Montag, 4. März 2013

Der Ölberg und das Schweigen

Eigentlich ganzjährig, vor allem aber natürlich in der Fastenzeit landen Leute mit der Suchanfrage „Ölbergandacht…“ oder „Ölbergstunde Texte“ bei mir auf dem Blog.

Nun fragt sich mancher, was ist überhaupt eine Ölbergstunde? Es ist die Bezeichnung für die Anbetung, die in der katholischen Kirche nach altem Brauch am Gründonnerstagabend nach der Messe vom letzten Abendmahl stattfindet. Christus setzt zugleich das Sakrament seines Leibes und Blutes ein und das des Dienstes derer, die sie uns reichen, des Priestertums.

Nach dieser Heiligen Messe wird das Allerheiligste aus dem Tabernakel in Prozession und unter Gesang in eine Seitenkapelle oder Krypta gebracht. Dort besteht die Möglichkeit zur Anbetung, oft die ganze Nacht, jedenfalls aber für einen längeren Zeitraum, denn die Gläubigen tun dies in Erinnerung an die Nacht, die Jesus betend in dem Olivenhain am Ölberg verbrachte, und an die Frage, die er seinen Jüngern, die immer wieder einschliefen, stellte: Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?

Dazu, als Wunsch: Leute, laßt das mit den Texten sein! Was ist das nur mit diesen „gestalteten“ oder zugetexteten Ölbergandachten? Hier hatte ich mein Leid ja schon mal geklagt. Persönlich wünsche ich mir einfach nur tiefe Stille vor dem ausgesetzten Herrn − einfache Gesänge stören mich nicht im mindesten. Alles andere braucht es nicht, zumal die Menschen ja gerade aus der Zeichenhaftigkeit und Fülle der großen Liturgie am Gründonnerstag kommen. Auch braucht man den Gläubigen nicht immerzu etwas zu bieten, in der Meinung, sie könnten Stille nicht aushalten. Können sie, sie müssen nur die Möglichkeit haben, sie auch einmal erfahren zu dürfen.

In die Betrachtung eines Bildes wie in die des Leidens des Herrn vertieft man sich am besten in der Stille. Den Herrn selbst findet man am besten in der Stille. Der Psalmist nennt die Stille und das Schweigen das Lob des Herrn. In diesem Falle heißt es wirklich, um es mit der großen Teresa zu sagen, Gott allein genügt.

Kommentare:

Psallite Deo hat gesagt…

Es stimmt, die Leute können leider oft die Stille nicht mehr aushalten. Bei uns ist der Anfang der Anbetung (15-20 Min relativ direkt nach der Messe) mit ein bißchen Gebet, Psalm und Gesang gestaltet, außerdem wird das Evangelium vom Ölberg vorgelesen, was ja in der Messe nicht vorkommt, danach ist stille Anbetung bis 24 Uhr.
Ein ganz guter Kompromiß, finde ich.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist sicher ein Kompromiß, aber Gegenfrage: woher weiß man, daß die Leute die Stille nicht mehr aushalten können bzw. anders gefragt, weiß man es oder vermutet man es nur? An Orten, an denen traditionell tiefe Stille herrscht, manchmal sogar außerhalb der Liturgie mehrere Tage, empfinden die Gläubigen die Gebetsatmosphäre oft besonders intensiv.

Anonym hat gesagt…

Hallo,liebe Braut,
es gibt sicher viele, die die Stille nicht aushalten. Aber es kann ja nicht die Lösung sein,jetzt alle Stille vollzutexten... es gibt leider immer weniger Stille und den Leuten wird nicht die Möglichkeit gegeben, da ein neues Verhältnis zu zu finden. Denn du hast ganz schön und richtig gesagt: Den Herrn findet man am besten in der Stille.
Liebe Grüße, Nicole-Mathea

Psallite Deo hat gesagt…

Ich merke es, wenn wir beim Taizé-Gebet mal 5 Min. Stille halten. Nach einer Min. fängt es an zu rascheln etc., wenn man über den Punkt drüber ist, geht es noch ein paar Minuten gut, aber man merkt, daß die Leute darin nicht trainiert sind. Oder daran, wenn ich zwischen dem Orgelspiel zur Kommunion und dem Danklied ein bißchen warte, daß der Lektor nach vorne rennt und mit dem Publikandum beginnt.
Ich glaube, Stille braucht ein bißchen Anleitung und auch Übung - ist zumindest meine Erfahrung.

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