Donnerstag, 7. Februar 2013

Die Glocke von Nanban-ji


Noch irgendwie zum Fest der hl. Märtyrer von Nagasaki gehört diese Glocke, die eine anrührende Geschichte hat. Es ist die Glocke, die in der 1576 errichteten, ersten Kirche der Jesuiten in Nanban-ji zum Gebet rief. In Portugal gegossen, folgte sie den Jesuiten übers Meer in die japanische Mission. Als in der Christenverfolgung unter dem Shogun Hideyoshi Toyotomi Paul Miki und seine Gefährten das Martyrium erlitten und das Christentum in ganz Japan verboten wurde, wurde die Kirche von Nanban-ji zerstört. In den folgenden zweihundert Jahren konnte die Kirche in Japan nur im Untergrund wirken und überleben. Als die Kirche 1867 nach Japan zurückkehren durfte, fand sie dort hunderttausende Katholiken vor, die den Glauben bewahrt hatten.

Die Jesuitenkirche von Nanban-ji wurde nie wieder errichtet. Ihre Glocke aber wurde von den Mönchen des 1590 gegründeten buddhistischen Tempels in Kyoto versteckt, und zwar nicht nur über die mehr als zweihundert Jahre hinweg, in der die Christen in Japan verfolgt wurden, sondern auch während des zweiten Weltkriegs, als die Regierung Metall konfiszierte, um es für Waffen einschmelzen zu lassen – der Abt ließ die Glocke im Garten des Tempels vergraben.

Die Glocke, auf der noch immer das Monogramm des Erlösers – iHS, Jesus Christus, Sohn Gottes – und die Jahreszahl 1577 stehen, gehört heute zum nationalen Kulturerbe Japans. Auf ihre Weise ist sie auch ein schönes Beispiel für Frieden und Verständigung unter den Religionen, den Menschen, die guten Willens sind.

Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

In der Tat ein hohes Kulturgut in Japan, wo die Glocke an sich eine viel weiter zurückreichende Tradition hat als es dort Christen gibt. Insofern bemerkenswert, daß das Erzeugnis in Portugal gegossen wurde.

Braut des Lammes hat gesagt…

Vielleicht waren die Jesuiten vorher mit der Kultur nicht so vertraut, daß sie das wußten, vielleicht auch wegen des Christus-Monogramms? Eine Glocke mit einem Segelschiff hinüberzuschaffen war jedenfalls schon eine Leistung für sich.

taia hat gesagt…

Durch Oda Nobunaga, der in Kyoto Ende des 16. Jahrhunderts als maechtiger Regionalfuerst residierte und die Gruendung von Nanbanji tatkraeftig unterstuetzte, hatten die Jesuiten sicher guten Kontakt zur japanischen Kultur. Eine Nachahmung des christlichen Symbols durch japanische Glockengiesser waere theoretisch moeglich gewesen. Man entschied sich moeglicherweise aber aus zwei Gruenden fuer eine europaeische Glocke:

(a) Die europaeischen Glockengiesser waren Christen und der Glockenguss ist traditionell in Europa mit christlichen Ritualen verbunden. Das konnte man von einem japanischen Handwerksmeister nicht erwarten.

(b) Eine japanische Glocke funktioniert anders als eine europaeische. Sie hat naemlich keinen Metallkloeppel innen und schwingt nicht hin und her, sondern haengt still wird von aussen mit einem Holz angeschlagen. Dadurch klingt ihr Ton sehr weich und dunkel. Vielleicht wollten die Jesuiten deshalb eine hell klingende und im Ton weit tragende Glocke aus Europa haben.

Noch eine kleine Ergaenzung zu christlichen Artefakten in Shunko-in:

Der Tempel besitzt auch eine der seltenen Steinlaternen, die christlichen Ursprungs sind (sog. "kirishitan doro"). Der Fuss der Laterne hat die Form eines Kreuzes. Auf einer Seite des Kreuzes befindet sich, heute stark verwittert, sogar eine Mariendarstellung. Wie diese Steinlaterne in den Besitz des Tempels kam, ist unbekannt.

Glocke und Steinlaterne kann man auf der (englischsprachigen) Homepage des Tempels betrachten.

Braut des Lammes hat gesagt…

Vielen Dank, taia, für diesen interessanten Kommmentar.

taia hat gesagt…

Bitte, gerne geschehen!

Auf dem Photo sieht man uebrigens, dass die Glocke heute tatsaechlich auf japanische Weise erklingt. Der hoelzerne Hammer, mit dem sie von aussen angeschlagen wird, steckt am senkrechten Pfosten...

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