Freitag, 22. Februar 2013

„Light“ oder heavy?

Hier sitze ich und kann nicht anders. Die Überschrift Weihe „light“? eines kurzen Beitrags bei katholisch de scheint mir auch ziemlich unglücklich gewählt, wiederum hat die Äußerung Walter Kardinal Kaspers nicht viel mit dem zu tun, was in der sich anschließenden Diskussion teilweise durchklingt. Mich hat eher die Frage beschäftigt, wie er sich die Verbindung dieser Charismen – die ja durchaus verschieden sind – denkt: die zeichenhafte Berufung der Braut Christi und den aktiven Dienst eines Diakons.

„Weihe light“ oder „spezielle Weihe“ ist natürlich eine inhaltlich merkwürdige Wortschöpfung an sich. Weihe ist Weihe, nur hat man im Lateinischen drei Begriffe zu Verfügung, um verschiedene Handlungen der Kirche an ihren Gliedern zu unterscheiden: Ordinatio (das Weihesakrament), Consecratio (die Konsekration) und Benedictio (die Segnung). Die Jungfrauenweihe gehört zu den Konsekrationshandlungen der Kirche – das heißt, sie schafft einen neuen Seinszustand – die Weihe eines Abtes oder einer Äbtissin zu den Benediktionen. Genauer gesagt, heißt es über die Jungfrauenweihe: Die Kirche verbindet in diesem Fall eine benedictio constitutiva, die ein für alle Mal gespendet und nie wiederholt wird, mit einer Weihe. 

Zum anderen gibt es das Sakramentale (nicht Sakrament) von dem Kardinal Kasper gesprochen hat, ja bereits. Eines trifft jedenfalls zu: die Jungfrauenweihe können nur Frauen empfangen.

Die WELT wiederum übertitelt ihren Beitrag mit Bischöfe lassen ein wenig mehr Weiblichkeit zu und übersieht dabei zunächst glatt, worauf sie selbst im letzten Absatz doch noch kommt: daß der Kardinal über Sakramentalien gesprochen hat, die sich bis in die Frühzeit der Christenheit zurückverfolgen lassen. (Auch braucht Weiblichkeit selbstverständlich nicht „zugelassen“ zu werden, sie ist ja bei ungefähr der Hälfte der Katholiken sowieso vorhanden…)

Offen gestanden, finde ich allerdings die Diskussionskultur, genauer gesagt, die Schärfe und Unterscheidungslosigkeit, in der Auseinandersetzungen mit bestimmten Themen manchesmal geführt werden, oft geradezu bestürzend, so auch hier. Da wird, von einem Priester immerhin, als „vom katholischen Glauben abgefallen“ bezeichnet, wer sich eine sakramentale Weihe von Frauen auch nur vorstellen könne. Ein anderer schreibt in drei Zeilen ungefähr fünfmal die Worte Ordinatio sacerdotalis nieder – ohne etwas davor oder dahinter, um sie zu stützen – und beide merken gar nicht, daß Kardinal Kasper von etwas ganz anderem gesprochen hat: von Konsekration, anstatt von Ordination. Wieder andere schreiben, wenn vom Diakonat der frühen Kirche und der Ostkirche die Rede ist, Diakone und „Diakoninnen“. Das finde ich nun wirklich bedrückend. Egal, wie man dieses Thema inhaltlich bewertet, sollte man doch zu einer sachlichen Auseinandersetzung damit in der Lage sein, die auch den anderen menschlich achtet und ihm seine Würde läßt. Auch Wortspielereien mit des Kardinals Nachnamen tragen dazu nichts bei. Überdies hatte der Kardinal einen Vorschlag als Frage formuliert. Soviel sollte doch möglich sein, Denkverbote gibts nämlich nicht.

Allen Zeichendeutern, den Zwischen-den Zeilen-Lesern und auch jenen selbst ernannten Inquisitoren, die so schnell mit dem Wort Häresie zur Hand sind: wärs nicht günstig, die Worte Kardinal Kaspers überhaupt erst einmal verstehend zu lesen? Zu lesen, was er tatsächlich gesagt hat. Sich zu vergewissern, was er damit etwa nicht gesagt oder gar ausdrücklich ausgeschlossen hat. Zur Kenntnis zu nehmen, daß das ein Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche gesagt hat. Fragen, wenn man hat – ich hab sie ja auch – kann man dann immer noch vorsichtig formulieren.

Kommentare:

Gabriele hat gesagt…

Danke für diesen wie immer fundierten Beitrag. Ich habe den Vortrag des Kardinals jetzt gelesen und finde, er ist sehr klar, sachlich, informativ und absolut unideologisch (anders als das übliche Geschrei zu diesem Thema aus allen Himmelsrichtungen). Seine Anregung ist eine gute Grundlage für die gedankliche Arbeit am Thema.Eine Art Arbeitshypothese, die eben geprüft werden muss. An anderer Stelle habe ich dazu gelesen, den Frauen ginge es ja nur um Macht. Dieses Argument bin ich langsam wirklich leid. Es gibt zwar solche Frauen und vielleicht gibt es davon besonders viele in den einschlägigen Gruppierungen mit den einschlägigen Forderungen. Aber es gibt zahllose Frauen in der Kirche, die ihr einfach nur dienen und meist still den "Dienst an den Tischen" verrichten. Ohne diese Frauen würden vermutlich keine Gemeinde überleben. Ich kann nicht sehen, warum man an alte Traditionen aus dem Schatz der Kirche nicht anknüpfen sollte, wenn es sie denn gibt und solche Frauen innerhalb der sakramentalen Dimension der Kirche beauftragt bzw für ihre Aufgabe weiht, along the lines, die der Kardinal zur Diskussion stellt. Was den "Familienstand" angeht allerdings finde ich, man könnte es halten wie bei den Diakonen, die gibts ja auch - mit bestimmten Voraussetzungen - in beiden Formen.

Anonym hat gesagt…

Auch ich halte den Vorschlag des Kardinals für einen, der endlich mal in die richtige Richtung führt.
"Kann die Kirche heute nicht etwas ähnliches tun.. als sie ein Amt sui generis geschaffen hat?"
Ein Amt sui generis schuf sie auch später: von 936 - 1414 wurden in Aachen 12 Königinnen geweiht. Adelheid und ihre Schwiegertochter Theophanu wurden in Rom zu Königinnen geweiht. (Wenn die Kirche will, kann sie auch Frauen weihen). Also: Traditionen gibt es genug!
Lisje Türelüre aus der Klappergasse

Braut des Lammes hat gesagt…

Danke für den ausführlichen Kommentar, Gabriele. Der Punkt ist halt, daß sich die Vorschläge des Kardinals schon an Lebensformen ausrichten, bei denen eine Ganzhingabe des Lebens an Christus stattfindet, sei es in der Jungfrauenweihe oder in der Profeß, die eine Äbtissin ja abgelegt hat. Diese Ganzhingabe ist meines Erachtens per se eine ehelose Lebensform. An eine bloße liturigische Segnung von Pastoralreferentinnen hat er meines Dafürhaltens nicht gedacht, wozu bräuchte man eine solche?

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