Montag, 4. Februar 2013

Gnadenlos…

Sehr geehrte Damen und Herren beim Ersten,

wenn eine Sendung den Titel trägt „Wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?“, dann ist das Ergebnis schon von vorherein absehbar. Man spürt als Zuschauer die Absicht und ist verstimmt. Die Verstimmung rührt daher, daß der Sendetitel weit entfernt davon ist, eine Frage zu sein, an deren Ergründung die Macher selbiger Talkrunde irgendein Interesse hätten. Stattdessen ist er eine Aussage, die gleich mehrere Feststellungen in sich vereinigt. Davon explizit:

Erstens: die Kirche ist ein „Konzern“ (nicht etwa der mystische Leib Christi, Sachwalterin der Sakramente, zum Heile führend, seligmachend, von Christus eingesetzt, unsere Mutter – alles, was man über die Kirche zuallererst sagen könnte, das aber keine Quote bringen wird. Auch sind Talkshows ja erkennbar nicht zur Wissensvermittlung da. Was ist eigentlich aus dem Informationsanspruch der öffentlich-rechtlichen geworden?).

Zweitens: die Kirche ist „gnadenlos“ . Die Ergründung der Frage, wie graduell gnadenlos genau eigentlich?, liegt gleichfalls nicht im Interesse des Feststellungsbereichs, wie gesagt, es ist eine Sprachfigur. Hauptsache gnadenlos. Wir denken an die eiskalten Augen von Henry Fonda in Spiel mir das Lied vom Tod oder so.

Vorab wies die Redaktion leicht angezickt darauf hin, kein Bischof wäre bereit gewesen, sich in die Jauchsche Runde zu begeben. Kann ich verstehen, hätt ich auch nicht gemacht. Wie gesagt, das Ergebnis ist absehbar. Fragt sich daher, wer hier gnadenlos ist. Bei einer solchen Konstellation (gefolgt übrigens von dem todlangweiligen Konzept von ttt, das sich ebenfalls an der katholischen Kirche abarbeiten[1] durfte) bewegt sich mein Interesse daran, mit so etwas Teile des Sonntagabends zu verbringen, in einem Bereich noch unter dem Nullpunkt. Die sprichwörtliche „verschwendete Lebenszeit“ wird zwar bei weitem zu oft bemüht, hier aber trifft sie es genau. Kein großer Verlust.

____
[1]  „Schafft sich die katholische Kirche ab? Warum die katholische Kirche so tief in der Krise steckt.“ Dasselbe Prinzip.

1 Kommentar:

buenpastor hat gesagt…

Danke für diesen Kommentar mit - wie schon oft - geistlicher Tiefenschärfe der Braut des Lammes.

Aus anderer Richtung kam Josef Bordat heute zum gleichen Ergebnis: "Die Macht der Medien ist Definitions- und Deutungsmacht zugleich". Wer die Deutung angreifen wolle, müsse erst die Definition schlucken und dürfe dann nach den Regeln der Medien mitspielen.

Diesen Part hat Martin Lohmann tapfer übernommen.

Das Fernbleiben der Bischöfe dagegen könnte man wohlmeinend als Ablehnung der im Titel der Sendung vorgegebenen Definition auslegen: Über so eine Deutung diskutieren wir nicht. Sie ist indiskutabel.

Aber ganz so ist es wohl leider nicht. Ihr Vertreter war eine Enttäuschung.
Und man glaubt es kaum, wie wenn es abgesprochen worden wäre, werden ab heute laut B5aktuell in den bayerischen katholischen Krankenhäusern vergewaltigten Frauen die Pille danach auf Verlangen abgegeben.

Im Gegensatz zur Kirche in vielen, wenn nicht allen anderen Ländern, übernimmt die Kirche hierzulande in ihren eigenen Einrichtungen die säkulare Definitions- und Deutungsmuster.
Das ist wirklich gnadenlos und ruft nach Entweltlichung.

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