Dienstag, 19. März 2013

Narden, Verschwendung und Zärtlichkeit

Die Sache mit dem Papstwappen hat mich ja ikonographisch ein klein wenig beschäftigt. Daß der Stern wahrscheinlich ein Symbol der Gottesmutter ist, die wir auch unter dem Attribut Stern des Meeres verehren, lag nahe. Das Büschelchen unten rechts ist keine Weintraube, wie man zuerst vielleicht meinen könnte, und anscheinend auch kein Lavendel, bei dem ich vergeblich einen Bezug zum hl. Josef gesucht hatte, sondern eine Nardenblüte. Die Nardenblüte ist aber dennoch ein Attribut des hl. Josef, denn in der im spanischen Raum verbreiteten Ikonographie trägt der Heilige scheints statt einer Lilie oft einen Nardenzweig in der Hand.

Der Heilige Vater führt also, nimmt man das Christusmonogramm über Stern und Narde hinzu, im Prinzip die ganze Heilige Familie im Wappen.

Bei Nardenblüten denkt man unwillkürlich an das wunderbare Evangelium über die Salbung der Füße Christi mit kostbarem Nardenöl –, eine verschwenderische Geste, die sogleich angegriffen wird, deren Schönheit aber eben gerade in dem uneigennützigen Sichverschwenden liegt.

Schon damals wurde dieses Zeichen nicht verstanden und es wird es bis heute nicht. Die Kirche hat zum Ausdruck gebracht, daß im Leben und Dienst der gottgeweihten Menschen ein ähnliches Sichverschwenden zum Ausdruck kommt, wie in der Geste bei der Salbung von Bethanien: Aber von diesem „verschwendeten“ Leben verbreitet sich ein Duft, der das ganze Haus erfüllt.

Die Frau mit dem Salböl denkt nicht an die Umstehenden und ihre Reaktionen, es ist eine überströmende Geste der Liebe und Zärtlichkeit. So hat der Heilige Vater in seiner Predigt zum Amtsantritt seinen Ausführungen über das Wesen der Liebe jenes Heiligen, den Gott zum Hüter der Heiligen Familie wie der Kirche bestimmt hat, angefügt, daß es dazu auch Güte, ja, Zärtlichkeit des Herzens braucht:
Das sich Kümmern, das Hüten verlangt Güte, es verlangt, mit Zärtlichkeit gelebt zu werden. In den Evangelien erscheint Josef als ein starker, mutiger, arbeitsamer Mann, aber in seinem Innern zeigt sich eine große Zärtlichkeit, die nicht etwa die Tugend des Schwachen ist, nein, im Gegenteil: Sie deutet auf eine Seelenstärke hin und auf die Fähigkeit zu Aufmerksamkeit, zu Mitleid, zu wahrer Öffnung für den anderen, zu Liebe. Wir dürfen uns nicht fürchten vor Güte, vor Zärtlichkeit!

1 Kommentar:

Ashmodiel hat gesagt…

Das ist so wunderschön ausgedrückt.

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