Sonntag, 24. März 2013

Singt dem König Freudenpsalmen – Palmsonntag

Singt dem König Freudenpsalmen, Völker, ebnet seine Bahn: Salem, streu ihm deine Palmen, sieh, dein König kommt heran! Dieser ist von Davids Samen, Gottessohn von Ewigkeit. Der Da kommt in Gottes Namen, er sei hochgebenedeit!
David sah im Geist entzücket den Messias schon von fern, der die ganze Welt beglücket, den Gesalbten, unsern Herrn. Tochter Sion, streu ihm Palmen, breite deine Kleider aus, sing ihm Lieder, sing ihm Psalmen, heut beglücket er dein Haus.

Sieh, Jerusalem, dein König, sieh, voll Sanftmut kommt er an; Völker, seid ihm untertänig, er hat allen wohlgetan! Den die Himmel hoch verehren, dem der Chor der Engel singt, dessen Ruhm sollt ihr vermehren, da er euch den Frieden bringt!

Die heutige Palmprozession wird glaub ich, als „die Frostige“ in die Annalen des hiesigen Hauses eingehen (und wohl auch die einzige, bei der bei einer Windbö ums Haar ein Domkapitular von einer Liedertafel erschlagen worden wäre). Temperaturen um -10 °C und ein frischer Nordostwind, da hab ich mich schon gewundert, daß den Bläsern die Hörner nicht eingefroren sind. Jedenfalls konnten wir uns im Geiste schon bei der Palmweihe mit den Leiden des Herrn etwas vereinigen, beziehungsweise, wer noch etwas aufzuopfern hatte… Wissenschaftlich festzustellen ist jedenfalls: auch bei arktischen Temperaturen frieren Finger nicht am Silberleuchter fest. Schön ist, daß all sowas in der großen Liturgie des Palmsonntags schon beim Gesang von …er hat allen wohlgetan völlig untergeht.

Beide Messen, die ich mitgefeiert habe, waren auf ihre Weise schön und gnadenreich. Die Palmweihe mit Prozession ist natürlich unvergleichlich, ohne geht gar nicht. Die Vorabendmesse gestern war von großer Ruhe erfüllt und daher gnadenreich. Sicher lag es vor allem an der Ruhe des Zelebranten, der sich die Zeit genommen hat, mit uns zu den Altarstufen zu gehen und sich dort einige Zeit zur Gebetsstille niederzuknien. (Es sieht sonst immer ein wenig so aus, als wenn man vor seinem Mikrophon kniet). Es sind überraschend viele, vor allem junge Leute gekommen, die während der gesamten Lesung der Passion bis zum Augenblick des Niederkniens gestanden haben. (Warum das Lektionar vorsieht, daß man zumindest bei Lukas auch dann noch auf der Bank sitzen soll, wenn der Herr bereits am Kreuz hängt, weiß ich wirklich nicht. Irgendwie schön, daß sich keiner dran gehalten hat. Ich hab es erst in dem Moment bewußt wahrgenommen, als ich bei der Rubrik hier stehen alle auf von der Passion hochsah.)

Nachdem ich die Leidensgeschichte des Herrn nun mehrmals mitgelesen habe, kommt mir immer mehr wie eine besondere geistliche Erfahrung vor. Vielleicht liegt es an der Atmosphäre, vielleicht daran, daß es etwas anderes ist, solche Worte laut und in Ruhe zu lesen als sie im Stillen zu meditieren. Ich weiß es nicht und will es auch gar nicht zergliedern. In jedem Jahr bleiben die Gedanken vielleicht an etwas anderem hängen: in diesem fiel mir Pilatus besonders auf (der mir sowieso immer mehr wie ein Getriebener scheint – getrieben zu etwas, das er eigentlich nicht will). Dreimal – auch hier eine Dreizahl, wie bei der Verleugnung des Petrus – will er den Hohenpriestern und dem Volk ausreden, Jesus kreuzigen zu lassen. Sie aber beharren darauf. Mich hat das ungeheuer bestürzt, dieser Starrsinn, das Verharren im Bösen: Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; ihr aber habt nicht gewollt.

Wie kann so etwas passieren in einer einzigen Woche? Zuerst der Einzug in Jerusalem, anders als gedacht, nicht in königlichem oder militärischen Prunk, sondern auf einem geliehenen Esel. Trotzdem wird er wie ein König gegrüßt und die Menschen breiten ihre Kleider vor Jesus aus, auf daß er auf dem kleinen Eselchen darüber reite. Und dann: Das Königszepter gab ich dir, du gibst die Dornenkrone mir. Ich gab dir Gnaden ohne Zahl, du schlägst mich an des Kreuzes Pfahl.

Vom Singt dem König Freudenpsalmen zum Popule meus – das ist der Weg, den wir mit Jesus in dieser Woche gehen. Daß mir das Verhalten der Menschen in Jerusalem im Jahre 30 oder 33 nach Christi Geburt womöglich immer unverständlicher erscheint, macht die Essenz der Heiligen Woche umso bestürzender und zugleich beglückender: Christus hielt nicht daran fest, wie Gott zu sein. Er erniedrigte sich und starb für uns den Tod am Kreuz.

1 Kommentar:

Simplicius hat gesagt…

Der Eintritt auf einem Esel hat, trotz seines bescheidenen Auftretens, noch eine zweite, sehr königliche Bedeutung.
So wurde bereits in Sacharja 9,9 prophezeit: "Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel und auf einem jungen Füllen der Eselin". So ritten auch schon Abraham, Moses und Abimelechs Söhne einen Esel. Ganz besonders königlich ist es bei David, der nicht nur selbst einen Esel ritt, sondern auch Salomon einen Esel reiten ließ, um zu zeigen, dass er sein Nachfolger werde.

Wie immer vielen Dank für die schönen Beitrage! :)

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