Donnerstag, 21. Februar 2013

Diakonat und Jungfrauenweihe

Ritus der Jungfrauenweihe: der Aufruf
der Kandidatinnen, vor den Bischof zu treten
Diese Ausführung Walter Kardinal Kaspers zum Zusammenwirken von Frauen und Männern im Dienst und Leben der Kirche in seinem Vortrag bei der Frühjahrsvollversammlung der DBK
Kann die Kirche heute nicht etwas ähnliches tun, wie sie im 3./4. Jahrhundert getan hat, als sie mit den Diakoninnen für die Erwachsenentaufe von Frauen ein Amt sui generis geschaffen hat? Könnte sie also heute angesichts neuer Herausforderungen nicht ein Amt für Frauen vorsehen, das nicht das des Diakons wäre, das vielmehr so wie damals ein eigenes Profil hätte? Könnte sie nicht, nicht durch sakramentale Handauflegung, sondern ähnlich wie bei der Äbtissinnenweihe, durch eine Benediktion Frauen zum Amt einer Gemeindediakonin bestellen und zu pastoralen, karitativen, katechetischen und bestimmten liturgischen Diensten beauftragen? Auch ein solches Sakramentale hätte an der sakramentalen Grunddimension der Kirche teil, wenngleich nicht in derselben „Dichte“ wie ein Sakrament. Im Sinn der Tradition könnte man überlegen, diese Benediktion mit der Jungfrauenweihe zu verbinden. Es handelte sich also bei diesem bewußt als Frage formulierten Vorschlag nicht um eine Neuschöpfung. Man könnte an ältere Traditionen und an große Vorbilder anknüpfen, man denke etwa an Phoebe von Kenchreä, Makrina, die Schwester des heiligen Basilius, Olympia von Konstantinopel oder die heilige Radegundis von Thüringen. (den ganzen Vortrag zum Herunterladen hier)
bietet Stoff für mehrere interessante Überlegungen: zum einen wäre damit klargemacht, daß ein solches Amt die Bereitschaft zum ehelosen, jungfräulichen Leben um Christi willen voraussetzt. Andererseits aber: wie paßt da nun der ständige Diakonat hinein? Verheiratete Diakone ja, Diakoninnen müssen aber jungfräulich sein? Da läge mir auch als geweihter Jungfrau spontan das neugierige „Warum?“ auf der Zunge. Der Apostel schreibt im ersten Korintherbrief: Die unverheiratete Frau und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen. Doch sagt er das ja umgekehrt auch in Bezug auf die Männer: Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt.

Der Ordo consecrationis virginum sieht als Voraussetzungen zum Empfang der Jungfrauenweihe durch Kandidatinnen, die in der Welt leben,  unter anderem vor,
daß sie niemals eine Ehe eingegangen sind und auch nicht offenkundig ein dem jungfräulichen Stand widersprechendes Leben geführt haben 
und auch
daß sie durch ihr Alter, ihr Urteilsvermögen und durch ihre nach dem übereinstimmenden Zeugnis der Gläubigen erprobten Charaktereigenschaften die Gewähr bieten, in einem sittenreinen, dem Dienst der Kirche und des Nächsten gewidmeten Leben auszuharren.
Es gibt Mentoren, die es unverblümter ausdrücken: man kann Gott nicht etwas hingeben, das man gar nicht mehr hat. Ich hoffe nicht, glaube allerdings auch nicht, daß Kardinal Kasper diesen Gedankengang so gemeint hat, daß die Jungfrauenweihe hier gleichsam „dazugespendet“ würde.

Ein solches Vorhaben mag vielleicht dazu führen, daß diese Lebensform hierzulande bekannter würde (das Heft Bittet den Herrn der Ernte des Zentrums für Berufungspastoral widmet den Wortgottesdienst für den Gebetstag im November 2013 der Bitte „um geweihte Jungfrauen, die sich mit Christus in bräutlicher Liebe verbinden“). In anderen Ländern, wie etwa den südamerikanischen, aber auch Frankreich, wächst der Ordo virginum einigermaßen rasant. Kürzlich sprach ich mit einem Priester, der längere Zeit in Italien studiert hatte, dem waren geweihte Jungfrauen in den Pfarrgemeinden völlig selbstverständlich.

Das ein solcher Vorschlag wie oben eine Verbindung verschiedener Charismata bedeutet, die sich nicht unbedingt in einer Berufung vereinigen müssen, ist es weniger (wiewohl die Berufung einer geweihten Jungfrau eine im wesentlichen kontemplative, marianische Berufung ist, was man vom diakonischen Dienst meines Erachtens eher nicht sagt). So gibt es Jungfrauen mit unterschiedlichen Gaben, die in der Welt und in monastischen Gemeinschaften leben. Jedoch gilt es meiner unmaßgeblichen Meinung nach, sich diese Berufung und ihren Ursprung anhand des Weihegebets genau anzuschauen:
Schau gütig auf unsere Schwestern. Das Versprechen der Jungfräulichkeit legen sie in deine Hand und weihen dir ihr ganzes Leben; denn du selbst hast dazu ihr Herz bewegt.
Der Ruf, das Propositum in Gottes Hand zu legen, kommt also unmittelbar von Gott selbst. Etwas ähnliches drückt die Kirche auch aus, wenn sie unter den Pflichten der gottgeweihten Jungfrauen zuallererst ausführt, daß diese
auf Eingebung des Heiligen Geistes das Gelübde eheloser Keuschheit ablegen, weil sie Christus entschiedener lieben und ihren Brüdern und Schwestern ungehindert dienen wollen. (Hervorhebung von mir)
Etwas verwirrt hat mich die Sache mit der „Dichte“. Es liegt mir fern, einen Kardinal belehren zu wollen, aber ich hätte gedacht, ich nähme in gleicher Weise wie alle Gläubigen an der sakramentalen Grunddimension der Kirche teil. Nur die anvertrauten Dienste sind verschieden, nicht aber deren Wertigkeit. (Das ist übrigens ein Gedanke, der hier wie da manchmal zu wenig gesehen werden zu scheint.) Die Frage ist doch nicht: was kann die Kirche für mich tun? – mir Macht und Wertigkeit quasi „verleihen“ – sondern, was kann ich für die Kirche tun? – ihr dienen, in ihr heilig werden.

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