Sonntag, 13. Januar 2013

Vierzig Tage und die Weihnachtszeit

Neulich bin ich gefragt worden, ob bei mir eigentlich die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar dauert? Hier bin ich etwas ambivalent – zum einen gefällt mir der Brauch, die Krippe bis zum 2. Februar stehen zu lassen, und die liturgische Krippenschließung am Fest der Darstellung des Herrn gefällt mir auch. Andererseits besuche ich fast nur „ordentliche“ Heilige Messen, das römische Stundenbuch sieht nach dem Fest der Taufe des Herrn auch wieder grün vor, insofern würde es sich komisch anfühlen, in einer anderen Zeiteinteilung zu feiern als die Ortskirche, deren Dienst ich ja auch geweiht bin. Morgen also wieder Grün.

Daß die Weihnachtszeit sich nicht mehr bis zum Fest der Darstellung des Herrn erstreckt, sondern nur noch bis zur Taufe des Herrn, finde ich schade und ich würde gern die Gründe kennen, die die Reformer der Liturgie zu diesem Schritt (oder Schnitt) bewogen haben. Die Tatsache, daß in manchen Jahren die Vorfastenzeit schon vor dem 2. Februar begonnen hat und somit gleichsam zwei Festgeheimnisse miteinander kollidierten, kann es eigentlich nicht gewesen sein, denn die Vorfastenzeit, die der Schott eine „schöngegliederte Vorhalle“ nannte, hat man ja auch abgeschafft.

Zum einen wurde so nämlich das Fest der Darstellung mit seinem auf die Menschwerdung bezogenen Festgeheimnis gleichsam abgenabelt, zum andren wurde die Weihnachtszeit erheblich verkürzt. Die Geburt Christi, das wunderbare der Menschwerdung, nur so vergleichsweise kurz zu feiern, kommt mir zunehmend seltsamer vor, so daß mich in jedem Jahr das Ende der Weihnachtszeit etwas unvermittelt trifft. Auch ist dadurch ein weiteres Vorkommen der Zahl Vierzig gleichsam zerschnitten worden: vierzig Tage hat der Herr in der Wüste gefastet und vierzig fasten wir in der Fastenzeit, vierzig Tage war früher einmal auch die Adventszeit lang, vierzig Tage dauert die Osterzeit bis zur Himmelfahrt Christi, und vierzig Tage hat die Kirche früher die Weihnachten gefeiert. Auf diese Weise markierte das Fest der Erscheinung Christi, das heute kurz vor dem liturgischen Ende der Weihnachtszeit aufleuchtet, eigentlich erst das Ende der ersten Hälfte der Weihnachtszeit, also quasi die „Halbzeit“.

Freitag mittag Ende April,
irgendwo in Deutschland –
da war noch was…
In der Welt wird nach den eigentlichen Festtagen manchmal so schnell „aufgeräumt“, daß man es kaum glauben kann, so daß man froh drum ist, daß die Kirche dem Innewerden und Auskosten des Festgeheimnisses Raum gibt. Mancher Christbaum liegt schon am 26. auf der Straße. Der Baum der vergangenen Weihnacht wurde übrigens, ich hab es zufällig dokumentiert, erst am rekordverdächtigen 20. April abgeholt, wir hätten ihn also getrost bis Lichtmeß stehen lassen können.

Ist Weihnachten damit zu Ende? Nein, denn das Geheimnis der Menschwerdung Christi und sein Lobpreis durchwebt das ganze Kirchenjahr, und so fällt etwas vom Glanz des Weihnachtsfestes auch darauf, denn das Wort ist Fleisch geworden, um unter uns zu wohnen. Manchmal würde ich mir allerdings wünschen, die Kirche gäbe den Gläubigen etwas von den Schätzen früherer Tage zurück: die Pfingstoktav, über deren Abschaffung Papst Paul VI. in Tränen ausbrach, die vierzigtägige Weihnachtszeit, ja auch die schöne Vorhalle der Vorfastenzeit, die Quatember am alten Platz – wir wollen es wiederhaben.

Kommentare:

Gabriele hat gesagt…

Hat nicht Paul VI selbst die Pfingstoktav abgeschafft?
Das Gute am grünen Stundenbuch ist, dass einem elende Blättern erspart bleibt ...:)

Admiral hat gesagt…

Ja, seitdem ich mich mit der AO Form näher beschäftige finde ich die Kalenderänderungen im Rahmen der Liturgiereform höchst unlogisch und die Kontinuität brechend.

Selbst auf ökumenischer Ebene mit den Protestanten haben wir in der OF nun kein gemeinsames Kirchenjahr mehr.

Kalenderreform rückgängig: gezz (TM)!

Braut des Lammes hat gesagt…

Es geschah unter seinem Pontifikat, das ist richtig. Allerdings scheint er sich nicht aller Implikationen dessen, was die entsprechenden Kommissionen dann beschlossen haben, gewahr gewesen zu sein, denn es ist von ihm die Geschichte überliefert, wie er nach der Reform des römischen Kalenders am Dienstag nach Pfingsten in die Sakristei kam und sich darüber verwunderte, daß grüne Gewänder ausgelegt waren. Der Sakristan hielt ihm entgegen, die Pfingstoktav sei abgeschafft. Auf die Frage, wer sie denn abgeschafft hätte, antwortete man ihm, er selbst sei es gewesen. Darüber brach Papst Paul in Tränen aus.

Anonym hat gesagt…

Also für mich persönlich dauert die Weihnachtszeit auch weiterhin noch 40 Tage! Mein Krippe lasse ich bis zum Fest Mariä Lichtmess stehen und nach dem täglichen Rosenkranzgebet singe ich auch weiterhin noch ein Weihnachtslied (manchmal auch 3 oder 4^^). In meiner Heimat Polen werden die Weihnachtsbäume und Krippen auch erst nach dem 2. Februar aus den Kirchen "verbannt" und es besteht auch weiterhin der Brauch zum Abschluss der hl. Messe bis zum 2. Februar ein Weihnachtslied zu singen. Unser alter Pfarrer (in Deutschland) hat das auch noch so gemacht, der neue Pfarrer singt schon am Hochfest der Gottes Mutter Maria kein Weihnachtslied mehr...

Psallite Deo hat gesagt…

Ich handhabe das schon länger zweigeteilt: In der Kirche natürlich grün (also auch keine Weihnachtslieder), zu Hause darf die Weihnachtsdeko gerne auch bis zum 2.2. stehenbleiben (es sei denn, der Baum wäre schon zu unansehnlich).
Einmal, als Ostern sehr früh lag, hatte ich den Baum bis nach Aschermittwoch stehen (der 2.2. war kurz vor Aschermittwoch, aber da war ich in Urlaub und bin erst danach zum Abbauen gekommen).

Eugenie Roth hat gesagt…

Auch im Vetus Ordo ist nun die liturgische Farbe wieder grün. Bei uns in der kleinen Kapelle steht nun an Stelle der Hl. Familie mit dem Jesusbaby auf dem Arm Mariens das Jesuskind mit der Siegesfahne in der Hand.

Braut des Lammes hat gesagt…

Grün, echt, nicht weiß, trotz Weihnachtszeit? Wußte ich gar nicht.

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