Freitag, 11. Januar 2013

Secret dreamworld of a veiloholic (2)

Franziskanerin von der Immakulata in Lanherne
Im Kommentarbereich des Beitrags mit den historischen Fotos aus dem Karmel gabs einen Kommentar, den ich nach kurzer Überlegung gelöscht habe, weil er mir herabwürdigend erschien. Dazu ganz kurz: Ich lasse auf dem Blog auch anonyme Kommentare zu, und Kommentare müssen auch durchaus nicht meiner Sicht der Dinge entsprechen, es wäre jedoch schön, wenn ein gewisses Maß an Respekt vor dem behandelten Thema gewahrt bliebe. Gerade bei einem anonymen Kommentator ist es schwer zu sagen, ob sich da jemand tatsächlich mit dem Thema auseinandersetzen möchte und sich nur gerade da etwas flapsig ausgedrückt hat oder ob jemand einfach nur den Autoren zum Brot machen möchte.

An der Klausurtür bei den Religieuses
Victimes du Sacré-Cœur de Jésus
in Marseille
Zu den Schleiern wollte ich jedenfalls noch etwas sagen. Solche Schleier waren früher in manchen Orden mit päpstlicher Klausur gang und gebe. Im Grunde sind sie wohl als Bestandteil der Klausur und ihrer Vorschriften zu betrachten, wie etwa die Einrichtung einer Winde, durch die Gegenstände hinein- oder hinausgereicht werden und bei deren Gebrauch sich die Schwestern, die die Winde bedienen, nicht sehen, oder eines doppelten Gitters mit Holzladen.

Betritt ein Fremder – in der Regel Handwerker, Ärzte, Geistliche oder Lehrer – die Klausur, so geht die Pförtnerin mit ihm oder ihr und mahnt die anderen Schwestern durch ein Schellenzeichen, außer Sicht zu bleiben. Als in der Klausur eines mir bekannten Karmels allerdings einmal Handwerker waren, flüsterte mir im Refektorium, wo man zu dieser Zeit im Stehen die „kleine Stärkung“ zwischendurch einnehmen konnte, allerdings eine Schwester ins Ohr: „Männer in der Klausur –  die müssen integriert werden!“

Ist das außer Sicht bleiben nicht möglich oder trifft man am Sprechgitter Menschen, die nicht zur Familie gehörten, so legte man den Klausurschleier über (bzw. ließ den Schleier vorn übers Gesicht herunter).

heruntergelassener Schleier bei den Karmelitinnen
(der Fotographie, nicht des Chorgebets wegen)
Letztlich seinen Ursprung hat diese Sitte vielleicht in der liturgischen Anweisung, daß bei der Jungfrauenweihe der Bischof der Consecranda den Schleier so anlegt, daß er über die Schultern und über die Brust und bis zu den Augen herabhängen soll, also in der Velatio virginum. Als Schmankerl am Rande sei bemerkt, daß gerade die Benediktinerinnen, deren Schleier in der herkömmlichen Tracht eigens an der Kante einen Teil haben, der zurückgeschlagen wird und sich herunterlassen ließe, diese Funktion gar nicht mehr nutzen, die zurückgeschlagene Kante des Schleiers ist einfach „so da“, gleichsam ein Rudiment. Manche Orden haben, vor allem im Zuge der Veränderungen der Ordenstrachten und der Konstitutionen nach dem zweiten vatikanischen Konzil, auch den Gebrauch des Klausurschleiers abgeschafft, andere – wie manche Karmelitinnen, Klarissen oder auch die Victimes du Sacré-Cœur de Jésus – haben ihn beibehalten, während einige neugegründete Gemeinschaften, wie etwa die Franziskanerinnen von der Immakulata, den Gebrauch eines Klausurschleier mit großer Selbstverständlichkeit da aufgenommen haben, wo einige von ihnen in Klausur leben, im kornischen Lanherne.
Klarissen nach der feierlichen
Profeß einer Schwester.
Der Schleier der
Neuprofesse ist zurückgeschlagen

Die Meinung dazu ist – wie auch zu anderen konstitutionellen Vorschriften oder sogar ganzen Konstitutionen – unter den Nonnen verschieden. So gibt es Klarissen, die froh sind, daß dieser Schleier außer Gebrauch gekommen sei, so etwas könne man den Menschen heute nicht mehr zumuten. Andere wieder finden gar nichts dabei, es ist halt Brauch, also wird es gemacht. Sicher ist wohl, es ist ein Zeichen, das – wie andere auch – heute nicht leicht verstanden wird. Sollte man es deshalb abschaffen?

Vom Gedanken her fand ich solche Details der Klausurvorschriften eigentlich immer sehr schön – sie bringen das „für Gott allein“ zum Ausdruck und auch den Gedanken, daß die Klausur eigentlich ein Ersatz für die Wüste ist, in der man Gott in der Einsamkeit finden möchte. In der Wüste ist man halt vor den Augen anderer weitgehend verborgen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ein wundervoller und sehr interessanter Beitarg! Was mich nur interessiert was die Schwester mit „Männer in der Klausur – die müssen integriert werden!“ meinte?

LG und Gottes Segen & Marien Schutz

Matthias

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich hätte es dazuschreiben sollen: die Schwester war ein lustiges Huhn. Männer in der Klausur sind naturgemäß etwas durchaus Ungewöhnliches. Die Bemerkung war einfach ein Versuch, mich zum Lachen zu bringen.

seady hat gesagt…

Ich kann nur sagen, dass ich diese Schleierliebe teile - Soll heißen: ich finde, das Tragen des tiefen Schleiers ist ein sehr schönes und dabei auch schlichtes und einfaches Zeichen der ausschließlichen Liebe zu Christus.

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