashing ziemlich auf die Nerven!

Von daher ein herzliches vergelts Gott!

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich nehme einfach nie die Abkürzung ;) Als das bei uns mal jemand abgekürzt hat, hab ich schon gestaunt. .oO(Pack, was denn für ein Pack?) – ausgesprochen find ichs aber besser als „Priesterkandidat“.

Klemens hat gesagt…

Ja, ich nutz die abkürzung auch nie... und priester...kandidat finde ich auch komisch...

das problem ist, dass die meisten nicht mehr wissen, dass das amt vom dienen kommt und nur noch an "die böse amtskirche" (so ein schwachsinn...) denkt...

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