Donnerstag, 7. März 2013

Jetzt leide ich, dann aber wird ein anderer für mich leiden – hll. Perpetua und Felicitas

Vor einigen Tagen schrieb ich, daß wir über das Leben und Sterben vieler frühchristlicher Märtyrer nur noch das Wesentlichste wissen: sie gaben ihr Leben für Christus. Von einer der Märtyrinnen, die die Kirche heute feiert, ist uns dagegen ein Zeugnis von eigener Hand überliefert, darüber hinaus das ihres Lehrers und anderer, die sie kannten. Die Namen dieser heiligen Märtyrinnen gehören zu jenen, die im Kanon des römischen Hochgebets genannt werden: Perpetua und Felicitas. Die Passio Sanctarum Perpetuae et Felicitatis wurde in vergangenen Jahrhunderten sogar in der Liturgie der Kirche vorgetragen.

Im Jahre 203 entschloß sich eine junge Karthagerin, Vibia Perpetua, Christin zu werden, ungeachtet der Christenverfolgung unter dem Kaiser Septimus. Zwei ihrer Brüder folgten ihrem Beispiel ihrer älteren Schwester und wurden ebenfalls Katechumenen. Ihr Vater war darüber außer sich, Perpetua war erst zweiundzwanzig Jahre alt und hatte einen kleinen Sohn. Aus der Tatsache, daß ihr Mann in den Aufzeichnungen des Martyriums nicht erwähnt wird, schließt man, daß Perpetua Witwe war. Mit vier anderen Katechumenen, Felicitas, Revocatus, Saturninus und Secundulus, wurde Perpetua ergriffen und in den Kerker geworfen. Ihr Katechet Saturus war schon vor ihnen verhaftet worden. Über den überfüllten, heißen und dunklen Kerker hinterließ Perpetua, daß sie „nie solche Finsternis gekannt“ hätte. Am schmerzlichsten empfand sie jedoch die Trennung von ihrem Baby.

Felicitas, eine Sklavin, war im achten Monat schwanger. Auf die Fürsprache zweier Diakone, die die Wachen bestachen, wurden Perpetua und Felicitas an einen anderen Ort im Kerker gebracht. Der Familie Perpetuas erlaubte man, sie zu besuchen, und brachten ihr ihren kleinen Sohn. Mit der Erlaubnis, ihr Kind zu sehen, „wurde der Kerker mit einem Male zu einem Palast für mich“. Ihrem Vater, einem vornehmen Patrizier, der sich ihr sogar zu Füßen warf, um ihre Absicht zu ändern, sagte sie: „Wir stützen uns nicht auf unsere eigene Kraft, sondern auf die Kraft Gottes!“

Nach dem Verhör wurden Perpetua und ihre Gefährten verurteilt, den wilden Tieren vorgeworfen zu werden. Da ein Gesetz verbot, Schwangere hinrichten zu lassen, war Felicitas in Sorge, ihre Gefährten könnten ohne sie das Martyrium erleiden. Zwei Tage vor der Hinrichtung brachte Felicitas ihre Tochter im Kerker zur Welt. Die Wachen verspotten sie in den Wehen, wenn sie jetzt schon so leide, wie werde es in der Arena kommen? Felicitas antwortete ihnen: „Jetzt leide ich, aber in der Arena wird ein anderer mich erfüllen, der für mich leidet, weil ich für ihn leide.“

Von Perpetua ist uns auch ein Beispiel christlicher Keuschheit überliefert: Als sie die Kampfbahn betrat, wurde sie zuerst von einer wilden Kuh angegriffen und mit den Hörnern zur Seite geschleudert. Bei dem Sturz riß ihr Kleid auf. Da zog sie zuerst ihr Kleid zurecht, um ihre Blöße zu verhüllen, denn sie dachte mehr an ihre Ehrbarkeit als an ihren Schmerz.

Die Männer wurden Bären, Leoparden und Wildschweinen vorgeworfen. Über den Anblick Perpetuas und Felicitas, die einer Färse vorgeworfen wurden, entsetzten sich sogar die Römer, die gekommen waren, diesem Spektakel zuzusehen, derart, daß man die Frauen in die Mitte der Arena führte und ihnen, wie ihren Gefährten, die Kehle durchschnitt. Perpetuas letzte Worte waren: „Steht fest im Glauben und liebt einander.“

In der Basilika maiorum in Karthago, die über den Gräbern dieser Märtyrer errichtet wurde, hat man unter dem Epitaph späterer Zeiten die ursprünglichen Grabplatte Perpetuas gefunden: Perpetua, süßeste Tochter. Ein Zeugnis, das zu Tränen rührt: die Märtyrin ruht hier, sie hat gelebt, geliebt und wurde geliebt.

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