Samstag, 2. Februar 2013

Glauben, der unserer Berufung Glanz verleiht – Papst Benedikt zum Tag des geweihten Lebens 2013

Die klugen und die törichten Jungfrauen,
Jan Adam Krusemann, 1858
In seiner heutigen Ansprache zum Tag des geweihten Lebens sprach der Heilige Vater an die im Petersdom Versammelten wie an die gottgeweihten Menschen überall auf der Welt drei Einladungen aus, „die geeignet sind, wahrhaft die Tür des Glaubens zu durchschreiten, die uns immer offensteht“. In einem Jahr des Glaubens ging es dabei vor allem um den Glauben, denn er ist der Grund, auf dem wir stehen. Da es daher bisher nur ein Video und eine anscheinend auszugsweise englische Fassung gibt, habe ich übersetzt.

Die Ausführungen über die Sehnsucht, mit der wir uns im irdischen Leben nach den Gütern der kommenden Herrlichkeit ausstrecken sollen, haben mich an unser schönes Weihegebet erinnert:  Denen, die noch der Vergänglichkeit unterworfen sind, gewährst du Anteil an einem Leben, das ähnlich ist dem der Engel. Auch das Bild des Glaubens, der von der Art sein soll, daß er unserer Berufung einen lichtvollen Glanz verleihen soll, ist ganz vom Gleichnis mit den Jungfrauen geprägt, die dem Herrn mit Lampen entgegenziehen. Diese unsere Lampe braucht das Öl und den Glanz des Glaubens.
Ich ermuntere euch vor allem anderen zu einem Glaubensleben, das eurer Berufung Glanz verleiht. Ich ermuntere euch, dies im Geiste zu tun, in einer Art inneren Pilgerfahrt, um auf die erste Liebe zurückzublicken, mit der unserer Herr Jesus Christus euer Herz erwärmt hat. Nicht, um in Nostalgie zu schwelgen, sondern um die Flamme wieder anzufachen. Und dazu müssen wir bei ihm sein, in der Stille der Anbetung, um so die Sehnsucht und Freude wiederzuerwecken, sein Leben und seine Vorlieben zu teilen, den Gehorsam des Glaubens, die Seligpreisungen der Armen und das radikale Wesen der Liebe.

Zum zweiten ermuntere ich euch zu einem Glauben, der die Weisheit der Schwäche erkennt. In den Freuden und Sorgen der Gegenwart, wenn ihr die Härte und das Gewicht des Kreuzes spürt, zweifelt nicht daran, daß die kenosis [Entäußerung, Anm. d. Übers.] Christi schon ein Sieg von Ostern her ist. In den Grenzen unserer menschlichen Schwäche sind wir dazu berufen, Christus ähnlich zu werden, in einer allumfassenden Anspannung, die sich, in einem Maße, in dem das auf Erden überhaupt möglich ist, nach der jenseitigen Herrlichkeit ausstreckt.

Schließlich lade ich euch dazu ein, euren Glauben zu erneuern, der euch zu Pilgern in die Zukunft macht. Seinem Wesen nach ist das geweihte Leben eine Pilgerfahrt des Geistes auf der Suche nach einem Antlitz, das sich zuweilen zeigt und manchmal verschleiert bleibt. Faciem tuam, Domine, requiram )[1] Laßt dies das dauernde Sehnen eures Herzens sein, den grundlegenden Prüfstein, der eure Pfade lenkt, sowohl bei den kleinen alltäglichen Schritten als auch bei den wichtigsten Entscheidungen. Stimmt nicht in die Unkenrufen ein, die verkünden, das geweihte Leben habe keine Zukunft, keine Bedeutung in der Kirche unserer Tage, sondern zieht lieber Jesus Christus an, und ihr werdet die Waffen des Lichts tragen – wie schon der hl. Paulus mahnte – bleibt nüchtern und wachsam!

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[1] Nach Ps. 27,8: Mein Herz denkt an dein Wort: „Sucht mein Angesicht!“ Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Danke für die Übersetzung!

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