Sonntag, 20. Januar 2013

Gott selbst vermählt sich ihnen – zum Fest der hl. Agnes

Grab der Heiligen in Sant'Agnese fuori le mura
Ewiger Gott, du berufst, was schwach ist in dieser Welt, um das, was stark ist, zu beschämen, heißt es im Tagesgebet, der Lesung vom Fest folgend.

Schaut man auf das Martyrium der heiligen Jungfrau Agnes, so ist das, was scheinbar schwach erschien, letztendlich gar nicht einmal so schwach. Im Gegenteil, es hat sich als stark und beharrlich erwiesen. All die Stärke ihres Herzens und ihrer jungfräulichen Liebe hat die Heilige auf dieses eine Ziel gerichtet, ihren Bräutigam Christus zu gewinnen und die Krone des ewigen Lebens.

Ein Fingerzeig liegt vielleicht in den Worten in dieser Welt – in den Augen der Welt. Christus beruft die, die in den Augen der Welt schwach, töricht, niedrig und verachtenswert erscheinen, aber diese sind wahrhaft die seinen. Ein Wort, das den Seligpreisungen der Bergpredigt in nichts nachsteht.

Daß ein Mensch, eine Jungfrau, auf das Glück einer irdischen Familie verzichtet, mag vielen töricht erscheinen, ja, manchem ist es sogar ein Ärgernis. Es ist töricht in den Augen der Welt, aber nicht töricht vor Gott, denn er selbst hat ihr Herz dazu bewegt, wie es im Weihegebet über die Consecranda heißt. Deshalb tritt nach dem namentlichen Aufruf bei der Weihe die Jungfrau von den Bischof mit den Worten Hier bin ich, denn du hast mich gerufen. Wer wollte sagen, daß der Ruf Gottes, das Vertrauen auf den Ruf Gottes etwas Törichtes wäre?

die mystische Vermählung der hl. Agnes,
unbekannter Meister, um 1475
Einer der Kommunionsverse, der Liturgie des heutigen zweiten Sonntags im Jahreskreis, die durchzogen ist von dem bräutlichen Geheimnis der Kirche, war: Credidimus caritati – wir haben der Liebe geglaubt. Ich denke, das kann man auch über die Jungfrauen der Kirche sagen: sie haben der Liebe geglaubt, sie glauben der Liebe und lassen sich ganz auf diese Liebe ein. Dafür sind sie selbst ein Zeichen: daß es Wunderbares ist, sich an Jesus Christus als seine Braut zu binden, daß dies etwas ist, daß es der Braut tatsächlich Güter der kommenden Herrlichkeit schenkt. Töricht in den Augen der Welt? Vielleicht, aber nicht töricht in den Augen der Braut Christi, denn Christus ist wahrhaft der Bräutigam, dem die Engel dienen und dessen Schönheit Sonne und Mond bewundern.

Die Benedictusantiphon des Festes der heiligen Agnes
Schon schaue ich, wonach ich mich sehnte, schon besitze ich, was ich erhoffte: Den ich auf Erden von Herzen geliebt, mit dem bin ich im Himmel vereint
hat, wie andere Antiphonen zu diesem Fest, unmittelbar Eingang in den Ritus der Weihe einer Jungfrau gefunden, allerdings in der Gegenwartsform:
Seht, was ich begehrte, schon sehe ich es; was ich erhoffte, schon halte ich es: ihm bin ich im Himmel verbunden, den ich auf Erden mit ganzer Hingabe liebe.

Hier ist der Blick nicht nur nach vorn gerichtet, auf die kommende Herrlichkeit, sondern auch auf die, die ich jetzt bereits habe: was ich erhoffte, schon halte ich es. Das soll nicht heißen, daß es bei dieser Berufung nie eine bittere Stunde gäbe. Und doch, am Abend eines Tages, an dem uns vielleicht „die Welt“ verachtet und töricht gefunden haben mag, ist eine Braut Christi nichtsdestotrotz unabänderlich und für immer Braut Christi, und eines Tages wird sie das Lied singen, das sonst keiner singen kann. Was sonst wäre schöner und wichtiger?

1 Kommentar:

jeannedarc hat gesagt…

ob es wirklich so "töricht" ist, heutzutage auf Familie und Kinder zu verzichten, sei noch einmal dahingestellt. Wenn ich mich in meinem Freundes-und Bekanntenkreis so umsehe gibt es, wie mir scheint, wenige wirklich gute Ehen und Beziehungen. Manchmal kommt es mir so vor, dass Leute einfach zusammenbleiben aus Gewohnheit, weil es sich irgendwann mal so ergeben hat. Und von den Sorgen mit den Kindern, besonders, wenn sie grösser sind, und die Eltern zusehen müssen ,wie sie auf Abwege geraten, will ich erst gar nicht reden. Da bleibe ich doch lieber unverheiratet......

LG. J.d.A.

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