Sonntag, 3. März 2013

Das neue Gotteslob diagonal kommentiert

Mit der Einführung des neuen Gotteslobs geht für die wohl allermeisten von uns die Zeit zu Ende, in der man sich ein Vergnügen oder einen Sport daraus machen konnte, zu einer Nummer jeweils das Lied zu wissen oder auch umgekehrt. 303, 258, 472, 516, 550 – sie alle verbinden sich mit heißgeliebten Liedern, während man mit den neuen Nummern wahrscheinlich erst einmal orientierungslos im Inhaltsverzeichnis herumtappt. Immerhin brauchen wir uns am hiesigen Hause keine neue Liedanzeige für vierstellige Angaben zulegen, wir haben so eine süße Magnettafel, deren Schublade für die Ziffern mich immer an den Buchstabensetzkasten erinnert, den ich in der Grundschule hatte. Ich nehme aber an, es wird nicht lange dauern, bis man nummernmäßig wieder eine ähnliche Orientierung hat wie jetzt, etwa 5… – Christuslieder, 1… Advent, 2… Fastenzeit, Ostern etc.

Mit dem Gotteslob, so wie es jetzt ist, bin ich in der katholischen Kirche „groß geworden“, es ist das Gesangbuch, aus dem ich mir seinerzeit angelesen habe, was man in der Messe und in der Liturgie der Karwoche so tut, aus dem mein erster Gemeindepfarrer so gern und herzhaft die mit ℣ bezeichneten Stellen vorgeschmettert hat, und so tut es mir leid, es scheiden zu sehen.

Ein „Ach du liebes bißchen!“ gabs schon für den neuen Einband – wer hat sich denn da verwirklicht? Zum einen die Farbe: ist es nun Mausgrau, Staubgrau, Aschgrau, Steingrau, Bleigrau oder Zementgrau? Ich sag lieber nicht, was mir zu dem Zeichen auf dem Einband eingefallen ist, das hat, glaub ich, schon mal einer mißverstanden – ich befürchte allerdings, es könnte des Illustratoren Vorstellung von einem Kreuz sein. Was ist denn an einem normalen Kreuz, sei es nun griechisch oder lateinisch, auszusetzen, daß es ein solches werden mußte? Wie ich gehört habe, liegt die endgültige Umschlaggestaltung allerdings bei den einzelnen Bistümern, ich hab nur so im Gefühl, bei uns wirds dann doch dieser. Nachdem ich mittlerweile gesehen habe, daß von vornherein und als Zubehör Hüllen in schwarz und mit Kreuz drauf angeboten werden, geht mir, glaub ich, ein Licht auf. Für nur 14,95 Euronen mehr sähe das Gotteslob dann wieder so aus, wie es zuvor schon einmal war. Ah, ja.

Es wird den meisten wohl ähnlich gehen, einige der persönlichen Lieblingslieder sind wieder drin, andere leider draußen. 642 (Eine große Stadt ersteht), eines meiner liebsten Lieder, ist wieder drin. Schade finde ich, daß anscheinend viele Lieder rausgeflogen sind, die zu Märtyrer-, Jungfrauen-, oder Engelfesten gesungen werden und die ich dem ewigen 608 bei weitem vorziehe. Nicht mehr drin sind etwa 611, Im Jubel, Herr, wir dich erheben, das ich sehr mag, und 606, Unüberwindlich starker Held. Heul. 609, Sankt Josef, Sproß aus Davids Stamm, 610 Gelobt sei Gott in aller Welt – ein Apostellied – und 612, Herr sei gelobt durch deinen Knecht – eines für Bekenner – sind ebenfalls dahin, während das unvermeidliche Ihr Freunde Gottes allzugleich natürlich wieder drin ist.

Schade eigentlich, was mag wohl die Entscheider dazu bewogen haben? Daß 613 nicht mehr drin sein würde, damit hatte ich schon gerechnet, dieses Lied finde ich auch eher vom Text her schön, als von der etwas schräg komponierten Melodie. Trotzdem, es ist bzw. war das einzige Jungfrauenlied im ganzen Gotteslob. Auf der einen Seite heißt es dauernd, die Frauen müssen in der Kirche… et cetera, und dann kommen sie nicht einmal mehr als Jungfrauen im Xangbuch vor. Zeichenhafte Liebe der scheinbar Törichten und die Nachdichtung des Apostels Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme erschienen womöglich nicht hip genug. Lieber noch einen weiteren Kanon, den eh ein jeder auswendig kennt. Für Herr, bleibe bei uns braucht man doch kein Gesangbuch! Der wunderbare und ruhige Kanon Wer mein Fleisch ißt, den man fast meditativ zur Kommunionausteilung singen kann, hat es dagegen nicht ins Gotteslob geschafft.

Das schöne alte Wallfahrts- und Prozessionslied 303, In Gottes Namen fahren wir, ist jedenfalls dahin, ich hoffe, es lebt in unserem regionalen Anhang fort. Wirklich schade. Daß Befiehl du deine Wege von Paul Gerhard nun drin ist, find ich wiederum wirklich schön, es war mir gar nicht recht bewußt, daß es nicht im Gotteslob steht. Auf Christ, you are my life hätte ich dagegen frohen Herzens verzichtet. Na ja, allen Leuten recht getan ist eine Kunst, die niemand kann.

Die Aufregung und die vorherigen Verhandlungen um die Oosterhuischen Lieder konnte ich nie so recht nachvollziehen, jedenfalls sind auch sie wieder drin. Oosterhuis kann man finden wie man will, ich bin ihn gewöhnt, mein alter Pfarrer aus Kindertagen hat ihn gerne singen lassen, etwa Herr, unser Herr, wie bist du zugegen, das hierzukirch kaum gesungen wird. Oosterhuis widersteht mir nur in einem Moment: wenn ein Priester, den ich in der Beziehung absolut nicht begreife, Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr zum Auszug ansetzt. Da stehen wir dann vor dem Tabernakel, Wohnsitz dessen, der unser Leben trägt und nährt und uns soeben gespeist hat, und singen: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr. Nein, das paßt für mich beim besten Willen nicht. Aber dafür kann Oosterhuis nichts.
Sprich du das Wort, das tröstet und befreit,
und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt
und laß mich unter deinen Kindern leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete. 
Das wiederum finde ich schön, und es ähnelt einem Wort Benedikts XVI. zur diesjährigen Fastenzeit sehr ähnlich, der gesagt hat:
In der Fastenzeit lernen wir, dem Gebet, dem persönlichen wie auch dem in der Gemeinde, genügend Zeit zu widmen; denn das Gebet ist der Atem unseres Geisteslebens.

Kommentare:

Annuntiator hat gesagt…

Sag mal, hast du wirklich das neue Gotteslob in den Händen gehabt oder das Handbuch für den neuen Adobe Reader? Das Bild auf dem Umschlag erinnert mich stark daran. Mir graust echt vor dem neuen Buch. Hoffentlich gibt es sofort Schutzhüllen zu kaufen, mit gescheiten Bildern, damit man dieses nicht sehen muß.
Das 609-612 nicht mehr drin sind, ist ein Verlust. Gibt es es wenigstens gescheite Ersatzlieder?

Psallite Deo hat gesagt…

Wie kommt man denn jetzt schon an das Buch dran?

Bei uns wurde zwar mal gefragt, wie viele Gemeindeexemplare wir benötigen, ich hab auch schon gelesen, daß die Pfarrer/Seelsorger (die Kirchenmusiker interessanterweise nicht) bis Ende Februar schon eins bekommen haben sollten, aber wirklich gesehen habe ich noch keins.

Wirklich schade, das Jungfrauenlied oder auch 610 - die Melodien sind zwar nicht so der Hit, aber ich spiele 613 auf Mel. 261 und 610 auf Mel. 249 - klappt wunderbar. 611 gibt´s keine andere Melodie zu, daher spiele ich es eigentlich nie, aber der Text gefällt mir auch.

Ich hoffe, daß es die Bach-Version von Ich steh an Deiner Krippen hier geschafft hat...

Anonym hat gesagt…

Äh warum werden Jungfraulieder herausgeworfen und an andere Stelle macht man sich Gedanken, wie die Frau mehr Aufgaben in der Kirche übernahmen kann? Also doch eine Diskriminierung der Frau? Oder nur der Jungfrau?

Ashmodiel hat gesagt…

Mir tut es sehr leid, das alte Gotteslob scheiden zu sehen. Noch dazu habe ich um meines noch immer meinen weißen Umschlag von meiner Erstkommunion mit einem goldenen Kreuz darauf. :)
Ob der auf das neue nun passt? Zur Umschlagsgestaltung fällt mir persönlich Loriot mit seinem frischen Steingrau ein.

chiqitac hat gesagt…

Mich würde auch interessieren, woher man schon herausbekommen kann, welche Lieder "drin" und welche "draußen" sind... - schließe mich weiterhin mit einem entschiedenen "mausgrau" an - und dann noch mit meinen bisherigen Lieblingsliedern: 558, 257 und 258.
(und der Hoffnung, dass es schöne Umschläge gibt - wobei ich an meiner bisherigen "normalen" GL-Ausgabe (BRAUN!) gerade geschätzt habe, dass sie auch ohne Einband auskommt...

Braut des Lammes hat gesagt…

Es war das Ansichtsexemplar des hiesigen Hauses, das ich da kommentiert hatte, darum auch der Zusatz "diagonal", die Dinge neben der Liedauswahl konnte ich mir noch gar nicht richtig ansehen.

Zubehör gibt es jetzt schon, etwa beim hinterlegten Link. Ansonsten werden sich sicher auch die einschlägigen Händler wieder drauf einstellen. Zur Not schlage ich das Buch in Papier ein, falls ich mir überhaupt ein eigenes zulege.

Vom Lied Ich steh an deiner Krippen hier ist im Stammteil nur eine Version, welche das ist, weiß ich jetzt nicht, die andere stand bisher in unserem Anhang.

Da es eine Fülle an mir bisher nicht bekannten Liedern (und vor allem Kehrversen!) gibt, kann ich nicht recht sagen, obs für 610-13 Ersatz gibt, ich habe das Gefühl, nein.

Braut des Lammes hat gesagt…

@Anonym: da hab ich mich eben auch gewundert, einige bewegen ja zur Zeit die Frage in ihrem Herzen, wie die Charismen der Frauen in der Kirche vertreten oder gewürdigt werden können, und da streicht man ausgerechnet das einzige Lied, das sich auf die Jungfrauen bezieht? Ich Diskrimininierung würde ich es nicht nennen, eher Gedankenlosigkeit.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich hätte es eher für ein dezentes Perlgrau gehalten. Deine Favoriten sind alle wieder drin, Chiqitac ;)

Anonym hat gesagt…

Ich finde es total gemein das es wohl gar kein Lied zum heiligen Josef mehr geben wird..Warum? Er ist der Bräutigam der seligen Jungfrau Maria und der Nährvater Christi und außerdem der Schutzpatron der katholischen Kirche. Bei uns in Bamberg gibt es bis jetzt noch zwei Joseflieder nämlich "Sankt Josef Spross aus Davids Stamm" & "O heiliger Josef Schutzpatron" (im Anhang) und ich bin mir sicher mit dem neuen GD gibt es keins mehr..Ich hab Angst vorm neuen GD..

Anonym hat gesagt…

Gedankenlosigkeit? ganz bestimmt nicht. Soviel, wie über dieses GL nachgedacht worden ist, war das keine Gedankenlosigkeit. Jungfrauen sind unerwünscht.

Lauda Sion hat gesagt…

mir gefällt vor allem, dass es nun einen Teil gibt, der den Umgang mit der Bibel empfiehlt und beschreibt. Auch, dass nun der lichtreiche Rosenkranz mit aufgeführt wird :)

Sursum corda hat gesagt…

Der Hauptteil und sein Liedinhalt ist eigentlich egal. Wichtig sind die Diözesananhänge, in denen das regionaltypische Liedgut gesammelt werden sollte. Hoffentlich wird der neue Paderborner Anhang besser als sein vollkommen unbrauchbarer Vorgänger.

Anonym hat gesagt…

Ich hatte eine Vorabausgabe in den Händen. Ohne mich auf die Details einzulassen stimme ich mit Nachdruck der Debatte gegen diese graphische Anbiederung an den Zeitgeist zu. Ein Kreuz mit dem Kreuz. Hätte Jesus nicht ein kompliziertes Logo aus der physiotherapeutischen Modeströmung aussuchen können, als ausgerechnet zwei Holzbalken? Danke für alle die mal ein wenig genauer hinsehen!

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